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Verdichtete Gartenbetrachtungen

Saarbrücken. Es war eine Überraschung: Die Jury der Leipziger Buchmesse kürte in der Kategorie Belletristik dieses Jahr zum ersten Mal einen Lyriker zum Gewinner: Jan Wagner stellt seinen preisgekrönten Gedichtband „Regentonnenvariationen“ morgen in Saarbrücken vor. lem

Ob die Entscheidung, einen Lyriker auszuzeichnen wirklich "das Machtgefüge zwischen Roman und Gedicht auf den Kopf stellt", wie es die FAZ formulierte, sei dahingestellt. Zumindest rückt die diesjährige Vergabe des Leipziger Buchpreises an Jan Wagner das vermeintlich schwierige Genre ins öffentliche Leserbewusstsein, was von fast allen Medien begrüßt wird.

Wagner (43) ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Als Mitherausgeber der an Marcel Duchamps Loseblattsammlung orientierten internationalen Lyrikschachtel "Die Außenseite des Elements" und der zusammen mit Björn Kuhligk herausgegebenen Anthologie "Lyrik von Jetzt", ist er eine feste Größe im Lyrikbetrieb. Natürlich schreibt er auch selber Gedichte . Seit seinem ersten Gedichtband "Probebohrung im Himmel" (2001) hat er weitere sechs Gedicht- und einen Essayband publiziert. Für seine Werke wurde der in Berlin lebende Autor vielfach ausgezeichnet.

Man möchte meinen, dass sich ein so erfolgreicher Autor nicht ums Geld sorgen muss. Doch in der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift "Sinn und Form" bekennt Wagner im Gespräch mit SR-Redakteur Ralph Schock, dass man von Lyrik nicht leben kann. "Ich bin in jedem Fall beglückt und wurde reich beschenkt", betont er. Doch als freier Lyriker sei er auf seine verschiedenen Einkünfte und die Stipendien angewiesen, wenn er nicht einem Brotberuf nachgehen wollte. "Aber was mich wirklich glücklich macht, ist das Gelingen eines Gedichts", stellt er heraus. Und das ist ihm im wieder gelungen.

Die Gegenwart vermisst und umreißt das variable Sprecher-Ich in "Regentonnenvariationen" vorzugsweise im Garten. Im Auftaktgedicht wuchert der bei Gärtnern leidlich bekannte Giersch "wie ein tyrannentraum". Auch der auf Papier gebannte Doldenblütler ist nicht zu bändigen: "bis giersch // schier überall sprießt". Auch in den anderen Gedichten unterläuft Wagner geschickt traditionelle Formen, in dem er immer wieder auf Konsonanten reimt oder durch Worttrennungen dem unpassenden Wort den passenden "unreinen" Reim abringt. Das führt zu übergebundenen Versen, die sich anders lesen als die gedruckte Strophenform es nahelegt. Das freie Spiel lädt zum Verweilen ein.

In der Betrachtung der kleinen alltäglichen Dinge eröffnet sich die von Wagner favorisierte andere Wahrnehmung der Welt, die bei genauerer Lektüre zu erstaunlichen Einsichten führt, wenn etwa das in den Brunnen gefallene Kind vom Mond, dem "forscherauge überm mikroskop", ausgeleuchtet wird.

Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Hanser Verlag. 104 Seiten, 15,90 Euro.

Lesung im Rahmen der Reihe "Böll & Hofstätter" morgen, 1. 5April, 20 Uhr, im Saarbrücker Filmhaus. Eintritt: 7 Euro.