Viele Amerikaner legen bewusst eine Facebook-Pause ein.

Studie zu Nutzerverhalten : US-Nutzer lassen Facebook links liegen

Viele Menschen verstehen nicht, wie das soziale Netzwerk funktioniert – und wenden sich gezielt von ihm ab.

Diese Zahlen müssen Facebook zu denken geben: Laut einer Umfrage haben 42 Prozent der US-Nutzer in den vergangenen zwölf Monaten zumindest eine mehrwöchige Pause vom Online-Netzwerk gemacht. Zudem habe gut jeder Zweite die Einstellungen zum Datenschutz im Facebook-Profil verändert, ergab die Erhebung des renommierten Pew Research Centers. Facebook wurde in den vergangenen Monaten vom Datenskandal um Cambridge Analytica erschüttert und stand zudem im Mittelpunkt der Debatten um gefälschte Nachrichten und russische Propaganda-Kampagnen rund um die US-Präsidentschaftswahlen 2016.

Knapp jeder Zehnte nutzte der Umfrage zufolge die im Frühjahr eingeführte Möglichkeit, alle seine Facebook-Daten herunterzuladen. Jüngere Nutzer seien deutlich aktiver dabei gewesen, ihre Datenschutz-Einstellungen anzupassen, berichtet das Pew Research Center, das für die Studie von Ende Mai bis Mitte Juni rund 4600 Personen befragte.

In der Umfrage gaben auch mehr als ein Viertel der Befragten an, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten die Facebook-Anwendung von ihren Smartphones gelöscht. Unklar blieb, ob die Anwendung in diesen Fällen auch gelöscht blieb oder zu einem späteren Zeitpunkt doch wieder installiert wurde.

Die Quartalszahlen von Facebook zeigen für Nordamerika in den vergangenen Monaten eine Stagnation an der Marke von 241 Millionen monatlich aktiver Nutzer. In Europa beteiligten sich sogar etwas weniger Menschen aktiv an der Plattform als noch ein Jahr zuvor. Die Zahl der Nutzer, die mindestens einmal im Monat das Netzwerk ansteuerten, ging von 377 auf 376 Millionen zurück. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen. Während der Präsentation der Quartalsresultate bemühte sich die Konzernleitung, die europäischen Zahlen auf die Einführung strengerer Regeln im Umgang mit persönlichen Informationen durch die Datenschutzgrundverordnung zurück zu führen.

Diese Begründung gilt jedoch nicht für Nordamerika, den mit Abstand wirtschaftlich wichtigsten Markt für Facebook: Dort erwirtschaftet das Online-Netzwerk rund die Hälfte seiner Umsätze. Pro Nutzer nahm Facebook im Heimatmarkt im vergangenen Quartal mehr als 25 Dollar ein – im weltweiten Schnitt waren es weniger als sechs Dollar.

Weitere Ergebnisse des Forschungsinstituts liefern Hinweise darauf, warum immer mehr Amerikaner versuchen, Abstand von dem sozialen Netzwerk zu gewinnen. So verständen nach eigener Einschätzung mehr als die Hälfte der Nutzer gar nicht oder nicht gut, warum Facebook ihnen welche Beiträge anzeige. Je älter die Nutzer seien, desto weniger durchschauten sie Facebooks Funktionsweise: Während unter den 18 bis 29-Jährigen fast 60 Prozent angaben, den sogenannten Newsfeed zu verstehen, waren es bei den über 65-Jährigen nur 37 Prozent.

Das ist wichtig, weil laut den Forschern nicht nur fast 70 Prozent aller US-Amerikaner im vergangenen Jahr Facebook nutzten. Von diesen hätten sich zudem zwei Drittel auf dem sozialen Netzwerk über das aktuellen Geschehen informiert – fünf Prozentpunkte mehr als noch 2016.

Zwar ermögliche Facebook seinen Nutzern, die Inhalte ihrer Newsfeeds zu einem gewissen Maß zu steuern. Aber laut Pew Research sind nur 14 Prozent der Befragten davon überzeugt, stark beeinflussen zu können, welche Meldungen ihnen angezeigt werden. 28 Prozent seien sich sogar sicher, gar keinen Einfluss darauf nehmen zu können. Bei den über 65-Jährigen ginge davon fast die Hälfte der Befragten aus, während die meisten der 18 bis 29-Jährigen das Gefühl hätten, wenigstens eine geringe Kontrolle zu haben (82 Prozent).

Nutzer, die davon ausgehen, nicht beeinflussen zu können, welche Beiträge sie zu sehen bekommen, versuchen es gar nicht erst. Das folgert das Forschungsinstitut mit Blick darauf, dass zwar 48 Prozent der 18 bis 29-Jährigen diesen Versuch gestartet hätten, aber nur 19 Prozent der 65-Jährigen. Am häufigsten versuchten die Befragten den Inhalt ihres Newsfeeds zu steuern, indem sie gezielt Gruppen oder Seiten von Organisationen abonnierten oder deabonnierten.

(dpa)
Mehr von Saarbrücker Zeitung