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Viel (Selbst-)Hilfe für Patienten

    : Viel (Selbst-)Hilfe für Patienten

Das Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen hat dem Knappschaftsklinikum Saar in Püttlingen die Auszeichnung „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ verliehen. Ein Novum im Saarland.

„Über die Auszeichnung freue ich mich sehr, da es die hervorragende Zusammenarbeit aller Kolleginnen und Kollegen des Projekts abbildet“, sagt Anna- Maria Strauß, Selbsthilfebeauftragte und Gesamtleiterin des Qualitätsmanagements am Knappschaftsklinikum Saar (KKSaar). Das Qualitätsmanagement hatte die Zusammenarbeit mit ausgewählten Selbsthilfegruppen (SHG) bereits im Frühjahr 2019 gestartet. Auf Basis eines ausführlichen Qualitätsberichts erfolgte nun die offizielle Ernennung zum „Selbsthilfefreundlichen Krankenhaus“ durch das Berliner Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen. Diese hätte eigentlich schon im Frühjahr erfolgen sollen. „Doch dann kam Corona dazwischen“, erklärt Anna-Maria Strauß. Nun ist das KKSaar in Püttlingen das erste Krankenhaus im Saarland, das diese Auszeichnung trägt. 
   


Wie sieht die Kooperation konkret aus? Man treffe sich regelmäßig etwa alle drei Monate am Standort in Püttlingen, wie sie erläutert. Dabei tauscht man sich aus und schmiedet gemeinsam Pläne. Zudem setzt das Qualitätsmanagement sehr stark auf Sensibilisierung für das Thema. So informieren Klinikmitarbeiter die Patienten während ihres Klinikaufenthaltes gezielt über die Arbeit geeigneter Selbsthilfegruppen. Bereits im Eingangsbereich liegen Informationsmaterialien für alle Patienten und Besucher aus.

Weiteres Infomaterial ist auf allen Ebenen zu finden. Im Foyer des KKSaar fanden auch bereits mehrere Aktionstage statt, an denen die SHGs sich und ihre Arbeit der Öffentlichkeit präsentierten.

Von Anfang an waren Selbsthilfegruppen dabei

Bereits zu Beginn des Projektes, der mit einer Kick-Off-Veranstaltung gebührend gefeiert wurde, waren schon mehrere Selbsthilfegruppen beteiligt, koordiniert von der Kontaktstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS): die Deutsche Rheuma Liga Saar, die Deutsche Parkinson-Vereinigung, die SHG Typ-1-Diabetiker „Die Glyklichen“, die Anonymen Alkoholiker, DRK Alkohol/ Medikamente sowie Gruppen für Chronischen Tinnitus, Hochsensibilität, Endometriose und Osteoporose. Auf Wunsch wird auch Kontakt zu einer Gruppe hergestellt. „Dieser Austausch mit Gleichgesinnten ist gerade für chronisch Erkrankte sehr wichtig“, bringt es Anna-Maria Strauß auf den Punkt.

Das Projekt wurde ins Leben gerufen vom Knappschaftsklinikum Saar zusammen mit der Knappschaft Bahn See (KBS) und der KISS unter der Trägerschaft der Landesvereinigung Selbsthilfe. „Die Knappschaft engagiert sich seit vielen Jahren für die Selbsthilfe und hat die Federführung für die Pauschalförderung der Selbsthilfegruppen im Saarland übernommen“, sagt Gerrith Kiefaber, Referatsleiterin der KBS. „Deshalb freuen wir uns besonders, gemeinsam mit dem KKSaar dieses Projekt zu unterstützen.“

Vertreter von Selbsthilfegruppen und Mitarbeiter des Knappschaftsklinikums Saar nach der Kick-Off-Veranstaltung im vergangenen Jahr. Foto: KKSaar
Vertreter von Selbsthilfegruppen und Mitarbeiter des Knappschaftsklinikums Saar nach der Kick-Off-Veranstaltung im vergangenen Jahr. Foto: KKSaar

Wichtige Ergänzungen zur klassischen Medizin

Denn eines ist klar: Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, dass Selbsthilfegruppen ein enorm wichtiges Bindeglied zwischen Kliniken, Ärzten, Rehamaßnahmen und Pflegediensten sind – auf der anderen Seite stellen sie für Betroffene und deren Angehörige eine wichtige Ergänzung zur klassischen Medizin dar. Durch das bewusst niedrigschwellig gehaltene Angebot könnten letztere Gruppen sich einfach und schnell informieren. Dabei setzt das KKSaar bereits im eigenen Haus auf frühestmögliche Sensibilisierung: Schon in der Ausbildung beim KKSaar gibt es einen Block, der sich mit dem Thema Selbsthilfegruppen beschäftigt. „Wir machen ein bisschen mehr, als wir machen müssten“, sagt Anna-Maria Strauß bescheiden. Doch diese Arbeit zahlt sich aus – das zeige das positive Feedback seitens der Patienten.

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Angela Staub, Vorsitzende der Landesvereinigung Selbsthilfe, stimmt zu: „Für uns ist die Zusammenarbeit mit den Knappschaftskliniken sehr wichtig, weil Selbsthilfegruppen Patientinnen und Patienten, die stationär betreut werden, beraten und unterstützen und aus eigener Betroffenheit Wege aus der Krankheit aufzeigen können.“ Victoria Louia, die das Projekt für die KISS koordiniert, lobt die hervorragende Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Projekts als Qualitätszirkelprozess. Dabei gefällt ihr der gut funktionierende Austausch zwischen den Ärzten, Patienten und Selbsthilfegruppen: „Es ist wichtig, dass schon im Krankenhaus der Kontakt hergestellt werden kann.“

„Durch die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen wollen wir die Versorgung unserer Patienten und die Unterstützung ihrer Angehörigen weit über den Klinikaufenthalt hinaus verbessern“, ergänzt Peter Böhnel, Pressesprecher des KKSaar.

Gerade bei chronischen Erkrankungen oder langwierigen Therapien reiche der kurze Klinikaufenthalt für eine optimale Unterstützung von Patienten oftmals nicht aus. Hier könnten Selbsthilfegruppen wertvolle Hilfe leisten, so der KKSaar-Sprecher. „Menschen, die das Gleiche erlebt haben wie Sie, wissen am besten, wie Sie sich fühlen und was Sie jetzt brauchen.“  red/bo

Die Kontaktdaten vieler Selbsthilfegruppen stehen auf der KISS-Homepage. Wer auf der Startseite ein entsprechendes Stichwort eintippt, gelangt zur passenden Organisation. Dort gibt es Ansprechpartner, Telefonnummern, Mailadressen und die Termine, an denen sich die Betroffenen treffen. Der Punkt „Für Gruppen“ (Unterpunkt „Gruppen“) führt zu einer Übersicht der Selbsthilfegruppen.

Telefon (06 81) 9 60 21 30
Mobil (01 59) 01 71 11 63
kontakt@selbsthilfe-saar.de
www.selbsthilfe-saar.de