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Motorrad-Schrauben, aber richtig

      : Motorrad-Schrauben, aber richtig

Zur Leidenschaft am Fahren kommt bei Motorradfahrern oft ein weiteres Faible hinzu: das Schrauben. Voll im Trend liegen Scrambler und Naked Bikes – Fahrgenuss und Optik pur.     

Worauf Motorradfahrer beim Umbau achten sollten, das wissen amtlich anerkannte Sachverständige zum Beispiel vom TÜV aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Bremsleitungen, Lenker, Bremsen, An- und Abbauten – jede Änderung am Serienmodell erfordert eine ganzheitliche Betrachtung“, sagt Lars Krause, Motorradexperte bei TÜV SÜD. So kann allein die Kombination von Komponenten ein Änderungsgutachten nach Paragraf 19 der Straßenverkehrs- und Zulassungs-Ordnung (StVZO) erfordern – obwohl Teilegutachten vorliegen. Auch bei Komponenten wie Lenkern, die meist für viele Modelle zugelassen sind, muss man genauer hinschauen. Das gilt besonders für Fahrer seltener Marken. Krause: „Teilegutachten werden meist nur für die gängigsten Modelle erstellt. Wenn ich einen Exoten fahre, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich selbst für ein Bauteil mit Genehmigung ein Änderungsgutachten brauche.“ Einfach alles abschrauben und schon ist mein Motorrad ein cooles Naked Bike? Wenn es die Maschine serienmäßig ohne Verkleidungen gibt, ist der Umbau doch kein Problem – sollte man meinen. Trotzdem lauern auch hier Tücken: So wurde nach dem Abbau der Verkleidung bei einem Motorrad die Ölleitung durch den Winddruck an den Auspuffkrümmer gedrückt – die Maschine fing Feuer. Freigelegte Halterungen können zudem scharfe Kanten darstellen, die entfernt werden müssen. Ohne die Verkleidungen ändert sich zudem die Fahrphysik. Denn Cockpit-, Seiten-, Tank- sowie Heck- und Vorderradverkleidung sorgen bei hohen Geschwindigkeiten jenseits von 200 km/h für ausreichend Anpressdruck der Räder auf die Straße. „Die Auswirkungen auf das Fahrverhalten sollten Umbau-Interessierte nicht unterschätzen, gerade was den Grip anbelangt“, so Krause. Der Umbau kann auch andere Folgen haben. So kann sich durch die Gewichtsveränderung die Pendelneigung erhöhen.
    

Welche Auswirkungen ein Umbau am Ende hat und welche Regeln dann greifen – das wissen nur die Sachverständigen. Sie bringen die nötige Erfahrung mit und kennen durchs jahrelange Begleiten der Motorradszene jedes Detail. Die Experten kümmern sich nicht nur darum, dass Vorschriften eingehalten werden, sondern stehen bei jedem Umbauvorhaben beratend zur Seite. Sie liefern technische Tipps und stellen Datenbanken zur Verfügung, wenn es um größere Umbaumaßnahmen geht. Außerdem erstellen sie alle nötigen Gutachten. TÜV-Süd/red