Texte von Bukowski stark verfälscht?

Texte von Bukowski stark verfälscht?

Laut deutscher Charles-Bukowski-Gesellschaft wurden in über 400 posthum veröffentlichten Gedichten des US-Kultautors sinnverändernde Eingriffe vorgenommen. Charles Bukowski starb vor genau 20 Jahren.

Die deutsche Charles-Bukowski-Gesellschaft hält viele posthum veröffentlichte Texte des US-Kultautors für stark verfälscht. "In den Büchern, die nach seinem Tod in den USA herauskamen, sind mehrere hundert Gedichte im Vergleich zu den Originalmanuskripten massiv verändert worden", sagte Roni, der Vorsitzende der Gesellschaft mit Sitz in Andernach. Bei den Eingriffen handele es sich nicht um kleinere Korrekturen, sondern "um wesentliche Änderungen in Stil, Wortwahl und sogar Inhalt". Charles Bukowski wurde 1920 im rheinland-pfälzischen Andernach als Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen geboren, er starb vor 20 Jahren am 9. März 1994.

Die Textänderungen gingen so weit, dass mitunter Stellen über Alkohol komplett gestrichen worden seien, erklärte der Bukowski-Experte. "Wenn man die Alkoholpassagen herausnimmt, geht den Texten wichtige Bukowski-Substanz verloren", kritisierte er. An anderen Stellen sei der lakonische Stil des alkoholkranken Underground-Autors um teilweise ganze Sätze geändert und ergänzt worden. Wo im Original mehrmals nacheinander "sagte er" oder "sagte ich" stehe, heiße es nun "sagte er fröhlich" oder "meinte ich achselzuckend". In Bukowskis teils autobiografischen Romanen, Short Stories und Gedichten geht es um die Schattenseiten des amerikanischen Traums: um Säufer, Prostituierte und Spieler in oft ausweglosen Situationen.

"Hauptverdächtiger" für die späteren Text-Manipulationen sei ein ehemaliger US-Verleger Bukowskis, sagte Roni. Bereits zu Lebzeiten des Autors soll der Verleger den Roman "Das Liebesleben der Hyäne" ähnlich stark verändert haben. In Briefen bezeichnete Bukowski diese Eingriffe als respektlos. Bislang seien in über 400 der inzwischen rund 1800 posthum veröffentlichten Gedichte sinnverändernde Eingriffe festgestellt worden, erklärte der Vorsitzende der Bukowski-Gesellschaft. Als er den Verleger mit den Vorwürfen konfrontiert habe, habe dieser behauptet, die Änderungen seien von Bukowski veranlasst worden, berichtet der deutsche Bukowski-Experte. "Ich halte es aber für äußerst unwahrscheinlich, dass Bukowski alle diese Gedichte komplett neu geschrieben haben soll."

Zum 20. Todestag würdigt die Gesellschaft den Autor mit einer Ausstellung im Literaturarchiv im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg.