Gesundheit : Trendbericht Krankenzusatzversicherung

Jetzt mal Hand aufs Herz: Manche Versicherungsvertreter vermitteln mitunter das mulmige Gefühl, nur etwas verkaufen zu wollen, ohne dabei wirklich den Menschen im Blick zu haben. Damit Verbraucher eine gute Entscheidungsgrundlage haben, um die richtige Krankenzusatzversicherung abzuschließen, haben wir diesen Trendbericht zusammengestellt. Dieser beinhaltet vor allem eines: die Fakten rund um das Thema Krankenzusatzversicherung.

Darum werden Zusatzleistungen immer häufiger angeboten

Es war wie so häufig eine Gesetzesreform, die bewirkt hat, dass Zusatzleistungen immer offensichtlicher propagiert werden. Erlaubt wurde durch die Gesundheitsreform, dass gesetzliche Krankenkassen private Zusatzangebote grundsätzlich vermitteln dürfen. Die Folge: Es gibt immer mehr Angebote am Markt, die ganz unterschiedliche Leistungsbausteine beinhalten .

Warum heute immer mehr Menschen auf Krankenzusatzversicherungen setzen, erklärt die Verbraucherzentrale so : "Durch Zusatzversicherungen können Versicherte Mehrkosten, etwa für Zahnersatz, zum Teil auffangen. Zudem ist es möglich, Leistungen, die für Privatpatienten gelten, zusätzlich zu versichern - etwa die Behandlung durch den Chefarzt, die Einzelzimmerbelegung im Krankenhaus oder eine Behandlung vom Heilpraktiker."

Damit rückt die Krankenzusatzversicherung der klassischen Haftpflichtversicherung konzeptionell sehr nahe. Während die Krankenzusatzversicherung finanziell die Möglichkeit eröffnet, dass Leistungen, die der Gesundheit des Menschen zugutekommen, in Anspruch genommen werden, verhindert die Haftpflichtversicherung ein finanzielles Problem im Schadensfall.

Diese Varianten werden am häufigsten angeboten

Wer einen Blick in die Versicherungsunterlagen wirft, sieht sich schnell mit einer Vielzahl der bereits erwähnten Leistungsbausteine konfrontiert, die allerdings nur schwer unterschieden werden können. Eine Übersicht soll an dieser Stelle diese folgende Tabelle bieten:

Krankenhaustagegeldversicherung  Wer sich für diese Komponente entscheidet, kassiert für jeden Tag im Krankenhaus zusätzlich Geld. Das ist nicht viel, könnte aber die Unkosten für Telefon oder Fernseher während des Aufenthalts decken. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Krankentagegeldversicherung.
Krankentagegeldversicherung Diese Vertragskomponente schließt die Lücke zwischen Lohn/Gehalt und dem Krankengeld, das nach sechs Wochen im Krankenstand bezahlt wird. Das Krankengeld selbst richtet sich nach Obergrenzen aus, die durch die Krankentagegeldversicherung abgesichert werden können.
Krankenhauszusatzversicherung Durch die gesetzliche Krankenversicherung wird geregelt, dass der Patient im nächstgelegenen Krankenhaus behandelt und in einem Mehrbettzimmer untergebracht wird.

Die Krankenhauszusatzversicherungermöglicht die Wahl der Klinik,ermöglicht die Chefarzt-Behandlung undermöglicht die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer.
Zusatzversicherungen Neben den klassischen Bausteinen der Krankenzusatzversicherung gibt es auch die Bausteine, die spezielle Leistungen übernehmen wie etwadie Kosten für Seh- und Hörhilfen,die Kosten für zahnmedizinische Behandlungen unddie Kosten bei einer Erkrankung im Ausland .
An dieser Stelle müssen Versicherungskunden genau nachrechnen, welche Option in ihrem Fall sinnvoll ist.


So beliebt ist die Krankenzusatzversicherung

Die Towers-Watson-Studie "Kranken-Zusatzversicherung - Bedarf an Gesundheitsleistungen" aus dem Jahr 2014 zeichnet ein eindeutiges Bild : "Fast zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland (63 Prozent) sehen Lücken im Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Kranken-Zusatzversicherung hält daher fast die Hälfte (49 Prozent) künftig für unverzichtbar." Mündet dies dann in einer hohen Abschlussrate? Nein, denn obgleich 93 Prozent bereit sind in eine Krankenzusatzversicherung zu investieren, zeigt die Realität das Gegenteil. In die Tat umgesetzt werden beide Vorhaben nur selten.

Neben der aktuellen Verunsicherung in Bezug auf den gesetzlichen Schutz brachte die Studie auch diese Ergebnisse zutage:

Sorgenvoll ist vor allem der Blick der Verbraucher auf die allgemeine Gesundheitsversorgung, die Vorsorgeleistungen sowie die Zahnmedizin. Auf eine Chefarzt-Behandlung legen nur wenige Wert. Bei vielen lautet die Begründung, dass der diensthabende Stationsarzt in der Regel besser über den Zustand eines Patienten informiert ist, als der Chefarzt.Der Versicherungswille ist eher passiver Natur. Rund 45 Prozent der Befragten haben eine Zahnersatz-Versicherung, aber nur 22 Prozent eine Kostenübernahme für Prophylaxe-Behandlungen.58 Prozent der Befragten wünschen sich einen Zuschuss seitens des Arbeitsgebers. Der Grund: Die ganz persönliche Budgetgrenze beziffern die Befragten zwischen 15 Euro und 40 Euro monatlich. Für die Recruiting-Verfahren großer Unternehmen könnte gerade dieser Faktor bedeutsam sein, denn hier lassen sich attraktive Lockangebote kreieren.

So erklärt sich nicht nur der Wunsch nach einem Arbeitgeber-Zuschuss, sondern auch die Fokussierung auf die realen Behandlungsmethoden. Für Präventionsmaßnahmen bleibt schlichtweg kein Geld - oder zumindest ist der Investitionswille hier deutlich eingeschränkt.