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Tiefer Griff in die Kiste der Vielfalt

Illingen. In der SR-Reihe „Jazz live with friends“ gaben Jazz-Pianist Michael Wollny und der französische Arkordeonist Vincent Peirani, beide Echo Jazz-Preisträger, ein Konzert in der Illinger Illipse. Wollny ist dort „Artist in residence“. Sebastian Dingler

Über 250 Zuhörer in der Illinger Illipse durfte sich Veranstalterin Elfi Kleiß am Donnerstagabend beim Konzert von Pianist Michael Wollny und Akkordeonist Vincent Peirani freuen. Wollny wird derzeit hoch gehandelt: Die renommierte Académie du Jazz wählte den Pianisten zum europäischen Jazzmusiker des Jahres für das Jahr 2014, seine jüngste CD "Nachtfahrten" wird allenthalben gelobt. Als "Artist in residence" der Illipse durfte und darf er musikalische Freunde für seine Konzertreihe einladen - am Donnerstagabend war eben Peirani an der Reihe, von Wollny als "der französische Jazzmusiker der Stunde" angekündigt. Dabei war das größtenteils gar nicht Jazz , was die beiden zu Gehör brachten - Musette, Pop, Klassik und Neue Musik spielten eine fast ebenso große Rolle. Die Stilvielfalt ist man von Wollny gewohnt; dennoch brachte der erste Set wenig Aufregendes, trotz aller Virtuosität der Musiker.

Mit einem einfachen Thema und komplizierten Bassläufen, die Wollnys linker Hand alles abverlangten, begann mit einer Peirani-Komposition der zweite Teil des Konzerts gleich stärker. Auch das folgende von der balinesischen Gamelanmusik inspirierte Stück entlockte dem Publikum Jubelschreie, aufgrund der vertrackten Rhythmen und der virtuosen Passagen. Dann erst griffen die beiden Jazzer tief in die Kiste der Vielfalt: Nach Tinnitus-Tönen (vom Akkordeon) und Klangteppichen (vom Piano) setzte Peirani überraschend seine Stimme ein. Vom Konventionellen, Klassischen ging man dann über zum orientalischen Jazz . Der zweite Teil des Konzerts machte den streckenweise langweiligen Auftakt mehr als wett.

Nächster ,,Artist in Residence" der Illipse wird der Schwede Nils Landgren sein; das letzte Konzert von Michael Wollny findet am 5. Dezember statt; die Reihe des Saarländischen Rundfunks "Jazz live with friends" geht am 22. Oktober mit dem Konzert von Johannes Müller auf dem Halberg weiter; Gabi Szarvas moderiert - als Nachfolgerin des pensionierten Jazzredakteurs Peter Kleiß.