Tiefe Dankbarkeit für Stanis„love“ Skrowaczewski

Tiefe Dankbarkeit für Stanis„love“ Skrowaczewski

Als der 92-jährige Stanislaw Skrowaczewski bei der 1. SR-Soirée vor die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) in der Congresshalle tritt, beginnt eine Sternstunde. Der vom Alter gebeugte Rücken strafft sich, das Taktstöckchen erzittert, und mit dem Tremolo der Violinen beginnt ein Spannungsbogen, der die ganzen 80 Minuten der 8. Sinfonie von Anton Bruckner intensiv entwickelt wird.

Bruckner hat im Leben des Maestros zentrale Bedeutung, die intensive Kenntnis der Partituren ist Voraussetzung für eine Interpretation, die eindrucksvoller kaum sein kann. Ob er den Aufbau dynamischer Steigerungen inszeniert, die dichten Themenverknüpfungen lichtet oder, wie im Finale, die Schichtung der Hauptthemen aller vier Sätze baut: Das ist bewundernswert und gelingt mit wenig gestischem Aufwand. Auch, weil ihm das Orchester bedingungslos zuarbeitet. Denn Skrowaczewski fordert innere Glut.

Selten hörte man die Streicher so intensiv und klangschön durch alle Register singen und die Holzbläser so delikat figurieren. Im Blech glänzten die Trompeten, Posaunen und Tuba sorgten für wuchtige Tiefe und die wohldisponierten Hörner nebst Wagnertuben rundeten von samtig weich bis herrisch dominant das Ensemble ab. Maestro "Skrowa", wie ihn die Musiker liebevoll nennen, erschloss diese gewaltige Musik in geweiteter Dynamik, stimmiger Balance und emotionaler Tiefe. Großer, dankbarer Beifall rief Stanis"love" immer wieder auf die Bühne. Danach ernannte SR-Intendant Thomas Kleist ihn zum Ehrendirigenten der DRP. Dank für 37 Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit - und Hoffnung auf weitere gute Jahre.

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