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Porträt des Theater-Machers Axel Herzog
Über das letzte Kapitel hinaus

Der vielseitige Autor und Theatermacher Axel Herzog liebte Bücher. Nachdem er sie wegen der Folgen einer seltenen Krankheit nicht mehr lesen konnte, wechselte er zu Hörbüchern. Archivfoto: Welter
Der vielseitige Autor und Theatermacher Axel Herzog liebte Bücher. Nachdem er sie wegen der Folgen einer seltenen Krankheit nicht mehr lesen konnte, wechselte er zu Hörbüchern. Archivfoto: Welter
Dudweiler. Der Autor und langjährige Intendant des Dudweiler Statt-Theaters Axel Herzog starb vor vier Jahren. Er schrieb humorvoll, satirisch und makaber. Am vergangenen Freitag wäre er 70 Jahre alt geworden. Kerstin Rech

Was haben die "Frauen des Pastors", "Hugo der Medienzar", "Hammledd" und "Käfer, der die kloorschde Fäll klärt" gemeinsam? Sie und viele mehr sind die literarischen Kinder des Autors und Theatermachers Axel Herzog. Er erweckte sie zum Leben und ließ sie in seinen Romanen, Hörspielen und Theaterstücken allerhand Abenteuer bestehen. Und was das schöne an literarischen Kindern ist, sie leben ewig weiter. Denn in den imaginären Welten, die ein Autor für seine Geschöpfe erdenkt, gibt es die Unsterblichkeit. Selbst wenn eine Figur am Ende der Geschichte stirbt, erlebt sie ihre Wiedergeburt, sobald das Buch von Neuem gelesen, das Hörspiel von Neuem gehört und das Theaterstück von Neuem gesehen wird.

Welch ein Unterschied zur realen Welt, in der mit dem letzten Kapitel Schluss ist und in der man das Buch des Lebens nicht wieder auf Seite eins beginnen kann. In Axel Herzogs Buch des Lebens wurde vor vier Jahren das letzte Kapitel geschrieben. Da starb er in seiner Wohnung im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler . Sein Herz hatte in der Nacht vom 29. Juni 2010 aufgehört zu schlagen und ein langer Kampf war vorbei. Der Kampf gegen die äußerst seltene Krankheit Refsum-Syndrom. Die Stoffwechselstörung, die ihn sein Leben lang wie ein böser Zwilling begleitet hatte, die ihm körperlich alles abverlangt, seine beruflichen wie privaten Entscheidungen beeinflusst und ihm in den letzten Lebensjahren auch das Augenlicht genommen hatte.

Aber es war nicht nur der Kampf gegen die Krankheit, der an jenem 29. Juni zu Ende ging, es war auch das Ende eines kreativen Lebens, das die Literatur und Theater-Szene im Saarland bereichert hatte, wie nur wenige. Die Auszeichnungen, die er erhielt, legen davon Zeugnis ab: der Literaturpreis der Stadt Homburg aus dem Jahr 1986 , der Literaturpreis der Stadt Saarbrücken 1987 und der Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis 2007.

Axel Herzog, der in Bad Bergzabern geboren wurde und in München und Saarbrücken Germanistik studiert hatte, war ein homme de lettres. Ende der Achtziger Jahre gründeten er und seine Frau Marga, mit der er dreiundvierzig Jahre verheiratet war, das Statt-Theater in Dudweiler . Ein Genre, das Axel Herzog sehr mochte, war der historische Roman. "Gwennas Schweigen" und die als Jugendroman konzipierte Auftragsarbeit der Stadt Saarbrücken "Lorette und Simon" sind schöne Beispiele hierfür. Die Drei-Euro-Romane, allesamt Saarland-Krimis, die es auf stolze zehn Bände geschafft haben, decken neben den beim Saarländischen Rundfunk produzierten "Kommissar Käfer"-Hörspielen sein kriminalistisch-literarisches Schaffen ab. "Frau Auroras blaue Augen", Band 4 aus der Reihe der Drei-Euro-Romane, ist "die Geschichte einer Frau aus St. Wendel, die eine Party gibt und sich das Genick bricht. Sechs Gäste trauern. Fünf nicht." So die launige Inhaltsangabe dieses Krimis. Und sie führt zu einem weiteren Genre, das Axel Herzog beherrschte, nämlich den humorvollen, satirischen, oft auch makabren Texten, die nicht wenige Leser an Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz erinnern. Ein weiteres Werk heißt "Geschichten aus Neandertal" und darin kann man selbst Science-Fiction-Texte finden.

Sein letztes Buch ist ein Psycho-Thriller, den er im Conte-Verlag veröffentlichte. Es heißt "Der Krüppel und das Gift" und zum ersten Mal thematisierte Axel Herzog hier seine Krankheit in einer literarischen Form. Wernau heißt der Kranke im Buch, der wie Herzog am Refsum-Syndrom leidet und dem die Gehunfähigkeit sowie die Erblindung erspart geblieben wären, hätten seine Ärzte etwas mehr Initiative gezeigt und die Krankheit frühzeitig erkannt. Denn obwohl sie nicht heilbar ist, wären die Symptome mit einer Diät und regelmäßigen Blutwäschen dennoch zu stoppen gewesen. Voller Wut will Wernau sich an seinen Ärzten rächen.

Der Psycho-Thriller "Der Krüppel und das Gift" hätte nicht seine letzte Veröffentlichung werden sollen. Herzog schrieb an einem neuen Buch und einem Theaterstück. Sie mussten allerdings unvollendet bleiben. Axel Herzog wäre am vergangenen Freitag 70 Jahre alt geworden.