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Pro Zeitumstellung
Die Uhrendreherei ist besser als die Alternative

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Alle Argumente der Gegner der Zeitumstellung stimmen. Die Sache bringt nicht viel, außer den Biorhythmus aus dem Gleichgewicht, sie ist lästig, teuer, aufwändig. Es ist ein gut gemeinter, aber schlecht gemachter Ökoquatsch, denn Energie wird so nicht gespart. Also ergeht auch jetzt wieder deutschland- und europaweit der Ruf: Schluss mit der Zeitumstellung! Von Werner Kolhoff

So weit, so gut. Bloß: Welche Zeit soll es denn künftig sein? Diese Frage wird in den Umfragen, die stets Mehrheiten gegen die Uhrendreherei ergeben, nie gestellt. Aus gutem Grund. Würde sie nämlich gestellt werden, auch mit der nötigen Zuspitzung, dann sähe das Meinungsbild anders aus. Vor allem, wenn die Frage lauten würde: Wollt ihr, dass künftig in Deutschland immer Winterzeit ist? Wollt ihr die lauschigen Abende aufgeben? Soll zum Beispiel in Trier künftig am längsten Tag des Jahres, dem 21. Juni, die Sonne schon um 20.45 Uhr statt 21.45 Uhr untergehen, und im warmen August, wenn man mal ohne Jacke draußen sitzen kann, schon um 19.50 Uhr statt um 20.50 Uhr? In Berlin, an der Ostflanke des Landes, alles noch einmal zwölf Minuten früher? Soll schon so früh Schluss sein mit Fußball, Spaziergang, Tennis oder Biergarten?


Fakt ist: Würde die Zeitumstellung abgeschafft, würde das ganze Jahr über die Winterzeit gelten. Sie ist die Normalzeit. Das verschweigen die Gegner immer in ihren Presseerklärungen, die jetzt wieder in die Redaktionen schwirren wie die Mücken an die ersten Straßenlampen unserer Sommerabende. Sie verschweigen auch, dass es sehr schwer werden würde, in Europa eine neue, einheitliche Regelung hinzubekommen. Es ist eben eine riesige Zeitzone, 3500 Kilometer breit, die mit der Verschiebung um eine Stunde einen ganz guten Kompromiss gefunden hat. Die jetzige Lösung ist nicht perfekt. Aber doch besser als die Alternative. Am Sonntagabend werden wir alle das wieder genießen. Sonnenuntergang um halb acht. Winter ade. Endlich Licht.