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Und der Maestro kam doch noch

Luxemburg. Also kam er doch noch, der Grande Maestro der Filmmusik: Zwei Mal hatte Ennio Morricone das Konzert wegen Rückenproblemen verschoben, am Dienstag spazierte der 86-Jährige auf die Bühne der Coque Arena, als sei nichts gewesen.Mit dabei hatte er ein Sinfonieorchester, einen Flügel, eine Solo-Sängerin und ein Rock-Trio aus Bass, Gitarre und Schlagzeug, nicht zu vergessen ein 75-köpfiger Chor. Sebastian Dingler

Eigenartig wirkte bei all dem Aufwand, dass Cembalo- und Orgelklänge ganz profan von einem Keyboard erzeugt wurden. Dennoch geriet das Ganze zum großen Spektakel: Morricone schöpfte aus dem Vollen seiner jetzt 54 Jahre dauernden Karriere. Der Italiener konnte seine im Studio erschaffenen Klanglandschaften auch live zeigen - mittels eines gänzlich mikrofonierten Orchesters. Da konnte die Harfe ein Stereo-Pingpongspiel veranstalten, da konnte sich die Akustikgitarre aus dem Meer der Streicher erheben, gerade so, wie es der Meister für richtig befand. Der Nachteil dieser Technik: Gerade die Streicher klangen über die Boxen unecht.

Die erste Hälfte war vor allem Morricones Zusammenarbeit mit Regisseur Sergio Leone bestimmt, es erklang "Zwei glorreiche Halunken" und ein Thema aus "Spiel mir das Lied vom Tod". Der zweite Teil geriet bombastischer - etwa durch die Musik zum Film "Mission". Die ließ die Wände der für Sportereignisse konzipierten Arena erbeben und die 5200 Zuhörer zu Ovationen aus den Sitzen springen. Als Zugabe erwartete wohl jeder die Mundharmonika aus "Spiel mir das Lied vom Tod", doch das Orchester spielte zum zweiten (!) Mal "Chi Mai" aus dem Belmondo-Film "Der Profi". Dass das Budget keinen Mundharmonika-Spezialisten erlaubte, kann man ausschließen. Morricone wollte nicht - dem Stück kann er nicht mehr viel abgewinnen. Schade, es wäre das i-Tüpfelchen eines großen Abends gewesen.