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Erste Siedlung in NRW geplant
Erste Tiny-House-Siedlung geplant

 Ein sogenanntes Tiny House vereint alle Wohn-Bedürfnisse auf kleinstem Raum – vielen Menschen reicht das aber völlig aus. Deshalb werden immer mehr Mini-Heime gebaut.
Ein sogenanntes Tiny House vereint alle Wohn-Bedürfnisse auf kleinstem Raum – vielen Menschen reicht das aber völlig aus. Deshalb werden immer mehr Mini-Heime gebaut. FOTO: dpa-tmn / Alexander Heinl
Mini-Häuser sind groß in Mode. Die Stadt Warendorf will bundesweit als erste Kommune ein Grundstück eigens für kleine Eigenheime ausweisen – als Denkansatz zur Wohnungsnot. Auch in anderen Städten ist das ein Thema. Von Jörg Isringhaus

Wenn es für den Traum vom eigenen Haus nicht reicht, muss fürs Erste vielleicht ein Häuschen herhalten. Sogenannte „Tiny Houses“ (winzige Häuser) bieten Eigenheim-Flair auf kleinstem Raum. Bis zu 25 Quadratmeter sind die Mini-Heime groß, enthalten aber mit Küche, Toilette, Wohn- und Schlafzimmer alles, was man zum Wohnen braucht. Allerorts explodierende Immobilienpreise machen die vergleichsweise günstigen Häuschen derzeit noch attraktiver, auch für Stadtplaner. So hat in Neuss die Linke beantragt, die Errichtung von Mini-Häusern auf dem Stadtgebiet zu prüfen, und in Warendorf soll sogar die erste Tiny-House-Siedlung in NRW entstehen. „Natürlich kann man damit nicht alle Wohn-Probleme lösen“, sagt André Wenning, Fraktionschef der Freien Wählergemeinschaft in Warendorf, „aber es ist ein Ansatz, um darüber nachzudenken.“


Wenning hatte mit einem erfolgreichen Antrag seiner Fraktion, dass die Stadt doch bitte ein Grundstück für eine Tiny-House-Siedlung ausweisen möchte, die Sache initiiert. Nun wird eine Fläche in Warendorf gesucht, die Bau- und Nutzungsrecht verbindet, um die Kleinstheime wie jedes andere Haus in der Landesbauordnung zu verankern. Denn nur dann lassen sie sich als Erstwohnsitz anmelden. Je nach Grundstück schweben Wenning bis zu 25 Häuser vor, mindestens 15 sollten es auf jeden Fall sein. Vorerst muss die Siedlung entwickelt werden, später geht es an die Verpachtung der Grundstücke. Sorgen, dass die Nachfrage zu gering sein könnte, plagen Wenning nicht. „Die Häuser wären an einem Tag vergeben“, sagt er. „Schon jetzt haben wir mehr als 1000 Nachfragen per E-Mail.“

Auch die Schreinerei Tiny-House Diekmann in Hamm kann sich über einen Mangel an Kunden nicht beklagen. Rund sieben bis acht Monate müssen mittlerweile von der Planung bis zur Fertigstellung eines Hauses kalkuliert werden, sagt Projektentwicklerin Vera Lindenbauer. Die Auftragsbücher seien voll, pro Monat würden etwa drei bis vier Tiny Houses entstehen. „Am Ende hängt der Aufwand auch von der Planung ab“, sagt Lindenbauer, „denn wir bauen nach individuellen Wünschen.“ Je nach Größe und Ausstattung bewegen sich die Preise zwischen rund 30.000 und 50.000 Euro. Die Wohnfläche liegt dabei zwischen zehn und 25 Quadratmetern, je nach Größe des Fundaments, das auf einen Trailer passen muss. Was sich wenig anhört, sei für Befürworter der Mini-Heime absolut ausreichend, sagt Lindenbauer. „Die Devise lautet: Mehr Platz brauche ich nicht zum Leben.“



Die potentielle Mobilität der Häuschen, die als Wohnwagen angemeldet werden, ist aber gleichzeitig auch ihr Problem. Denn etliche Interessenten würden sich das Mini-Heim gerne in den Garten stellen. Das geht aber nur, wenn das Grundstück als Bauland ausgewiesen ist. Für ein feststehendes Tiny House gelten somit dieselben Anforderungen wie bei jedem anderen, normal großen Eigenheim, es greift die Landesbauordnung. „Das hält viele Menschen davon ab, sich für ein solch spezielles Haus zu entscheiden“, sagt Lindenbauer. Insofern begrüßt sie Wennings Initiative in Warendorf, weil mit einem eigens ausgewiesenen Grundstück für Tiny Houses die gesetzlichen Grundlagen geschaffen seien, um die Gebäude dort aufstellen und nutzen zu können.

Auch die Linke in Neuss will prüfen lassen, ob in künftigen Bebauungsplänen die kleinen Eigenheime berücksichtigt werden können. „Natürlich ersetzen Tiny Houses nicht die Notwendigkeit zum massiven Ausbau des öffentlich geförderten Wohnungsbaus“, so der Fraktionsvorsitzende Roland Sperling. „Allerdings sollten wir auch neuen Wohnformen gegenüber aufgeschlossen sein. Wir gehen davon aus, dass der Flächenverbrauch gering ist und durch die Mobilität, die viele der kleinen Häuschen mit sich bringen, eröffnen sich auch neue Perspektiven in der Stadtentwicklung.“ Das Problem: Neuss fehlt es an Bauland.

In Warendorf geht Lokalpolitiker Wenning davon aus, dass die Siedlung realisiert wird. Zahlreiche Anfragen von Universitäten, Fachhochschulen und anderen Kommunen aus der ganzen Republik würden zeigen, dass es ein großes Interesse daran gibt, wie die Stadt als Vorreiter mit dem Projekt verfährt. Noch muss die Idee durch alle Gremien und von der Kommunalverwaltung abgesegnet werden. Wenning ist optimistisch. „Bis 2020 haben wir das Ding abgeschlossen.“