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Porträt Sabine Weyand macht den Briten den EU-Ausstieg schwer.
Wie eine Saarländerin den Brexit aushandelt

BRÜSSEL Als Jean-Claude Juncker vor dem Beginn der Brexit-Verhandlungen versprach, seine EU-Kommission werde die „besten und klügsten Köpfe“ aufbieten, hatte er auch an sie gedacht: Sabine Weyand. Inzwischen ist die 53-jährige gebürtige Saarländerin zur Vize-Chefin der EU-Delegation aufgestiegen – als rechte Hand von Michel Barnier. Ein deutsch-französischer Motor, der wie geschmiert läuft, heißt es in Brüssel. „Wirklich das Beste, was die Europäische Kommission zu bieten hat“, sagte ihr langjähriger Kollege Lutz Güllner von der Generaldirektion Handel mal über seine Mitarbeiterin: „Durchsetzungsfähig, kompetent und auch eine wahnsinnig nette und aufgeschlossene Kollegin.“ Von Detlef Drewes

BRÜSSEL Als Jean-Claude Juncker vor dem Beginn der Brexit-Verhandlungen versprach, seine EU-Kommission werde die „besten und klügsten Köpfe“ aufbieten, hatte er auch an sie gedacht: Sabine Weyand. Inzwischen ist die 53-jährige gebürtige Saarländerin zur Vize-Chefin der EU-Delegation aufgestiegen – als rechte Hand von Michel Barnier. Ein deutsch-französischer Motor, der wie geschmiert läuft, heißt es in Brüssel. „Wirklich das Beste, was die Europäische Kommission zu bieten hat“, sagte ihr langjähriger Kollege Lutz Güllner von der Generaldirektion Handel mal über seine Mitarbeiterin: „Durchsetzungsfähig, kompetent und auch eine wahnsinnig nette und aufgeschlossene Kollegin.“



Tatsächlich bringt Weyand Erfahrungen mit, die kaum jemand vorweisen kann: Nach ihrer Doktorarbeit über die Verkehrspolitik der EU trat sie in die Dienste der Brüsseler Kommission. Sie bereitete G7/G8-Gipfel vor, gehörte dem Stab des Handelskommissars Pascal Lamy an. Weyand assistierte Louis Michel, der zwischen 2004 und 2007 als Kommissar für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zuständig war. Anschließend beriet sie den damaligen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso. Bei den Verhandlungen um die Freihandelsvereinbarungen mit Kanada (Ceta) saß die Expertin ebenso mit am Tisch wie bei den TTIP-Runden und den Treffen mit der Welthandelsorganisation. Im März 2016 stieg sie zur stellvertretenden Leiterin der Generaldirektion Handel auf. Was auch immer an Wirtschaftsfragen mit den Vereinigten Staaten und Kanada zu besprechen war – Weyand saß mit am Tisch.

Bernd Lange (SPD), Chef des mächtigen Handelsausschusses im EU-Parlament, beschreibt Weyand als „sehr detailwissend, sehr stringent, hochintelligent mit einer gehörigen Portion Humor. Das Diskutieren und Besprechen mit ihr war sehr erfreulich, auch wenn wir unterschiedliche Positionen hatten.“ Weyand selbst steht ungern im Vordergrund. sogar ihr offizieller Lebenslauf der Kommission fällt spärlich aus: kein genaues Geburtsdatum, kein Geburtsort, über private Dinge wird eisern geschwiegen. Interview-Wünsche wandern in den Papierkorb. Nur einmal hat Weyand sich in die Karten schauen lassen, als sie ihre Art, Verhandlungen zu führen, beschrieb: „Wo kann das Terrain sein, wo sich alle wiederfinden können? Was kann man tun, um einen Kompromiss zu erleichtern?“

Sie sei eine harte Arbeiterin, heißt es. Ihr Tag ende häufig erst nach 16 Stunden im Büro. Weyand verfüge auch über ein erstklassiges Netzwerk, auf das sie jederzeit zurückgreifen könne. Dazu gehört übrigens auch der heutige Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Beide kennen sich aus ihre gemeinsamen Jugendzeit in der Schülerunion der CDU.

Auch wenn für Hobbys bei einem solchen Job nur wenig Zeit bleibt, gibt es einige. Sie möge Shakespeare verriet Weyand einmal und ziehe Komödien den Tragödien vor – was mit Blick auf die Brexit-Gespräche doch einiges an Hoffnung lässt. Auf dem inzwischen berühmten Bild der europäischen und britischen Delegationsspitzen beim Auftakt der zweiten Gesprächsrunde am vergangene Montag sieht man Weyand links neben ihrem Chef, Michel Barnier. Allzu glücklich sieht sie nicht aus. Vermutlich war ihr da längst aufgefallen, dass der Franzose und sie vor dicken Aktenheftern saßen, während Londons Brexit-Minister David Davis nicht einmal ein Blatt vor sich hatte. Für die ehrgeizige Handelsexpertin dürfte es besonders schwer erträglich gewesen sein, dass die Vertreter des Vereinigten Königreiches in derart wichtige Verhandlungen mit leeren Händen kamen.