| 20:22 Uhr

Trump-Regierung
Ein Kohle-Lobbyist soll US-Umweltchef werden

Andrew Wheeler ist bereits kommissarischer Direktor der US-Umweltbehörde.
Andrew Wheeler ist bereits kommissarischer Direktor der US-Umweltbehörde. FOTO: picture alliance/AP Photo / dpa Picture-Alliance / Uncredited
Washington. Neulich saß Andrew Wheeler bei einem Forum der „Washington Post“ und sprach von den ewigen Pessimisten, die unterschätzten, was technischer Fortschritt an Positivem bewirke. Wenige Tage zuvor hatten US-Regierungsexperten im Auftrag des Kongresses einen Bericht vorgelegt, der die dramatischen Folgen des Klimawandels in Zahlen fasste, die Verluste für das Land konkret beziffernd. Von Frank Herrmann

118 Milliarden Dollar pro Jahr, lautete die Prognose des National Climate Assessment, würden die Vereinigten Staaten Mitte des Jahrhunderts allein durch Schäden an Immobilien in gefährdeten Küstengebieten verlieren, falls man den Anstieg der Kohlendioxidemissionen nicht bremse. Präsident Donald Trump quittierte den Report mit den Worten, dass er das alles nicht glaube. Wheeler sagte es weniger drastisch, doch im Kern gab er Trump recht: „Das Szenario stellt nicht in Rechnung, was uns im Laufe des 21. Jahrhunderts noch an Innovationen gelingen wird“. Die Medien hätten sich auf den dramatisierenden Bericht gestürzt, weil sie beim Klimawandel am liebsten das Worst-Case-Szenario skizzierten.


Derzeit ist Wheeler amtierender Direktor der amerikanischen Umweltbehörde, kommissarisch eingesetzt, nachdem der selbstherrliche Ressortchef Scott Pruitt, der sich teure Extravaganzen im Büro geleistet hatte, im Juli zurücktreten musste. Wheeler, ein eher unauffälliger Technokrat, liefert stilistisch das komplette Kontrastprogramm. Inhaltlich aber liegt er ganz auf der Linie Pruitts, eines Hardliners, der alles zu kassieren versuchte, was Präsident Barack Obama umweltpolitisch auf den Weg gebracht hatte.

Nach dem Willen Trumps soll der 53-jährige Wheeler demnächst für den Posten an der Spitze der Environment Protection Agency (EPA) nominiert werden. Da die Republikaner im Senat, der die Personalie absegnen muss, über eine solide Mehrheit verfügen, dürfte das fällige Bestätigungsverfahren nicht viel mehr sein als eine Formalie. Falls nichts Überraschendes geschieht, bekommen die USA einen Umweltchef, dessen bisheriges Berufsleben um die Frage kreiste, wie sich die Interessen der fossilen Energiebranche am effizientesten verteidigen lassen.



Vor seinem Wechsel in die Umweltbehörde hatte Wheeler für die Anwaltskanzlei Faegre, Baker, Daniels gearbeitet, die in Washington Lobbyarbeit für Energieprojekte leistet. Unter anderem legte er sich dafür ins Zeug, das Bears-Ears-Areal in Utah am Fuße der Rocky Mountains für den Uranabbau zu öffnen. Obama hatte den Landstrich zum Nationaldenkmal erklärt. Seit Trump das Dekret seines Vorgängers kassierte, können große Teile des Naturparks wirtschaftlich wieder genutzt werden.

Außerdem sorgte Lobbyist Wheeler dafür, dass die Anliegen von Murray Energy, eines der größten Kohleunternehmen des Landes, auf der Agenda des Weißen Hauses weit oben rangierten. Der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen stand ebenso auf dessen Liste wie der Abschied vom Clean Power Plan, dem Herzstück der Ökopolitik Obamas. Bis 2030, hatte Trumps Vorgänger angeordnet, sollten die Kohlekraftwerke ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Stand des Jahres 2005 um 32 Prozent sinken. Wheeler wirkte tatkräftig daran mit, Obamas Plan ad acta zu legen.

Bevor er sich der Kanzlei anschloss, gehörte der aus Ohio stammende Jurist 15 Jahre lang zum Stab eines Senators, dessen Name wie kaum ein anderer für die Leugnung des vom Menschen verursachten Klimawandels stand. James Inhofe, Republikaner aus Oklahoma, sprach vom größten Schwindel, mit dem das amerikanische Volk je hinters Licht geführt werden sollte. Einmal trat er mit einem Schneeball ans Rednerpult, um zu illustrieren, wie kalt es draußen gerade sei.