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Todesfälle und Flaschendrehen: Die mittellangen Filme

Hier im Büro gingen die Meinungen über "Mitten am Rand" auseinander. Ein Kollege fand den halbstündigen Film von Laura Lackmann-Popescu zu schematisch, als dass er wirklich berühren könnte. Man kann es aber auch anders sehen; in leuchtenden Farben wird hier eine düstere Geschichte erzählt. Lola und Charlotte sind Freundinnen aus unterschiedlichen Welten Von SZ-Redakteur Tobias Kessler

Hier im Büro gingen die Meinungen über "Mitten am Rand" auseinander. Ein Kollege fand den halbstündigen Film von Laura Lackmann-Popescu zu schematisch, als dass er wirklich berühren könnte. Man kann es aber auch anders sehen; in leuchtenden Farben wird hier eine düstere Geschichte erzählt. Lola und Charlotte sind Freundinnen aus unterschiedlichen Welten. Die eine ist höhere Tochter wohlhabender, aber indifferenter Eltern; die andere ist dem sexuellen Interesse der Freunde ihrer trinkenden Mutter ausgesetzt. Der Plot mag schematisch sein, aber dem Film gelingt eine Atmosphäre zwischen sommerlicher Aufbruchstimmung und dem schmerzhaften Erwachsenwerden, inklusive wachsender Distanz zwischen Eltern und Kind.Ausgesprochen trickreich kommt "Blackstory" aus Österreich daher, inszeniert von Christoph und Stefan Brunner. Mehrere Erzählstränge umschlingen sich, es geht um einen Radiomoderator, der den perfekten Mord plant, um ein koksendes Pärchen, einen Junkie und einen Zeugen Jehovahs. Ihre Schicksalswege kreuzen sich und lösen sich auf der Leinwand in viele Einzelsequenzen nebeneinander auf - liebevoll ist diese "split screen"-Technik hier angewandt, es wird parallel erzählt, während die einzelnen Bilder im Verbund zu so etwas wie einem Ornament werden. Da wirken die Schicksalssplitter auf der Leinwand wie Motive in einem Kaleidoskop - in Schönheit Sterben.



Christoph Ischingers "Teilhard" erzählt von einem Politiker, dessen Tochter stirbt. Die Situation versucht er nun ebenso pragmatisch, effektiv und mit manchen erprobten Floskeln zu regeln wie seinen Beruf - und stößt dabei an Grenzen. Der Film nutzt sein Breitwandformat für einige sehr schöne Aufnahmen von Räumen, in denen die Figuren von Spiegeln oder Wänden voneinander getrennt zu sein scheinen. "Schöner Wohnen" für fragile Familien.

Jonas Marowskis "Fünfsechstel" bringt fünf Freunde zum Flaschendrehen zusammen. Harmlos beginnt es, doch schnell schaukeln sich Aggressionen hoch - denn jeder versucht noch, mit dem Tod des sechsten Freundes fertig zu werden. Filmisch gut gemacht, in den Gefühlsausbrüchen vielleicht etwas kraftmeier-isch, aber packend.

Stille Spannung zeichnet "Novemberlichter" von Jürgen Karasek aus: Der neunjährige Manuel wird eines Abends von der Mutter zum Ex-Mann abgeschoben und von dem vergessen - so dass Manuel im Auto eines älteren Mannes landet, der ihn wieder zurück bringen will. Äußerlich eine unspektauläre Geschichte, die aber lange nachhallt: Wie sich diese verwundeten und verlorenen Seelen anfreunden, berührt - gerade weil der Film es nicht auf Sentimentalität anlegt. tok

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