Volkswagen versucht den Neustart ohne Patriarch Piëch

Wolfsburg · Nach dem erbitterten Machtkampf und dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch versucht Europas größter Autokonzern Volkswagen wieder Tritt im Alltag zu finden."Hinter uns liegen - vorsichtig gesagt - bewegte Tage", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn gestern auf der Hauptversammlung.

Der langjährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch fehlte erstmals seit über einem Jahrzehnt bei dem Aktionärstreffen. Piëch hatte die Führungskrise bei VW mit dem Versuch einer Demontage Winterkorns ausgelöst.

Winterkorn würdigte Piëchs Verdienste um Volkswagen: "Dieser Konzern und seine Menschen - und auch ich - haben Herrn Dr. Piëch sehr viel zu verdanken." Piëch habe die Automobilindustrie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt wie kein Zweiter - als Unternehmer, als Ingenieur und als "mutiger Visionär".

Bei der Suche nach einem neuen Chefaufseher will sich Volkswagen Zeit lassen. Man werde "nichts überstürzen", sondern mit Ruhe und Umsicht agieren, sagte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD ).

Aktionäre kritisierten die Führungsdebatten bei VW . Der Machtkampf sei "schrecklich unprofessionell" gewesen, sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker.

Im Tagesgeschäft will Winterkorn nun die anstehenden Probleme angehen, die Rendite bei VW erhöhen, die Führung dezentralisieren und das Nutzfahrzeug-Geschäft bündeln.

Für erfreuliche Nachrichten sorgt derweil das milliardenschwere Sparprogramm für mehr Effizienz bei der Marke Volkswagen. "Wir rechnen damit, dass deutlich über eine Milliarde Euro davon bereits im laufenden Jahr ergebniswirksam wird", sagte Winterkorn.

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