| 21:13 Uhr

St. Ingbert
Voit stellt sich auf den Umbruch ein

Blumen für die saarländische Wirtschaftsministerin: Anke Rehlinger hier mit Jerzy Pajak, dem geschäftsführenden Gesellschafter des St. Ingberter Mittelstandsunternehmens Voit.
Blumen für die saarländische Wirtschaftsministerin: Anke Rehlinger hier mit Jerzy Pajak, dem geschäftsführenden Gesellschafter des St. Ingberter Mittelstandsunternehmens Voit. FOTO: Michael Aubert
St. Ingbert. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger sieht das St. Ingberter Unternehmen „außerordentlich gut aufgestellt“.

Dass die Automobilbranche vor einem Umbruch steht, ist nicht neu. Der Schrei nach mehr Elektromobilität, die wachsende Kritik an den Dieselfahrzeugen und zuletzt auch die Diskussion um autofreie Städte. Themen, die nicht nur den vermeintlichen Kunden, sondern eben auch die Autohersteller und ihre vielen Zulieferbetriebe schon lange verunsichern. Auch beim Mittelstandunternehmen Voit in St. Ingbert, das mit seinen etwa 850 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in der Mittelstadt gehört.


Wo genau die Reise hingeht, kann derzeit niemand sagen. Doch Voit, deren Technologie sich nach eigenen Angaben in 250 Fahrzeugmodellen und 45 Marken wiederfindet, sieht den Umbruch in der Automobilindustrie auch als Chance. Das wurde gestern bei einem Termin mit der saarländischen Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger am Standort in St. Ingbert deutlich. Zumindest die Investitionssummen bei Voit bestätigten dies. Zehn Prozent des Umsatzes würden wieder investiert, erklärte Hendrik Otterbach, geschäftsführender Gesellschafter, „jährlich sind das etwa 15 Millionen Euro“. Etwa ein Drittel davon würde in die neuen Geschäftsbereiche wie Elektromobilität und Autonomes Fahren fließen. „Abhängig vom Marktwachstum werden wir auch weitere Investitionen tätigen und den Weg in diese Richtung fortführen“, erklärte Geschäftsführer Christoph Langehenke.

Das Dilemma: Auch wenn der Preisdruck, dem Voit ausgesetzt ist, hoch ist, wird ein Großteil des Umsatzes mit Teilen für Verbrennungsmotoren generiert. Zeitgleich müssten aber schon jetzt große Investitionen in neue Technologien getätigt werden, sagt Otterbach: „Wir müssen hoffen, dass das Konzept aufgeht und dass sich die Investitionen irgendwann durch eine hohe Stückzahl rechnen.“ So muss das Kerngeschäft mit Teilen für Verbrennungsmotoren die Investitionen in neue Technologien tragen. Was Unternehmen wie Voit deshalb vor allem bräuchten sei Stabilität, Verlässlichkeit und „konstante Rahmenbedingungen, die sich nicht sprunghaft ändern“, sagte Langehenke.



Klar bekannte sich die Geschäftsführung zum Standort in der Mittelstadt: „Wir sind Voit und wollen in St. Ingbert bleiben“, sagte Jerzy Pajak, geschäftsführender Gesellschafter. „Auch wenn die Bedingungen, in Westeuropa zu produzieren, immer schwieriger werden“, wie Langehenke hinzufügte.

Für Anke Rehlinger war es wichtig, sich zu zeigen „und sich auch mal direkt mit den Entscheidern eines Unternehmens zusammenzusetzen“. Grundsätzlich bewertete Rehlinger die Grundlagen des Unternehmens „als außerordentlich gut“. Trotz des Umbruchs stärkte sie der Automobilbranche im Saarland den Rücken. „Wir haben 40 000 Beschäftigte im Saarland in der Automobilbranche und 20 000 davon hängen am Verbrennungsmotor“, sagte Rehlinger und betonte gleichzeitig: „Wir können den Dieselmotor nicht einfach komplett vom Markt nehmen. Was wir brauchen, ist eine Entwicklung, keine Abbruchkante.“

Bezüglich der Wirtschaftsförderungsmaßnahmen der Landesregierung für die saarländische Automobilindustrie wurde Rehlinger nicht konkret. Die Ministerin sicherte dem Unternehmen dennoch die Unterstützung ihres Ministeriums zu. Anteile von Entwicklungskosten etwa „könnte durchaus auch das Land übernehmen“, sagte Rehlinger.

Ein Blick in die Werkhallen bei Voit: Investitionen hat der Betrieb in den vergangenen Jahren nicht gescheut.
Ein Blick in die Werkhallen bei Voit: Investitionen hat der Betrieb in den vergangenen Jahren nicht gescheut. FOTO: Michael Aubert