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Villeroy & Boch setzt auf Online

Mit dem Facebook-Auftritt versucht das Unternehmen, jüngere Kunden zu gewinnen. Foto: V&B
Mit dem Facebook-Auftritt versucht das Unternehmen, jüngere Kunden zu gewinnen. Foto: V&B FOTO: V&B
Mettlach. Der Umsatz über den E-Shop von Villeroy & Boch ist zwar noch zu vernachlässigen. Doch das Online-Geschäft ist für den Mettlacher Keramik-Konzern ein wichtiges Mittel zur Kundenbindung und -gewinnung. Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger

Auf den ersten Blick macht das Online-Geschäft bei dem Mettlacher Keramikhersteller Villeroy & Boch nur einen geringen Teil des Umsatzes aus. 6,2 Millionen Euro erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr über Online-Verkäufe - weniger als ein Prozent des Gesamtumsatzes von 743 Millionen Euro. Und doch bekräftigt Vorstandschef Frank Göring: "Wir nehmen das Thema Online sehr ernst." Auch wegen des rasanten Wachstums: "In diesem Jahr werden es wahrscheinlich 8,5 Millionen Euro Umsatz sein, bei guter Entwicklung sogar zehn Millionen", sagt Göring.

Der allein ist es nicht, der den Konzern treibt, Facebook-Fan-Seiten in zahlreichen Ländern zu betreiben oder einen Online-Shop auf der V&B-Homepage - vielmehr will das Unternehmen auf diesem Weg jüngere Käuferschichten erreichen - und Kunden in Regionen, in denen V&B nicht mit Läden vertreten ist. "Bei Facebook geht es nur um die Marke", sagt Göring. 32 000 Fans hat die deutsche Seite. Mitmachaktionen gibt es dort ebenso wie Nachrichten und natürlich immer wieder Geschirr und Bad. Aggressiv verkaufen wolle die Seite nicht, sagt Göring. "Das wollen die Facebook-Nutzer nicht. Dann verlieren sie diese schnell wieder."

Gant anders die Internet-Seite des Konzerns. Der dortige E-Shop ist reich gefüllt mit Geschirr-Serien aus Mettlach. Ob das keine Konkurrenz zum klassischen Handel darstellt? "Natürlich schaut der Handel sehr genau, was wir machen", sagt Göring. Aber "wir wollen dem Handel keine Konkurrenz machen", sagt er. Deshalb würden die Serien auch nicht unter den empfohlenen Verkaufspreisen angeboten. Aber: Ein solcher E-Shop gehöre einfach zum Angebot dazu. "Wir sehen aber auch, dass die Kunden die Ware zwar bei uns auf der Seite anschauen, dann aber doch noch einmal in den Laden gehen, wo sie sie anschauen und anfassen können", sagt Göring. Billig-Angebote im Internet sind auch dem V&B-Chef ein Dorn im Auge: "Reine Online-Shops beliefern wir nicht und geben auch keine Sonderkonditionen", sagt er. Wenn aber ein zugelassener Händler Ware auch über das Internet verkauft, ließe sich rein kartellrechtlich nichts dagegen machen.

Dass es im E-Shop zwar auch Bad-Zubehör, aber keine Bad-Keramik zu kaufen gibt, hat wiederum mit dem speziellen deutschen Vertriebssystem über den Fachhandel zu tun, bei dem Händler und Handwerk sich über den Verkaufspreis der Produkte mitfinanzieren. Das allerdings wird langfristig nicht zu halten sein, ist Frank Göring überzeugt: "Weil es immer wieder Fachhändler gibt, die unsere Produkte auch über das Internet verkaufen, ist die Preistransparenz da", sagt er. Kunden würden deshalb die höheren Preise des Handwerks nur noch dann akzeptieren, wenn ihnen auch ein entsprechender Mehrwert geboten wird - beispielsweise eine längere Garantie.

Göring sieht aber auch hier Potenzial, die das Internet dem Handwerk bietet. So sei es möglich, online das eigene Bad zu planen und sogar dreidimensional anzuschauen. Bei 200 000 Nutzern hätten 35 000 eine komplette Planung abgeschlossen und 7000 davon anschließend ihre Adresse eingegeben um Kontakt zu einem Handwerker zu bekommen. "Das ist echter Mehrwert für die Handwerker, weil wir ihnen Kundenkontakte vermitteln", sagt Göring. Der Bad-Planer ist so zu einem wichtigen Marken-Instrument geworden.

Das Online-Geschäft hat auch die Logistik bei V&B beeinflusst, da aus dem Zentrallager in Merzig nun auch Einzel-Kunden beliefert werden. Wodurch auch für den Handel neue Möglichkeiten entstehen: "So ist es möglich, im Geschäft ein Produkt zu kaufen, das dann nach Hause geliefert wird", sagt Göring.



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Hintergrund V&B hat im ersten Halbjahr Umsatz eingebüßt, unter dem Strich aber mehr Gewinn gemacht. Die Erlöse sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozent auf 359,8 Millionen Euro. Das Konzernergebnis stieg von 4,5 auf 5,1 Millionen Euro. Grund sind unter anderem niedrigere Beschaffungskosten und ein positiver Effekt bei Zinsaufwendungen. Den Umsatzrückgang begründet das Unternehmen vor allem mit der Staatsschuldenkrise in Europa. dpa