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| 20:37 Uhr

Treue hängt nicht vom Pass ab

Panik beeinträchtigt bekanntlich das Denkvermögen. Anders kann man sich den Vorstoß der Landesinnenminister der Union zur Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft nicht erklären. Die Bundesregierung hat die Idee zwar vorerst verworfen, doch die Diskussion ist entfacht. Und das ist bedauerlich. Fatima Abbas

Seit 2014 müssen sich Migranten nicht mehr für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Dieses Modell wird der Lebensrealität vieler Menschen hierzulande gerecht. Davon in Zeiten des Terrors - und wegen einer Pro-Erdogan-Demonstration - wieder Abstand zu nehmen, wäre nicht nur ein fataler Rückschritt. Es würde auch die Rechte von Betroffenen gefährden, die nicht aus der Türkei stammen. Den Doppelpass als "großes Integrationshindernis" zu bezeichnen, wie es im Entwurf der Unionsminister heißt, ist Unfug. Ob sich ein Mensch einem Staat zugehörig fühlt oder nicht, hängt nicht vom Pass ab, sondern von Faktoren wie sozialer Prägung und Bildungschancen. Menschen, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen, müssen permanent Identitätskonflikte lösen. Wer die doppelte Staatsbürgerschaft ermöglicht, erkennt an, dass sich ein Mensch auch zwei Staaten zugehörig fühlen kann. Länder wie Portugal oder Italien, die bisher weitgehend vom Terror verschont blieben, gestehen das ihren Bürgern schon seit vielen Jahren zu.

Die meisten Migranten , die hierzulande viele Jahre ihres Lebens verbringen, identifizieren sich sowohl mit Deutschland als auch mit dem Herkunftsland. Eine Abkehr von der doppelten Staatsbürgerschaft könnte nationalistische Tendenzen und extreme Positionen sogar verstärken: Wenn ein Staat Migranten zwingt, sich auf dem Papier für eine Identität zu entscheiden, kann das deren Integration eher behindern als befördern. Auch diejenigen, die sich offiziell für den deutschen Pass entscheiden, könnten aus Trotz innerlich eine stärkere Verbindung zu ihrem Heimatland aufbauen.

Symbolpolitik zu betreiben ist einfacher, als der Frage auf den Grund zu gehen, weshalb so viele Türkischstämmige mit deutschem Pass einen Autokraten aus ihrem Heimatland unterstützen. Wer solche extremen Positionen hierzulande verteidigt, der ist im Rechtsstaat Deutschland nicht angekommen. Mehr Aufklärung, auch an Schulen, könnte dem entgegenwirken. Stattdessen in AfD-Manier die Spaltung zu schüren und integrationspolitische Errungenschaften über Bord zu werfen, ist falsch. In Deutschland leben rund 4,3 Millionen Menschen, die mindestens einen weiteren Pass besitzen. Mehrstaatlichkeit gehört zu Deutschland, und die Politik sollte sie als Reichtum würdigen, statt blindem Aktionismus anheimzufallen. Den Doppelpass wieder abzuschaffen, wird jedenfalls nicht mehr Sicherheit bringen.