| 20:38 Uhr

Analyse
Wer sind Angela Merkels neue CDU-Minister?

BERLIN (dpa) Gibt Angela Merkel Jens Spahn ein Ministeramt – und versucht sie so, mit einer Aufwertung des konservativen Quälgeists auch ihre anderen Kritiker zu besänftigen? Am Sonntag will die Kanzlerin und CDU-Chefin als erste ihre Ministerriege präsentieren. Was bisher über alle Parteigrenzen hinweg auffällt: Kein Politiker aus Ostdeutschland wird ernsthaft für einen Spitzenposten gehandelt.

Ursula von der Leyen (59) gilt beispielsweise als nahezu gesetzt für das Ressort Verteidigung. Das hat sie seit 2013 inne. Der Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidentin Ernst Albrecht wird ein ausgeprägter Machtanspruch zugeschrieben. Immer wieder wird sie auch als Nachfolgerin des bis Herbst 2020 amtierenden Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg gehandelt.


Für das Wirtschafts- und Energieministerium gilt der bisherige Kanzleramtschef und geschäftsführende Finanzminister Peter Altmaier (59) als gesetzt. Hätte Merkel das Finanzministerium nicht an die SPD abgeben müssen, wäre der Saarländer wohl dort geblieben. Nun wird der enge Vertraute von CDU-Chefin Merkel voraussichtlich der erste CDU-Wirtschaftsminister seit 1966.

Gut möglich, dass die konservative Nachwuchshoffnung Jens Spahn (37) Nachfolger von Hermann Gröhe im Gesundheits-Ressort wird. Der jetzige Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium ist Experte auf dem Gebiet: Von 2009 bis 2015 war er bereits gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Sein Name ist zuletzt auch für die Ressorts Verteidigung oder Bildung genannt worden.



Gröhe (56) selbst wäre gerne Gesundheitsminister geblieben, sollte Merkel ihn aber als neuen Minister für Bildung und Forschung rufen, dürfte er wohl nicht ablehnen. Der Vertraute der CDU-Chefin und frühere Generalsekretär dürfte also Minister bleiben. Im Bildungsressort könnte er für seine Partei wichtige Akzente setzen.

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner (45) wird schon länger als Chefin im Ernährungs- und Landwirtschaftsressort gehandelt. Seit 2012 ist sie stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. Von 2009 bis 2011 war Klöckner Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung – sie kennt sich also im Ressort gut aus.

Helge Braun (45) verhandelte als Staatsminister im Kanzleramt für die CDU bei den Koalitionsverhandlungen federführend das zentrale Zukunftsthema Digitalisierung. Der wegen seiner besonnenen Art auch in der SPD geschätzte Arzt könnte als neuer Kanzleramtsminister eine Schlüsselrolle in der künftigen Bundesregierung spielen – und sich weiter um Digitalisierung kümmern.

SPD und CSU wollen ihre Minister erst nach dem Groko-Entscheid der Sozialdemokraten bekanntgeben. Bei den Genossen buhlen um die sechs Ministerposten wie das prestigeträchtige Außenamt  noch mehrere Kandidaten. Heiko Maas (Justiz) und Olaf Scholz (Finanzen und Vizekanzler) scheinen hingegen gesetzt.

Bei den Christsozialen kursieren nur wenige Personen für die drei CSU-Ressorts. Generalsekretär Andreas Scheuer (43) gilt als möglicher Nachfolger von Maut-Minister Alexander Dobrindt in dem für Bayern wichtigen Schlüsselressort Verkehr und digitale Infrastruktur. Als Ex-Verkehrsstaatssekretär kennt Scheuer das Haus gut. Einzig die bisherige CSU-Staatssekretärin Dorothee Bär (39) könnte Scheuers Berufung noch verhindern. Sie wird aber auch als Entwicklungsministerin gehandelt – neben Amtsinhaber Gerd Müller (62). Das Innen, Bau- und Heimatressort soll wohl CSU-Parteichef Horst Seehofer (68) leiten. Für ihn ist es zwar nicht erste Wahl, es könnte der CSU im Landtagswahlkampf 2018 aber sehr helfen, denn sie sieht die innere Sicherheit als Kernkompetenz.