Wunderwaffe für das Haar

Berlin · Trockene Luft, Färbemittel, zu viel Sonneneinfluss – es gibt viele Ursachen für störrische Haare. Allerdings können schon wenige, gut dosierte Tropfen Haaröl helfen, die struppige Haarpracht zu bändigen.

 Öle können kaputtes Haar nicht reparieren, aber zum Beispiel Spliss vorbeugen. Foto: Aussie/beautypress

Öle können kaputtes Haar nicht reparieren, aber zum Beispiel Spliss vorbeugen. Foto: Aussie/beautypress

Foto: Aussie/beautypress

Manche heißen "Wunder-Öl" oder "Mythic Oil" und geben so eine fast magische Wirkung vor. Sie duften nach Vanille, Mandel oder Kokos und sorgen für ein sommerliches, frisches Gefühl auf dem Kopf. Haaröle liegen im Trend - und nahezu jeder Kosmetik-Hersteller hat inzwischen welche auf dem Markt.

Das Haaröl kann sowohl in feuchtes als auch in getrocknetes Haar einmassiert oder aufgesprüht werden. Friseurmeister Pierre Reistroffer aus Saarbrücken sagt: "Haaröl ist für alle geeignet und kein Frauenprodukt. Es gibt auch Haaröle mit neutralem Duft, die häufig Männer nutzen. Wichtiger ist, das richtige Öl für den Haartyp zu verwenden, zum Beispiel feines, normales oder angegriffenes Haar." In der Regel stehen entsprechende Hinweise, welches Öl für welchen Haartyp geeignet ist, auf den Produkten. Auch Friseure helfen bei der Wahl des Öls. Pierre Reistroffer, der von Schwarzkopf Professional als "Hairdresser des Jahres 2015" ausgezeichnet wurde, warnt aber vor falschen Erwartungen: "Haaröl hat viele Eigenschaften. Es beugt Spliss vor, ist eine tolle Föhnhilfe und kann auch als Stylingprodukt eingesetzt werden. Es kann allerdings keinen Spliss reparieren."

Im Klartext: Haaröl macht kaputte Haare nicht wieder gesund. Aber es kann ihre Kämmbarkeit verbessern. "Das Öl macht die Haare geschmeidiger, legt sich wie ein Schutzfilm darum", sagt der Experte aus Saarbrücken: "Auch lässt sich das Haar leichter föhnen." Die Anwendung des Öls ist unkompliziert. Schon eine minimale Dosierung reicht aus, um das Haar zum Glänzen zu bringen. "Im Alltag trägt man es am besten ins handtuchtrockene Haar auf, vor dem Föhnen", so Reistroffer. "Im trockenen Haar setzt man es als Stylinghilfe ein und gegen Frizz, also gegen krauses und struppiges Haar. Dann aber wirklich nur kleine Mengen nutzen." Nimmt man zu viel davon, sieht das Haar schnell fettig aus. Der Umgang mit dem Öl braucht also ein wenig Übung.

"Es gibt auch Sprüh-Öle, die einen ganz leichten Öl-Nebel bilden", sagt der Fachmann. "Man sollte den Behälter vom Kopf möglichst weit weg halten und das Haar sanft besprühen." Am einfachsten sei es jedoch, das Öl in die Hand zu sprühen und dann auf die Haarlängen zu geben.

Auch Friseurmeisterin Catrin Ganster aus St. Ingbert verwendet in ihrem Salon Haaröle, sowohl vor als auch nach dem Föhnen. "Sie bieten einen Hitze-Schutz und bändigen das Haar. Das Haar fällt dadurch geschmeidiger." Von diesem Effekt sind viele Kunden begeistert, sodass sie die Öle zuhause gerne weiterverwenden. Ganster sieht zudem eine Entwicklung auf dem Markt: "Die Haaröle wurden ständig weiterentwickelt, weshalb sie heute bei richtiger Dosierung auch nicht beschweren." Dass Haare mit Öl pomadig aussehen, gilt längst nicht mehr.

Kritik am Haaröl gibt es trotzdem. Die Zeitschrift "Ökotest" bemängelt "problematische Duftstoffe", die Allergien auslösen können, und "bedenkliche UV-Filter". Vor allem aber die oft verwendeten Silikone sind ein Dorn im Auge der Tester - synthetische Weichmacher, die einen Schutz vorgaukeln und laut Ökotest nur schwer auswaschbar sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Silikone allerdings als "nicht gesundheitsschädlich" eingestuft, weshalb sie von der Industrie auch weiter verwendet werden.

Von den Testern wird auch das Arganöl kritisch gesehen, das häufiger Bestandteil von Haarölen ist. Aus den Samen des marokkanischen Arganbaums gewonnen, wird es aufgrund seiner ungesättigten Fettsäuren oft als Schönheitselixier oder "marokkanisches Gold" deklariert.

Das sei eine Werbebotschaft, die sich die Kosmetikfirmen zunutze machen, warnt Ökotest. Arganöl klinge "exotisch, pflanzlich und kostbar", oft seien jedoch im Endprodukt Silikone enthalten.

Laut einer Umfrage der Firma L'Oréal legen 72 Prozent aller Frauen bei Haarpflegeprodukten Wert auf natürliche Inhaltsstoffe. Darauf hat sich die Haaröl-Branche eingestellt und bietet als Alternativen natürliche Produkte an. "Wir setzen in unserem Haaröl grundsätzlich nur natürliche Pflanzenöle und Pflanzenextrakte ein, wie Rosmarinöl, Lavendelöl und Auszüge aus Kleeblüten und Klettenwurzel", sagt Claudia Schiller-Hock von der Kosmetikfirma Weleda. Damit sei es genauso effektiv wie herkömmliche Produkte. Werde trockene Kopfhaut mit dem Öl massiert, entspanne sie sich dadurch.