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Verzweifeltes Säbelrasseln

Meinung. Nach Pjöngjangs Atombombentest und der Aufkündigung des Waffenstillstands von 1953 richten sich die Augen der Weltgemeinschaft auf Nordkoreas Schutzmacht: China. Die Volksrepublik gilt als engster Verbündeter des Diktators Kim Jong Il. Und ist deshalb das einzige Land, das mäßigend auf ihn einwirken kann. Zwar ist auch dieser Einfluss begrenzt, insbesondere in der Atomwaffenfrage Von Bernhard Bartsch

Nach Pjöngjangs Atombombentest und der Aufkündigung des Waffenstillstands von 1953 richten sich die Augen der Weltgemeinschaft auf Nordkoreas Schutzmacht: China. Die Volksrepublik gilt als engster Verbündeter des Diktators Kim Jong Il. Und ist deshalb das einzige Land, das mäßigend auf ihn einwirken kann. Zwar ist auch dieser Einfluss begrenzt, insbesondere in der Atomwaffenfrage. Aber die Pekinger Sechs-Parteien-Gespräche, an denen neben China und den beiden Koreas auch die USA, Japan und Russland teilnehmen, haben seit Jahren mehr Gewicht als die Uno. Resolutionen des Sicherheitsrats zeigten bislang wenig Wirkung. Auch die Hoffnung, dass direkte Verhandlungen zwischen Pjöngjang und Seoul eine Entspannung herbeiführen könnten, ist verdorrt. Nordkoreas Staatspresse bezeichnet den seit 15 Monaten amtierenden Präsidenten Südkoreas als "Faschisten" und "Hund der USA". Die Sechser-Gespräche dagegen ermöglichten schon wiederholt eine Annäherung - auch wenn diese bisher nie von Dauer war.Allerdings spielt China in Nordkorea ein doppeltes Spiel. Einerseits wandte sich Pekings Außenministerium energisch gegen den Nukleartest der Demokratischen Volksrepublik Korea. Andererseits verlieh Peking seinen Forderungen nie großen Nachdruck, sondern verhinderte sogar zusammen mit Russland scharfe UN-Sanktionen. Eine Änderung des Kräfteverhältnisses auf der koreanischen Halbinsel oder gar ein Zusammenbruch des Regimes entspräche nämlich nicht den chinesischen Interessen. Diese sind ebenso wirtschaftlicher wie sicherheitspolitischer Natur: Chinesische Unternehmen haben exklusiven Zugang zu Nordkoreas Rohstoffen, zudem bildet das Land einen Puffer zu Südkorea und der dort stationierten US-Armee. Das ist für Peking mehr wert als ein Nachbar ohne Atomwaffen.Zudem ist den Chinesen bewusst, dass hartes Durchgreifen durchaus kontraproduktiv wirken kann. So stoppte Südkorea bereits 2008 die Hilfslieferungen an das Nachbarland, die Wiederaufnahme wurde an Gegenleistungen Kim Jong Ils geknüpft. Das wirtschaftlich angeschlagene Nordkorea geriet durch den Lieferstopp in große Schwierigkeiten - ein Auslöser der neuerlichen Provokationen.Bisher ist das aber vor allem Säbelrasseln. Drohgebärden sind eine zentrale Säule des Kim-Systems, und sie zielen nicht nur nach außen. Das Regime will auch dem eigenen Volk seine Stärke demonstrieren. Es ist also wahrscheinlich, dass sich Pjöngjang auch diesmal den Stopp seiner Aufrüstungsbemühungen abkaufen lässt - mit Hilfslieferungen und mit Bargeld.