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Neu im Kino: „The Man who killed Don Quixote“ von Terry Gilliam
Absurdes Film-im-Film-Abenteuer

Terry Gilliams neuer Film ist eine tolldreiste Reise mit märchenhaften Elementen.
Terry Gilliams neuer Film ist eine tolldreiste Reise mit märchenhaften Elementen. FOTO: Concorde Film
Saarbrücken. „The Man who killed Don Quixote“ von Terry Gilliam ist ein Spiel mit Realität und Traum. Von Britta Schultejans/dpa

„Er ist endlich draußen – und raus aus meinem Leben!“ Terry Gilliam hat es geschafft: Nach mehr als 25 Jahren und unglaublichen Rückschlägen hat er seinen Film „The Man Who Killed Don Quixote“ auf die Leinwand gebracht. Schon Ende der 1980er Jahre hatte Gilliam die Idee zu einem Film über Cervantes‘ berühmten Romanhelden und dessen Kampf gegen Windmühlen. Doch erst jetzt hat es geklappt und so ist klar, dass die Erwartungen immens hoch sind.


Gilliam erzählt die Film-im-Film-Geschichte des talentierten Regisseurs Toby (Adam Driver), der vor lauter Selbstverliebtheit seine Liebe zum Film und zu den Menschen vergessen hat und sich stattdessen lieber in Zynismus und eine Affäre mit der Frau seines Chefs (Stellan Skarsgård) flüchtet. Die entdeckt er wieder, als ein mysteriöser Mann ihm eine DVD mit seinem Studentenfilm über Don Quixote gibt. Toby besucht daraufhin das Dorf, mit dessen Einwohnern er den Film einst drehte – und muss feststellen, dass er mit den Dreharbeiten großes Unheil gebracht hat.

Der alte Mann (in seinen besten Momenten sehr berührend: Jonathan Pryce) hält sich immer noch für den legendären Don Quixote und die junge, unschuldige Angelica (sehr eindimensional: Joana Ribeiro), die sich damals in Toby verliebte, kam auf der Straße zum Schauspielerinnen-Ruhm vom Weg ab und wurde Prostituierte.



Wie immer in seinen Filmen spielt Gilliam mit Realität und Traum und bringt eine absurde Reise auf den Bildschirm. Der Möchtegern-Don Quixote hält Toby für seinen Sancho Pansa und Toby geht mit ihm zusammen auf die Suche nach seinem Ich von damals, nach seiner verlorenen Menschlichkeit. Es ist auch eine Abrechnung mit dem Kommerz des Filmgeschäftes.

Eine schöne Idee eigentlich – und märchenhaft erzählt. Doch kommt sie in Gilliams Film so verschwurbelt und unnachvollziehbar daher, dass seine mehr als zwei Stunden schon etwas anstrengend geraten sind. Etliche Szenen wirken streckenweise willkürlich aneinandergereiht – eine Irrfahrt durch ein Labyrinth von Ideen und Assoziationen, die kaum zu durchdringen sind.

Spa/F/Bel/Por 2018, 134 Min., Regie: Terry Gilliam; Buch: Gilliam und Tony Grisoni; Kamera: Nicola Percorini; Musik: Roque Banos; Darsteller: Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgard, Olga Kurylenko, Joana Ribeiro.