Zickzack-Fasten: einen Tag essen, einen Tag hungern

Zickzack-Fasten: einen Tag essen, einen Tag hungern

Tiere leben nachweislich länger, wenn sie abwechselnd einen Tag ohne Einschränkungen fressen können, am nächsten Tag jedoch streng fasten müssen. Ob es sich auch auf die Gesundheit von Menschen positiv auswirkt, dauerhaft jeden zweiten Tag zu fasten, ist wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen, gilt aber als Geheimtipp unter Abspeck-Willigen.

Experten der Universität Graz wollen jetzt in einer Studie klären, ob das Fasten an jedem zweiten Tag, in der Fachliteratur "Alternate Day Fasting" genannt, verjüngende und gesundheitsfördernde Effekte auf Menschen hat. Aus Versuchen mit Mäusen weiß man, wie das tageweise Fasten wirkt. Es setzt in den Zellen des Körpers einen Reinigungsprozess in Gang, medizinisch als Autophagie bezeichnet. "Es handelt sich dabei um eine Art Selbstverdauungsprogramm, das die Zellen reinigt und entgiftet. Ausgelöst wird diese zelluläre Müllabfuhr vor allem beim kontrollierten Fasten ", erklärt Professor Dr. Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz.

Das Fasten an jedem zweiten Tag ist kein neues Konzept. Viele Menschen haben damit oder mit ähnlichen Methoden des alternierenden Fastens schon Erfahrung gesammelt. Einige essen an ihren Fastentagen gar nichts, sondern trinken nur Wasser, Tee oder Gemüsebrühe. Andere hingegen nehmen rund 500 bis 600 Kalorien zu sich. Auch eine Diät, bei der fünf Tage lang normal gegessen und dann zwei Tage gefastet, zählt zum alternierenden Fasten .

Die Erfahrungen zeigen, dass übergewichtige Menschen mit solchen Diäten durchaus Pfunde verlieren. Zudem verbessern sich ihre Blutfettwerte. Es ist jedoch noch ungeklärt, ob der Gewichtsverlust aufgrund der verringerten Kalorienzufuhr auch mit einem Reinigungsprozess in den Zellen einhergeht und dadurch das Leben verlängert.

Die Forscher der Uni Graz wollen untersuchen, was ein Fasten an jedem zweiten Tag in den Zellen des menschlichen Körpers bewirkt. "Im Laufe des Lebens verändern sich bestimmte Bestandteile im Körper. Der Zuckerstoffwechsel wird schlechter und bestimmte Organe, wie etwa die Leber, aber auch das Muskel- und Fettgewebe, reagieren weniger sensibel auf das Hormon Insulin", erläutert Frank Madeo. "Wir untersuchen nun, ob diese natürliche Entwicklung durch einen regelmäßigen Verzicht auf Essen gebremst werden kann."

Die Wissenschaftler wollen zudem herausfinden, ob sich das Fasten auf die generelle Fitness der Teilnehmer auswirkt. Dazu entnehmen die Ärzte Blut- und Gewebeproben bei fünf Personengruppen, die jeweils unterschiedlich essen und fasten. Anhand bestimmter Moleküle, kleinster Bausteine des Körpers, soll geklärt werden, ob die Fastenphasen den Alterungsprozess verlangsamen können.

Auch die weltweit einzige Population, die konsequentes "Alternate Day Fasting" betreibt, eine in Wien lebende Gemeinschaft, wird Teil der Untersuchungen sein. Erste konkrete Ergebnisse zur Anti-Aging-Wirkung des periodischen Fastens werden in zwei Jahren erwartet. Doch Madeo ist jetzt schon davon überzeugt, dass man sich mit regelmäßigem Fasten etwas Gutes tut. Und dabei muss man keineswegs nagenden Hunger ertragen. Madeo empfiehlt beispielsweise, nach dem Nachtschlaf, der eine natürliche Fastenperiode darstellt, ab und zu auf das Frühstück zu verzichten oder nur schwarzen Kaffee zu trinken. Kaffee gehöre zu den Nahrungsmitteln, die den Zellreinigungsprozess auslösten. Ebenfalls gute Fastenhelfer seien Weizenkeime, Sojabohnen, Champignons und Zitrusfrüchte.

Eine erste Studie zum alternierenden Fasten , die schon vor zehn Jahren an einem biomedizinischen Forschungsinstitut in Los Angeles durchgeführt wurde, zeigte jedoch, dass es kaum ein Mensch durchhält, nur jeden zweiten Tag zu essen. Sanftere Konzepte raten daher dazu, nach persönlicher Vorliebe das Frühstück oder das Abendessen ausfallen zu lassen oder zwischen den drei Mahlzeiten pro Tag jeweils fünf Stunden Pause einzulegen.

Der Münchener Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Nicolai Worm hält Phasen des Fastens bei Übergewicht, speziell bei einer verfetteten Leber, für eine wirksame Therapie. Er bevorzugt bei seinen Patienten eine vorübergehend kalorienreduzierte Kost. Dauerhaft erreiche und stabilisiere man ein gesundes Gewicht aber nur durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Worm rät dazu, generell weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. "Egal, ob man Kartoffeln, Reis, Nudeln oder Weißmehlprodukte und Süßigkeiten isst, nach dem Verdauungsprozess gehen sie als Glukose, als Traubenzucker, ins Blut über", erläutert der Experte. Stattdessen empfiehlt er eine eiweiß- und fettreichere Ernährung mit mehr Quark, Eiern, Hüttenkäse, Putenschinken sowie Hülsenfrüchten, Nüssen, Tofu und Soja.

Die Mahlzeiten, sagt Worm, sollten zum Großteil aus wasserreichen Nahrungsmitteln wie Gemüse, Salaten, Früchten, hochwertigem Fleisch, Fisch, Geflügel sowie Joghurt, Kefir, Buttermilch und Sauermilch bestehen. Der hohe Wassergehalt vermittelt ein Gefühl der Sättigung. Dieses tritt durch die Dehnung der Magenwand ein, also durch das Volumen, nicht jedoch durch den Kaloriengehalt der Nahrung.

Der weitgehende Verzicht auf stark verarbeitete (raffinierte) Kohlenhydrate , die als " Hungermacher" gelten, stoppt die ständigen Heißhungerattacken und Gelüste nach Süßem. Das fördert auch einen tiefen, erholsamen Schlaf. Der abendliche Verzicht auf Kohlenhydrate oder komplettes Fasten am Abend führt während des Schlafs zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Somatropin. Es fördert unter anderem das Wachstum von Muskeln und Knochen und kurbelt die Fettverbrennung an. Eine reduzierte Kalorienaufnahme erhöht auch die Produktion des Hormons Melatonin. Es ist unter anderem wichtig für einen gesunden Schlaf, ein starkes Immunsystem, den Zellschutz und die Fettverbrennung. Und für ein längeres Leben, was bisher aber nur in Tierversuchen nachgewiesen worden ist.

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