Tengelmann übernimmt Woolworth

Tengelmann übernimmt Woolworth

Frankfurt. Die angeschlagene Kaufhauskette Woolworth wird von einer Holding der Tengelmann-Handelsgruppe übernommen. Ein Sprecher des Frankfurter Insolvenzverwalters Ottmar Hermann bestätigte den Vertragsabschluss. Das Geschäft stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Gläubigerausschusses und des Bundeskartellamtes

Frankfurt. Die angeschlagene Kaufhauskette Woolworth wird von einer Holding der Tengelmann-Handelsgruppe übernommen. Ein Sprecher des Frankfurter Insolvenzverwalters Ottmar Hermann bestätigte den Vertragsabschluss. Das Geschäft stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Gläubigerausschusses und des Bundeskartellamtes. Woolworth werde mit seinem im vergangenen Jahr erarbeiteten Konzept als Ganzes erhalten. Alle 4500 Beschäftigten erhielten ein auf ein Jahr befristetes Arbeitsplatzangebot zu gleichen Konditionen wie bislang. Damit ist das akut drohende endgültige Aus für Woolworth abgewendet. Ende April war noch die Frist für eine Liquidation bis Ende Mai verlängert worden. Die Gewerkschaft Verdi fürchte - bei grundsätzlicher Erleichterung über den Fortbestand von Woolworth - um die Tariftreue im neuen Unternehmen, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß in Berlin. Der an der Holding HH beteiligte Kik sei bereits in der Vergangenheit wegen sittenwidrig niedriger Löhne verurteilt worden. "Wir fordern langfristige Perspektiven auch für die Beschäftigten", sagte Haß.Die HH-Holding habe den Zuschlag unter zuletzt vier Bietern erhalten, hieß es. Bei HH handelt sich um ein Konsortium des Handelskonzern Tengelmann mit seinen Töchtern Kik und Tedi in Bönen bei Dortmund. Dort ist auch die Logistiktochter von Woolworth beheimatet. Der zahlungskräftige strategische Investor HH war vor allem vom größten Woolworth-Vermieter, dem US-Finanzhaus Cerberus, im Verkaufsverfahren nachhaltig unterstützt worden. Gegen den Willen von Cerberus könne Woolworth nicht veräußert werden, hatte Insolvenzverwalter Hermann schon vor dem Deal erklärt. Cerberus besitzt mehr als die Hälfte der noch offenen 162 Woolworth-Filialen. Die HH-Holding äußerte sich zunächst nicht zu der Übernahme, die auch noch unter kartellrechtlichen Vorbehalten steht. Einer der unterlegenen Bieter, der auf Einzelhandelssanierungen wie bei Sinn-Leffers spezialisierte US-Finanzinvestor Gordon Brothers, räumte seine Niederlage ein, lehnte aber jeglichen weiteren Kommentar ab. Die vom britischen Mutterhaus unabhängige Billig-Kaufhauskette Woolworth Deutschland hatte im April 2009 in Frankfurt Insolvenz angemeldet. Der Insolvenzverwalter hatte nach eigenen Angaben ein neues Konzept erarbeitet, die Sortimente entrümpelt, rund 150 kleine und sehr große Filialen geschlossen und Woolworth zuletzt mit 162 Verkaufsstellen weitergeführt. Ziel sei immer der vollständige Verkauf der Kette gewesen, sagte Hermanns Sprecher. Das Konzept habe sich durchgesetzt. "Die Braut war nicht nur hübsch, sondern auch sehr begehrt." Angeblich will HH sogar bereits geschlossene Woolworth-Filialen wiederbeleben. Im Saarland waren von den Schließungen vier Standorte betroffen. Aktuell hat Woolworth hier noch Filialen in Saarbrücken, Sulzbach, Völklingen, St. Ingbert und Merzig.