Unterhaltsames vom Medienprofi

Unterhaltsames vom Medienprofi

Saarbrücken. Wer heute vor Studierenden liest, muss ein Best-of aus Markus Lanz und Harald Schmidt sein, um ein Optimum an verkaufsfördernder Medienwirksamkeit zu bieten. Verlangt ist der Autor als Generalvertreter des Duftes der großen weiten Welt, der die Instrumente des Populären souverän und virtuos handhabt

Saarbrücken. Wer heute vor Studierenden liest, muss ein Best-of aus Markus Lanz und Harald Schmidt sein, um ein Optimum an verkaufsfördernder Medienwirksamkeit zu bieten. Verlangt ist der Autor als Generalvertreter des Duftes der großen weiten Welt, der die Instrumente des Populären souverän und virtuos handhabt. Zwar will Christian Kracht (Foto: SZ), Mitautor von "Tristesse Royal" und anderen ruhmreich den Zeitgeist ventilierenden Texten kein Popliterat mehr sein, aber jenseits dieses oberflächlichen Etiketts ist er einer im besten Sinn des Wortes.

Kracht gibt den Lesern, was sie wollen. Unterhaltsam sind diese Berichte aus der Welt der Literatur- und Kulturschickeria stets, wie gerade sein Auftritt im Rahmen eines ihm gewidmeten Proseminars am Germanistischen Institut der Saar-Universität zeigte. Der erfahrene Journalist und Schriftsteller Kracht weiß um die Anziehungskraft der Themen Gewalt, Exotik, Sex und Heilfasten und wählte zur Lektüre Ausschnitte aus dem Reportagenband "New Wave", seinem Nepalführer und dem neuen Roman mit dem taktisch sperrigen Titel "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten".

Guter Pop ist immer vorzugsweise ironische Selbstbespiegelung und die lieferte als eine Art Vorband Kollege Rainald Goetz mit seitenlang Kracht gespendeten und von diesem verlesenen Lob samt branchenüblicher Revanche: "Sonst ist alles Müll außer Goetz" und weiteren zitierfähigen Pointen. Es ist immer ein Gewinn, einem Medienprofi bei der Arbeit zuzuschauen. Dabei gilt: Bloß nicht zu viel in der Runde mit den entspannt und aufgeschlossen fragenden Studierenden über Inhalte und Handwerk reden und immer freundlich bleiben. Feuilleton schlägt Wissenschaft. Darum gilt auch hier die aus dem Musikfernsehen vertraute Sentenz: wieder was gelernt.sg