Gartentipp: Unterkühlte Schönheiten

Gartentipp : Unterkühlte Schönheiten

Kamelien mögen keinen dicken Frostschutz und keine zu warmen Winterlager. Doch die beliebten Pflanzen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt sind, schätzen beim Überwintern im Freien geschützte Standorte.

() Kamelien sind keine echten Zimmerpflanzen. Zumindest sollten sie nicht im warmen Zimmern stehen, denn die Schönheiten bevorzugen es kühl. „Die Kamelie ist die Blütenkönigin des Winters“, sagt Reinhild Hellenberg, Gärtnermeisterin aus Coswig. Im Garten sind sie daher am besten aufgehoben. Die Hauptblütezeit der Kamelien (Camellia) liegt zwischen Dezember und April, auch wenn einige Hybriden schon deutlich früher ihre Blüten öffnen können. Die ursprünglichen Arten stammen aus Asien, insbesondere aus China, Vietnam und Japan. Dort wachsen sie in höher gelegenen Nebelwäldern.

Zur Blütezeit ist es dort kühl und regnerisch, und die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch. Daher betont Gärtnerin Hellenberg, dass die Pflanzen hierzulande in den Wintermonaten im Freiland unbedingt gegossen werden müssen. „Frostschäden sind eigentlich eher selten“, sagt sie, vielmehr vertrocknen die Pflanzen. Dafür muss man sie gar nicht so sehr vor der winterlichen Kälte bewahren. „Mit dem Schutz wird es meist übertrieben“, sagt Michael von Allesch sogar. Der Buchautor und Kameliengärtner aus Hamburg rät in erster Linie zu einer dicken Mulchschicht, um die flachen Wurzeln zu isolieren.

Und er rät, sie an einem Standort mit gewissem Schutz etwa durch ein Gebäude oder eine einrahmende Bepflanzung zu setzen. „Ideal ist beispielsweise die Westseite eines Hauses“, sagt der Kameliengärtner. Hier sind die Pflanzen vor kalten Ostwinden gut geschützt.

„Kamelien haben den Ruf, anspruchsvoll und schwierig zu sein“, sagt von Allesch. Halte man sie aber an den geeigneten Standorten, gedeihen sie gut. Sie sind dann manchmal auch toleranter als gedacht. „Kamelien haben ganz ähnliche Anforderungen an den Boden wie Rhododendron und Azalee“, erklärt von Allesch. Der Boden sollte also sauer, humos und durchlässig sein. „Natürlich mögen sie bevorzugt einen humosen Waldboden“, aber die Pflanzen könnten sich auch auf einem lehmigen Boden mit guter Wasserführung prachtvoll entwickeln. Trotzdem: In beiden Bodenvarianten muss dieser stetig mit Humus aufgebessert werden.

„Wichtig ist, dass keine gierigen Gehölze in der Nähe stehen“, rät der Buchautor. Damit meint er Pflanzen, deren Wurzeln denen der Kamelien Konkurrenz machen. Stauden, die ähnliche Ansprüche an den Boden haben, sind hingegen gute Partner – beispielsweise Lilientrauben, Elfenblumen sowie Teppich-Hartriegel und Winter-Heide.

Die weißen, rosa oder roten Blüten der Kamelien können beeindrucken: Zwischen zwei und 20 Zentimeter groß fällt der Blütendurchmesser aus. Ein besonderer Blickfang sind die Sorten, deren Blütenblätter dachziegelartig angeordnet sind. „Mitunter gibt es auch mehrfarbige und verlaufende Farben in der Blüte“, berichtet Hellenberg.

„Kamelien sind schnittverträglich“, sagt die Gärtnermeisterin. Sie rät aber, nur Exemplare zu kürzen, die zu groß geworden sind. „Am besten schneidet man die Sträucher im Frühjahr direkt nach der Blüte zurück, also im April beziehungsweise Mai.“ Dann regenerieren sich die Kamelien rasch und entwickeln gleich wieder neue Blütentriebe für die nächste Saison.

Die Topfkultur der beliebten Winterblüher ist zwar auch möglich, aber heikel – gerade im Haus. „Es handelt sich bei Kamelien weniger um Wohnzimmer-Pflanzen“, betont Hellenberg. Das liegt vor allem daran, dass in den beheizten Räumen die Luftfeuchtigkeit nicht ausreichend hoch ist. Die Pflanzen bevorzugen eher Standorte wie das kalte Schlafzimmer oder den kühlen, hellen Hausflur. Selbst wenn hier die Temperaturen mal unter null Grad fallen, ist ein solcher Ort besser als ein trockenes Heim.

Fallen die Knospen ab, ist das ein Indiz für zu trockene Luft. Das kann man aber durch regelmäßiges Einsprühen mit einem Wassernebel und durch das Aufstellen von Wasserschalen und Verdunstern an den Heizkörpern verbessern. Für die Topfkultur im Haus sollte das Substrat immer gleichmäßig feucht sein. Das Gießwasser sollte sich aber nicht aufstauen.

(dpa)