TG Saar siegt mit Olympiasieger Wernjajew gegen Heilbronn

Turn-Bundesliga : Ein unverkennbarer Aufwärtstrend

Topstar Oleg Wernjajew führt TG Saar zum souveränen Sieg über Heilbronn. Turn-Bundesligist will noch das kleine Finale erreichen.

Nach fünf Monaten Pause waren die Turner der TG Saar heiß auf den ersten Bundesliga-Wettkampf der Herbstsaison. Mit nur einem Sieg und drei Niederlagen hatte der amtierende Vizemeister die erste Saisonhälfte bewältigt und wollte die maue Bilanz am Samstag in der Dillinger Kreissporthalle gegen das KTT Heilbronn unbedingt aufpolieren. Dass das mit einem 73:16-Sieg mühelos gelang, war im Prinzip schon vorher klar – das Bundesliga-Schlusslicht war nur mit vier Turnern angereist. „Damit stand fest, dass jeder Heilbronner jedes Gerät turnt. Für uns ging es vor allem darum, an den eigenen Übungen zu feilen. Das hat teils sehr gut geklappt – es war speziell für unsere Jungs, die jetzt Einzelwettkämpfe turnen, ein guter Test“, sagte der TG-Vorsitzende Thorsten Michels und räumte ein: „Nach der schwachen Vorrunde war das Balsam für die Seele.“

Das galt auch für den Topstar, der nach Schulter- und Fuß-Operation im Januar seine ersehnte Rückkehr feierte: Um 18.16 Uhr präsentierte sich Oleg Wernjajew unter großem Beifall erstmals den rund 400 Zuschauern. In seiner Bodenübung musste der 24-jährige Barren-Olympiasieger von Rio bei der ersten Sprungkombination die Wettkampffläche mit einem Fuß verlassen. Trotz der 0,1 Punkte Abzug holte der Ukrainer mit 13,95 Zählern dennoch volle fünf Punkte im Duell mit Heilbronns Stefan Payer.

Am Ende war Wernjajew nach Übungen an vier von sechs Geräten mit 18 Punkten Topscorer des Abends vor Waldemar Eichorn (15) und Eugen Spiridonov (12). Speziell am Paradegerät Barren ist er fast der Alte: 15,25 Punkte waren Tagesbestwert – und schlicht Weltklasse. Auch am Pauschenpferd kam der Mehrkampf-Europameister 2015 auf gute 14,10 Punkte: „Barren und Pferd waren sehr stark. Bei Sprung und Boden hat man ihm die Pause angemerkt – er ist aber auf einem sehr guten Weg“, befand Michels.

Wernjajew selbst war ebenfalls zufrieden. „Es hat Spaß gemacht und ist schöner, sich hier ans alte Niveau heranzutasten als anderswo“, sagte das 1,60-Meter-Kraftpaket. Er sei noch nicht ganz fit, habe mit Blick auf die Weltmeisterschaft Ende Oktober in Doha viel Arbeit vor sich – aber auch ehrgeizige Ziele: Er wolle mit dem Team der Ukraine zeigen, dass Rang 13 ohne ihn bei der letzten EM nicht das wahre Vermögen des Heimatlands darstelle. Zudem werde er im Mehrkampf starten, will am Barren ins Finale und „da vielleicht sogar gewinnen“.

Für die TG Saar ist das Bundesliga-Finale bei 4:6 Punkten in den letzten zwei Wettkämpfen nicht mehr möglich. „Aber Rang drei oder vier und damit das kleine Finale sind noch drin“, sagte Michels vor dem Auftritt am 10. November beim punktgleichen TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau um Andreas Toba (17 Uhr) und dem Schlusspunkt eine Woche später in Dillingen gegen Meister KTV Straubenhardt (10:0 Zähler) um Doppel-Vize-Olympiasieger Marcel Nguyen. „Da wird die Halle aus allen Nähten platzen“, sagte Michels und verriet, dass das Team nächste Saison zusammenbleiben werde. Einzig der Verbleib von Petro Pakhnyuk sei ob des durch Landsmann Wernjajew besetzten Ausländerplatzes ungewiss.

„Wir haben uns viel besser als in der Vorrunde präsentiert – weniger Stürze und sicherer geturnt“, sagte Felix Remuta, der am Boden mit 14,2 Punkten überzeugte und damit wie am Barren fünf Zähler holte. Er startet am kommenden Samstag bei der WM-Qualifikation in Stuttgart: „Da will ich meine Übungen stabil durchbringen. Ich bin heute happy, fühle mich dafür gewappnet und würde mich freuen, wenn es für eine Nominierung reicht“, sagte der 20-Jährige.