Tabakrauch kann jeden Raum erreichen

Medizin : So kann sich Tabakrauch in jeden Raum verbreiten

Raucher geben Schadstoffe auch dann noch ab, wenn sie ihre letzte Zigarette längst ausgedrückt haben.

(np) Raucher produzieren jede Menge Schadstoffe. Das ist schon lange bekannt. Weniger weit verbreitet ist dagegen die Nachricht, dass Raucher die teils als krebserzeugend eingestuften Substanzen auch dann noch abgeben, wenn sie eine Zigarette längst ausgedrückt haben, warnt das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Denn Ablagerungen des Zigarettenrauchs haften an allen Oberflächen und der Haut und können auch so verbreitet werden. Das bedeute, dass gefährliche chemische Verbindungen selbst in Räume gelangen können, in denen noch nie geraucht wurde.

Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Yale University haben diesen Schadstoff-Transfer nun genauer untersucht und festgestellt, dass Personen, die zuvor Tabakrauch ausgesetzt waren, beim Betreten eines zuvor strikt rauchfreien Raums jede Menge Schadstoffe mitbrachten, erläutert Drew Gentner von der Universität Yale. Die Vorstellung, dass man als Nichtraucher in einem rauchfreien Raum vor dem Passivrauchen geschützt sei, sei ein Trugschluss. Die Forscher führten ihre Experimente in einem Kino durch, in dem Rauchverbot herrscht. An vier aufeinander folgenden Tagen fanden sie dort während der Filmvorführung deutliche Konzentrationen von 35 chemischen Verbindungen aus Tabakablagerungen. Am überraschendsten seien dabei die Konzentrationen gewesen: „Die Emissionen waren vergleichbar mit dem Rauch von ein bis zehn Zigaretten“, berichtet das Max-Planck-Institut.

„Wir gehen davon aus, dass die Kinobesucher die Zigarettenrauchrückstände mit ihrer Kleidung und ihrem Körper in den geschlossenen Raum transportiert haben“, sagt Jonathan Williams vom Max-Planck-Institut für Chemie. Das lasse nichts Gutes für die Luftqualität in Räumen mit vielen Menschen oder an schlecht belüfteten Orten ahnen. „In schlecht belüfteten engen Räumen, wie beispielsweise Autos, Bars, Zügen oder Wohnungen, werden die gefährlichen Emissionen vermutlich deutlich höher sein“, erklärt Drew Gentner. Rauchverbote verringerten zwar deutlich das Gesundheitsrisiko durchs Passivrauchen, völlig ausschalten könnten sie es allerdings nicht. Bei einer weltweiten Raucherquote von etwa einem Fünftel blieben die gefährlichen Rückstände aus dem Tabakrauch ein großes gesundheitliches Risiko.

Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft ist in Deutschland der Raucheranteil unter jungen Erwachsenen am höchsten. Von den 18- bis 25-Jährigen greife fast jeder Dritte zur Zigarette. Je nach Bundesland rauchen 27 bis 35 Prozent der Männer und 17 bis 24 Prozent der Frauen. Im Norden ist der Anteil größer als im Süden.