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Der erste Armuts-Atlas des Paritätischen Gesamtverbands beschäftigt zahlreiche Kommentatoren. So schreibt die Zeitung "Der neue Tag" aus Weiden: Muss ein Single mit weniger als 764 Euro Einkommen pro Monat hungern? Wohl kaum. Aber darum geht es nicht. Der

Der erste Armuts-Atlas des Paritätischen Gesamtverbands beschäftigt zahlreiche Kommentatoren. So schreibt die Zeitung "Der neue Tag" aus Weiden: Muss ein Single mit weniger als 764 Euro Einkommen pro Monat hungern? Wohl kaum. Aber darum geht es nicht. Der Teufelskreis der Verarmung müsse endlich durchbrochen werden, fordert Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider

Der erste Armuts-Atlas des Paritätischen Gesamtverbands beschäftigt zahlreiche Kommentatoren. So schreibt die Zeitung "Der neue Tag" aus Weiden: Muss ein Single mit weniger als 764 Euro Einkommen pro Monat hungern? Wohl kaum. Aber darum geht es nicht. Der Teufelskreis der Verarmung müsse endlich durchbrochen werden, fordert Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. Von der Schaffung annähernd gleicher Lebensverhältnisse in Deutschland wie auch in Bayern ist die Politik nach wie vor meilenweit entfernt - insofern ist der Armutsatlas ein glattes Armutszeugnis. Die Freiburger "Badische Zeitung" gibt zu bedenken: Die mit Abstand größten Armutsrisiken löst die Arbeitslosigkeit aus. (. . .) Der Kampf gegen sie ist das beste Programm gegen Armut. Eine der bedrückendsten Einsichten aus der aktuellen Krise ist, dass derzeit keine Regierung diesen Kampf mit neuen Ideen aktiv führen kann. Nur das Schlimmste lässt sich verhindern, mit Kurzarbeit und erhöhten Staatsausgaben. Für die "Heilbronner Stimme" bleiben viele Fragen offen: Die Definition hat einen entscheidenden Fehler. Sie ist immer abhängig von einer variablen Bezugsgröße. Es macht einen Unterschied, ob man die persönlichen Einkünfte mit dem Durchschnittseinkommen der Region vergleicht, in der man lebt, mit dem des Bundeslandes, mit Deutschland oder mit Europa. Nimmt man das mittlere europäische Einkommen als Richtwert, existiert in Deutschland überhaupt keine Armut. Der Hartz-IV-Satz liegt noch über der statistisch entscheidenden 60-Prozent-Schwelle in Europa. Bin ich somit als Baden-Württemberger arm, als Deutscher im Mittelfeld und als Europäer reich? Und die Magdeburger "Volksstimme" stellt fest: Wenn alles, was unter 60 Prozent des Durchschnittseinkommens per EU-Definition als arm eingestuft wird, ist das absurd. Selbst wenn sich die Einkommen vervielfachten, bliebe nach der Durchschnittsberechnung Armut statistisch bestehen. Nach dieser Definition kann Armut einfach nicht ausgehen. Eine solche Definition lädt zu Missbräuchen in der politischen Debatte geradezu ein. Sie lenkt auch von der Betrachtung der ganz konkreten Unzuträglichkeiten ab, wie . . . der wirklich schwierigen finanziellen Lage Alleinerziehender.