Wellness ist viel mehr als nur Erholung

Beauty : „Wellness fördert ein produktives Leben“

Wie eine erholsame Auszeit am besten gelingt, erklärt der Vorsitzende des Deutschen Wellness-Verbands.

Wellness, den Wunsch nach Wohlbefinden und Entspannung, gibt es hierzulande seit rund 30 Jahren. 1990 wurde der Deutsche Wellness-Verband von Lutz Hertel initiiert. Im Interview spricht er über die Bedeutung von Wellness und aktuelle Entwicklungen.

Wie hat sich der Wellness-Begriff in den vergangenen Jahren verändert?

Lutz Hertel: Wellness galt in Deutschland zunächst als Gegenbewegung zum „no pain no gain“-Konzept („kein Schmerz, kein Erfolg“). Anfangs gab es Fitness auf die sanfte Art, dann war alles Wellness, wodurch man sich vermeintlich mühelos besser fühlt, vom harmonisierenden Kräutertee bis hin zum verwöhnenden Dusch-WC. Es folgte die bis heute vorherrschende Idee, Wellness sei gepflegte Erholung in luxuriösen Spas und Hotels mit stylischen Relax-Welten, exklusiven Kosmetik-Behandlungen und Verwöhnmassagen aus aller Welt.

Aber Wellness ist doch mehr als das

Hertel: Ja, das Verständnis verschiebt sich in Richtung der eigentlichen Bedeutung des Wellnesskonzepts: wirksame Fitness, Ernährung und Regeneration für einen gesunden Körper und für ein produktives Leben. Das ist ein bedeutender Trend, der vor allem von den Millenials und der nachfolgenden Generation Z geprägt wird. Ihnen geht es um die Optimierung ihres Lebens, durch eigenes Handeln und mit sozial-ökologischem Verantwortungsbewusstsein. Ich sehe diese Entwicklung positiv, denn sie entspricht dem Kern der wahren Wellnessphilosophie.

Wie können Anbieter individuellen Wünschen gerecht werden?

Hertel: Wellness wird immer noch vorwiegend als Ich-Zeit verstanden. Was ich brauche, was mir gut tut, ist natürlich eine ganz individuelle Frage. Gute Anbieter beraten ihre Gäste dabei, aus dem Angebotsmenü das zu wählen, was den persönlichen Bedürfnissen am ehesten entspricht. Im besten Fall kann man vorab pauschale Behandlungs- oder Anwendungszeit buchen, ohne sich auf etwas Bestimmtes festlegen zu müssen.

Sind deutsche Wellness-Gäste experimentierfreudig?

Hertel: Trotz vieler, teils exotischer oder spektakulärer Massage-Varianten, die im Zuge der Wellnessbewegung nach Deutschland kamen, ist die klassische Rückenmassage dauerhaft Spitzenreiter auf der Beliebtheitsskala der deutschen Wellness-Kundschaft geblieben.

Haben sich die Ansprüche verändert?

Hertel: Ich stelle fest, dass Gäste inzwischen viel erfahrener mit Wellnessangeboten sind als noch vor 20 Jahren. Sie sind auch kritischer und skeptischer, was nicht zuletzt eine Folge der Aufklärung durch den Deutschen Wellness-Verband, den Verbraucherschutz und die Medien-Reportagen ist. In den 1990er Jahren wurden Pools und Wellnessbereiche im Hotelkeller noch akzeptiert. Das ist heute anders. Auch die Flächen haben sich deutlich vergrößert. Wellnessanlagen präsentieren sich immer großzügiger, auch weil die Gäste es erwarten.

Was raten Sie Urlaubern, die sich eine erholsame Auszeit gönnen wollen?

Hertel: Sie sollten einen Teil ihrer Urlaubszeit mit aktiver Wellness verbringen und sich Inspirationen für mehr Wellness in ihrem Alltag suchen. Gute Wellnesshotels beschäftigen Trainer, Berater und Therapeuten, die Techniken und deren korrekte Anwendung vermitteln. Da die Ernährung wohl den größten Einfluss auf unser gesundheitliches Wohlbefinden hat, rate ich dazu, sich auch damit in seiner Auszeit zu beschäftigen. Nur wenige Wellnesshotels haben aber dafür bislang die richtigen Experten und auch in den Restaurantküchen fehlt es oft noch an Wissen.

Woran kann man denn ein gutes Wellnessangebot erkennen?

Hertel: Das ist für Laien nicht einfach und unterscheidet sich auch sehr je nach Art des Angebots. Aus diesem Grund hat der Deutsche Wellness-Verband viele konkrete Verbrauchertipps entwickelt, zum Beispiel für Wellnesshotels oder für Wellnessmassagen, die man auf der Internetseite www.wellnessverband.de kostenfrei abrufen kann. Außerdem vergibt der Verband ein verlässliches Qualitätssiegel an Anbieter – das Deutsche Wellness-Zertifikat –, welches auch von Stiftung Warentest empfohlen und für sein umfassendes Wellnessverständnis gelobt wurde.

Das Interview führte

Katharina Rolshausen