Tanzszene in Bewegung

Tanzszene in Bewegung

In Saarbrücken ist der Wechsel bereits vollzogen, aber in Mannheim, Trier und Kaiserslautern treten in der kommenden oder in der darauf folgenden Spielzeit ebenfalls neue Ballettchefs an. Was können Tanzfans von den Neubesetzungen erwarten?

Rundumerneuerung kann man das nennen, was Tanzfans in den nächsten Jahren in der Großregion erwartet. Denn nahezu alle Ballettensembles stehen vor einem Neustart oder befinden sich in der Anlaufphase einer neuen Tanz-Ära. Letzteres gilt für Saarbrücken und das Saarländische Staatstheater , das 2014 die Vorhut gab. Hier löste Stijn Celis Ballettdirektorin Marguerite Donlon ab, die das Tanzpublikum über zwölf Jahre mit ihren verspielten, phantasieprallen Stücken becirct hatte. Und obwohl Celis' Choreographie-Sprache wie ein puristisches Gegenmodell wirkt, kommt sie beim Publikum prima an. Der sympathische Celis sowieso, die Zeichen stehen auf Harmonie. Doch der nächste Entwicklungs- und Qualitätssprung der formidablen Saarbrücker Company wird sich nur ergeben, wenn sich der Ballettchef in den nächsten Spielzeiten auf progressiveres Terrain vorwagt, sich mehr Ecken und Kanten zulegt und mit neuen Reihen und Formaten überrascht.

Wie künstlerischer Fortschritt funktioniert, haben Kevin O'Day und seine Stellvertreterin Dominique Dumais in Mannheim in den vergangenen 13 Jahren gezeigt. Sie haben der Sparte ein beachtliches und beachtetes Renommee erarbeitet. Doch Ende der nächsten Spielzeit, 2016, ist Schluss. Der frühere Wiesbadener Ballettchef Stephan Thoss wird ihr Nachfolger. Der Choreograf der ersten Liga musste 2013/2014 nach einem Intendantenwechsel in Wiesbaden eine Nichtverlängerung seines Vertrages hinnehmen, trotz Spitzenleistungen. Stephan Thoss, der bereits in Kiel und Hannover Ballettchef war, übernimmt Mannheim ab der Spielzeit 2016/2017. Seine expressiv-athletische Handschrift konnte man am Saarbrücker Staatstheater bereits kennenlernen: Thoss steuerte 2008 als Gastchoreograf sein "Poem on Minotaurus" zum vierteiligen "Picasso on the move"-Abend bei, der Furore machte. Erwartbar ist, dass Thoss die Mannheimer Ballettsparte weiter nach vorne und oben puschen will und wird, auch was die überregionale Wahrnehmung angeht.

Auch auf Trier könnte sich mehr Aufmerksamkeit richten, denn dort fängt nach der Sommerpause Susanne Linke an - ein Name mit Strahlkraft vergangener Tage. Ein veritabler Umbruch, denn Sven Grützmacher verlässt zusammen mit Intendant Gerhard Weber das Haus. Grützmacher war in den 90er Jahren die herausragende Tänzerpersönlichkeit am Saarländischen Staatstheater . In Trier leitete er von 2005 an die Ballettsparte und schaffte es, das auf konservativ-klassische Stücke eingeschworene Publikum für neue Formen und Themen zu öffnen. Der neue Trierer Intendant setzt allerdings auf einen radikalen Bruch. Er verpflichtete die frühere Tanztheater-Pionierin Susanne Linke (Folkwang Tanz Studio, Bremer Tanztheater ). Sollte sie in Trier nochmal unter Beweis stellen, dass ihre Kunst und ihr Stil am Puls der Zeit geblieben sind, kann man Abende erwarten, die Kontrapunkte setzen etwa zu Thoss und Celis.

Wohl auch zu Kaiserslautern. Dort gibt es ab der kommenden Spielzeit keinen üblichen Spartenchef mehr. Nach zehn Jahren verlässt Ballettdirektor Stefano Giannetti das Haus mit der wohl am wenigsten strahlkräftigen, aber vom Publikum geschätzten Company. Intendant Urs Häberli hat vorerst zwei Choreographen engagiert, die jeweils eine Produktion liefern - ein Experiment. Der Schotte James Sutherland und die Isländerin Katrín Hall treten an, den Tanz in Kaiserslautern neu zu positionieren.

Für die Tanzfans und die Theaterleute in der Region wirkt all dies als Aktivierungsschub: Vergleichen macht Freude, Wettbewerb spornt an.