Über den Tellerrand hinaus schauen

Über den Tellerrand hinaus schauen

Chorleiter Georg Grün führt zwei Hochschulchöre für eine Aufführung zusammen. Das deutsche Requiem von Johannes Brahms wird in Saarbrücken und in Detmold erklingen.

Die Zuhörer werden nicht viel merken - Brahms' "Ein deutsches Requiem", aufgeführt von Hochschulstudenten unter dem Dirigat von Georg Grün. Interessant ist sein Projekt dennoch, für die Studenten und für den Hochschulstandort Saarbrücken. Grün leitet den renommierten Kammerchor Saarbrücken und ist Professor für Chorleitung, im Sommer 2012 wechselte er von der Mannheimer Musikhochschule an die Musikhochschule Saar. Er will mehr Austausch, mehr Internationalität, die Studenten sollen während des Studiums "über den Tellerrand" schauen, andere Hochschulen und Dirigenten kennenlernen.

Und so führt Grüns aktuelles Chorprojekt zwei Hochschulchöre zusammen. Das berühmte, Trost spendende Werk von Brahms singt der Chor der Musikhochschule Saar gemeinsam mit dem Kammerchor der Musikhochschule Detmold (Nordrhein-Westfalen): am 1. Februar in Saarbrücken und eine Woche später im westfälischen Detmold. In Saarbrücken dirigiert Georg Grün, in Detmold die dort zuständige Anne Kohler. Ein Probenwochenende in Bonn bringt die Studierenden mit beiden Lehrkräften zusammen, die zwanzig Stunden Probe werden geteilt. Die Studenten haben so Gelegenheit, an einem wichtigen Chorstück exemplarisch unterschiedliche Musikauffassungen zu erleben. Eine Studentin hat die künstlerischen Handschriften des Chorleiterduos in ihren Noten mit zwei Farbstiften verewigt, grün für Professorin Grüns interpretatorische Anmerkungen, schwarz für Hinweise von Professor Kohler. Grün braucht nur einen Satz, um das Spektrum des zweifachen Zugangs zu fassen: "Anne Kohler lehrt Chorleitung und ist professionelle Jazzmusikerin, ich komme von der Kirchenmusik." Grün hat die Neugierde, die er sich auch von den Studenten wünscht. Ihm schwebt vor, "provinziellen Mief" gar nicht erst stattfinden zu lassen, "bloß nicht vier Jahre im eigenen Stall bleiben." Aufgabe gerade kleiner Hochschulen sei, die Welt ins Haus zu holen, durch Projekte dieser Art ein möglichst mannigfaltiges Studium zu bieten.

Der Vernetzung dient auch das Chorwerk Saar mit Büro in der Alten Evangelischen Kirche St. Johann und interaktiver Webseite. Das Chorwerk Saar ist auch als Schnittstelle zwischen akademischem Hochschulmilieu und anderen Milieus gedacht. Dirigierstudenten setzen das Erlernte bei "echten" Chören einem Realitätscheck aus. Von dem eingebundenen Saarländischen Chorverband kam jedenfalls kein Gegenwind, warum auch? "Bündelung ist die Idee. Die Tür ist offen," so Grün.

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem, 1. Februar, 19 Uhr, Stiftskirche St. Arnual. Karten für 15/10 Euro an der Abendkasse. Es spielen: Kammerchor der Hochschule für Musik Detmold sowie Kammerchor und Sinfonieorchester der Hochschule für Musik Saar. Victoria Kunze (Sopran), Fjölnir Ólafsson (Bariton). Leitung: Georg Grün.

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