Viel Liebe – und zu wenig Gitarre

Viel Liebe – und zu wenig Gitarre

Hits wie „Dance with Somebody“ haben die Band Mando Diao zum größten schwedischen Musik-Export seit Abba gemacht. Doch mit ihren bewährten Gitarren-Klängen haben sie mittlerweile gebrochen – das Resultat beim Konzert am Freitag war befremdlich.

Zugegeben, wer sich das siebte und jüngste Studioalbum von Mando Diao vor dem Konzert in der Rockhal zu Gemüte geführt hatte, der hätte es wissen können: Die Band um ihre Frontmänner Björn Dixgård und Gustaf Norén, die bislang zu den erfolgreichsten schwedischen Rock-Exporten zählten, hat mit ihrem ursprünglichen Stil gebrochen und sich dem Synthie-Pop zugewandt. Dennoch ist es, freundlich formuliert, befremdlich, was da am Freitag zu sehen ist. Über weite Teile ist das kein Rock-Konzert - eher eine neuzeitliche Esoterik-Oper schräger Elektro-Popper, mit Ausflügen in Richtung Techno, ideologisch überbaut mit einem wiederkehrenden Bekenntnis zur Liebe.

Was zu der Frage führt: Sind die netten Jungs da vorne auf Ecstasy? Dessen Wirkung auf die Psyche soll den Konsumenten ja allumfassende Liebe empfinden lassen. Zudem soll seine Einnahme bewirken, dass stereotype Rhythmen einem harmonisch erscheinen. Norén hüpft über die Bühne, als tanzte er in glückseliger Versunkenheit seinen Namen; dabei ist er ebenso wie Dixgård in große Saunatücher gehüllt. Die fallen später, und das Publikum muss mitansehen, was die Elektro-Popper drunter tragen: weiße, enganliegende Unterhosen.

Die Bühne wird von zwei Säulen gefasst, aus einem futuristischen Gebilde im Zentrum strömen Licht und synthetische Klänge. Während sich die beiden Frontmänner ekstatisch hin und her wiegen und das Publikum immer wieder zum Mitmachen animieren, verharrt dieses größtenteils in einer Art Schockstarre. Applaudiert wird eher höflich denn euphorisch. Positiv im Gedächtnis bleibt von der ersten Stunde nur, dass Dixgård und Norén nach wie vor fantastische Stimmen haben. Was aber nicht verhindert, dass sich die Halle bei zunehmender Konzertdauer peu à peu leert. So entgeht einigen, dass die Schweden sich am Ende doch noch eines Besseren besinnen: Spät greifen sie auf ihre großen Hits zurück, spielen "Gloria", "Dance with Somebody" und "Black Saturday" - auch wenn man sich eher wie an einem schwarzen Freitag fühlt. Und so fordert nach dieser Vorstellung auch niemand eine Zugabe.