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Traumhafte Wandertouren

: Traumhafte Wandertouren

Eine Wanderung mit Erkenntniswert. Die Tour im Wald beim Naherholungsgebiet Itzenplitz hat geschichtliche und geologische Bezüge.

Es sind schöne Strecken, die rund um den Itzenplitzer Weiher führen. Das Gewässer selbst mit seinem Pumpenhäuschen und der kleinen Liegewiese – ein wunderbares Stück Natur. Was der Premiumwanderweg Pingenpfad in dem Gebiet an Feinheiten herauskitzeln kann, sorgt für Neugier. Also Rucksack auf die Schultern und los.

Saarländische Industriegeschichte

Das Eingangsportal zum Pingenpfad findet sich ganz am Ende des Parkplatzes und ist selbst schon eine Besonderheit. Ein Oval aus Stahl erinnert an den Streckenausbau unter Tage. Saarländische Industriegeschichte. Der Pingenpfad ist unter den Wanderwegen der Premiumklasse im Kreis derjenige, der sich jenseits des Naturerlebnisses stark mit dem historischen Aspekt der Gegend beschäftigt. Die Pingen, sie sind Schürfstellen des frühen Kohleabbaus. Das Wort selbst, erklärt der Duden, stammt vom mittelhochdeutschen „Binge“, einer Vertiefung im Boden. Die rund 300 Löcher, Gräben oder Mulden, die sich in dem Waldgebiet finden, erläutert der Förderverein Itzenplitz, gehen aufs 14. oder 15. Jahrhundert zurück. Schon damals gruben die Menschen nach Kohle, direkt an der Oberfläche. Und das nur so weit, wie die Luft gut war und die Mulden nicht mit Wasser vollliefen.
     

Der Pfad führt zunächst steil bergan. Und hält schon nach wenigen Minuten eine weitere Überraschung parat. Oben auf dem Berg gibt eine Schneise im Wald den Blick frei hinab auf den Weiher und das Pumpenhäuschen. Das ist mal eine ganz andere Ansicht des Postkartenmotives. Auf die Sitzbank hat jemand Nazi-Hakenkreuze gekritzelt. Gar nicht einladend, aber für eine Pause ist es sowieso zu früh. Also weiter auf dem schmalen Pfad, der bald wieder hinaus auf einen breiten Weg und hinunter zum Weiher führt. Es geht ein paar Meter am Gewässer vorbei und den Enten, die es sich dort gemütlich machen in der Nachmittagssonne. Und weg von den breiten Wegen in das Tälchen, das uns bergauf ins Unterholz führt. Im Schilf steht ein Fischreiher, lässt sich stolz begutachten. Im Wald fällt viel Licht durch die hohen Bäume. Das Gefühl des Sich-fallen-lassens kommt mit Kraft. Tief durchatmen, genießen. Keine Menschenseele ist zu sehen, wir bekommen das Gefühl, ganz alleine auf diesem Fleckchen Erde zu wandern. Es geht über das Bachbett. Die Strecke wird auch von Mountainbikern benutzt, wie die Spuren in der feuchten Erde verraten. Kurios: mitten im Wald eine Lichtung mit kleinen Tannen, als habe sich hier jemand seine Weihnachtsbaum-Plantage angelegt. Der Weg durchs Tal mit seinen kleinen Windungen findet leider auch ein Ende und der Pingenpfad trifft wieder auf eine der bekannten Strecken rund um den Weiher. Die Erklärtafeln am Wegesrand sind interessant. Wer ein Smartphone dabei hat, kann die Codes scannen und etwas zur Geschichte der einzelnen Themen hören oder lesen. Das Holzer Konglomerat (eine besondere Gesteinsschicht mit Beton-Optik) ist genauso Thema wie die rotbraun-öligen Eisenausfällungen von Waldquellen oder der Kallenbrunner Schacht.

Zurück auf dem breiten Wanderweg geht es in Richtung des Merchweiler Windrades und wieder auf schmale Pfade vorbei an der Schutzhütte St. Barbara. Bald erreicht man die Gaststätte Alt-Steigershaus. Grubensteiger Franz Zentz hatte an dieser Stelle vor 235 Jahren mit dem Bierausschank begonnen. Ein Familienbetrieb seit jeher. Über Sommer lässt es sich prima sitzen im Biergarten neben dem alten Gebäude an der Landstraße zwischen Bildstock und Merchweiler.

Und endlich ist es so weit. Zurück im Wald kommt man zu den Pingenfeldern. Man muss erst einmal ganz genau hinschauen, um die langgezogenen Furchen im Boden als Pingen auszumachen. Aber der Blick schärft sich schnell. Der hölzerne Bergmann Emil hat sie fest im Blick. Von hier oben geht es auf gewundenen Pfaden hinab zum Itzenplitz. Die acht Kilometer des Pingenpfades sind relativ schnell gelaufen und nicht übermäßig beschwerlich. Eine wunderbare Gelegenheit, die wunderbare Natur vor der Haustür zu erkunden. mb