Tarifkalender 2016 ist proppenvoll

Tarifkalender 2016 ist proppenvoll

Manch alte Konflikte sind noch gar nicht gelöst, da stehen schon die nächsten schwierigen Tarifverhandlungen an. Mit dabei sind die industriellen Schwergewichte und der Öffentliche Dienst. Im Herbst steht dann wieder die Bahn im Fokus.

Metall, Chemie und Bau - der deutsche Tarifkalender für 2016 ist mit Verhandlungen in den wichtigen Industriesparten gespickt. Bereits im ersten Quartal beginnen die Gespräche über die Entgelte und Arbeitsbedingungen der größten Beschäftigtengruppen, unter anderem Metall.

Nach einer Zusammenstellung des Düsseldorfer WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung werden bis Ende 2016 neue Tarife für knapp zwölf Millionen Beschäftigte verhandelt, rund eine Million mehr als 2015. Neben den Industriezweigen ist es vor allem der Öffentliche Dienst mit zwei getrennten Runden für die Länder sowie Bund/Kommunen, der für die hohe Zahl betroffener Arbeitnehmer sorgt.

Als Altlast aus den Vorjahren laufen die bislang extrem streikträchtigen Tarifkonflikte des fliegenden Personals bei der Lufthansa weiter. Piloten und Flugbegleiter haben das Unternehmen seit April 2014 bereits 14 Mal bestreikt. Während bei den Flugbegleitern der frühere Politiker Matthias Platzeck (SPD ) ab Januar sein Glück als Schlichter versuchen darf, zeichnet sich bei den Piloten noch überhaupt keine Lösung ab. Ihre Gewerkschaft, Vereinigung Cockpit hat seit September nicht mehr streiken lassen, weil das Landesarbeitsgericht Frankfurt die Streikziele als unrechtmäßig eingeschätzt hatte. Eine endgültige juristische Klärung steht ebenso aus wie eine Annäherung mit dem Unternehmen.

Platzeck hat sich gemeinsam mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow 2015 bei den festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL einen guten Ruf als Schlichter erworben. Der damals ausgehandelte Kompromiss wird schon 2016 wieder auf den Prüfstand gestellt, wenn im Herbst erneut parallele Verhandlungen mit der GDL und ihrer weit größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG anstehen. Immerhin geht es diesmal nicht um so grundsätzliche Dinge wie in der vorangegangenen Runde, als GDL-Chef Claus Weselsky eigenständige GDL-Tarifverträge nicht nur für die Lokführer, sondern erstmals auch für das gesamte Zugpersonal durchsetzte.

Die IG Metall hält sich vor ihrer im März beginnenden Tarifrunde für rund 3,7 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie noch zurück, was die Höhe ihrer Lohnforderung angeht. Bislang ist nur klar, dass es wahrscheinlich eine reine Lohnrunde wird, weil weitergehende Forderungen insbesondere zu Arbeitszeiten in der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt erst breiter diskutiert werden sollen. Erst am 2. Februar will der Vorstand der mächtigsten deutschen Gewerkschaft in Frankfurt seine Empfehlung beschließen.

B ereits bekannt ist die Forderung nach 5,0 Prozent mehr Geld für die knapp 200 000 Beschäftigten in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie, die auch von der IG Metall vertreten werden. In der gleichen Größenordnung liegt der Vorstand der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, der für Lebensmittelindustrie und -handwerk sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe 4,5 bis 5,5 Prozent empfohlen hat. Die Rahmenbedingungen für Tarifsteigerungen von rund drei Prozent stehen angesichts des hohen Beschäftigungsnivea us günstig.

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HintergrundIm Saarland beginnt die Tarifrunde 2016 mit der Eisen- und Stahlindustrie für rund 11 000 Beschäftigte. Der Vertrag läuft Ende Januar aus. Für die Naturstein- und Naturwerkstein-Industrie in Rheinland-Pfalz und dem Saarland (1700 Beschäftigte) wird es ab Juni ernst und für das Maler- und Lackiererhandwerk Saar (1000 Mitarbeiter) ab 1. Juli. Bei den saarländischen Brummi-Fahrern (7100 Beschäftigte) endet der Tarifvertrag am 31. Juli. Ab 1. Oktober startet die Chemische Industrie - im Saarland und in Ostdeutschland. low

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