Teilzeit-Veganer: Kein kompletter Verzicht auf Fleisch, Käse und Eier

Teilzeit-Veganer: Kein kompletter Verzicht auf Fleisch, Käse und Eier

Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch und Fisch, sie essen überhaupt keine tierischen Lebensmittel, also auch keine Eier, keine Milchprodukte und keinen Honig. Veganes Essen sorgt zwar für Gesprächsstoff auf vielen Partys, doch ist fraglich, ob es sich wirklich um einen Trend handelt.

(ug) Wie viele Veganer es tatsächlich gibt, weiß niemand genau. Während vegane Internetseiten oder auch der Vegetarierbund von mehr als einer Million Veganern ausgehen, hegen Außenstehende Zweifel daran. Nach einer Untersuchung der Universitäten Göttingen und Hohenheim liegt die Zahl wohl um zwei Drittel niedriger. Die Tendenz sei zwar steigend, doch noch sei das vegane Essen ein Trend auf niedrigem Niveau, berichtete die Ernährungswissenschaftlerin Anja Tanas in ihrer WDR-Multimedia-Reportage "Esstrend vegan. Zwischen Kult und Vorurteilen", die kürzlich mit dem Journalistenpreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausgezeichnet wurde.

Bemerkenswert ist, dass die Zahl der sogenannten Flexitarier wächst. Das sind Menschen, die zwar immer wieder mal vegan essen, aber nicht kontinuierlich - Teilzeit-Veganer sozusagen. Julia Eymann von der Gesellschaft für innovative Marktforschung in Heidelberg, die eine Studie über die Motive und Gewohnheiten von Veganern durchgeführt hat, sieht genau darin eine längerfristige Bewegung, die den Vegan-Trend derzeit am stärksten vorantreibt. Während die Veganer alter Schule vorrangig ethisch motiviert sind, stehen für die "neuen" Veganer eher hedonistische Motive im Mittelpunkt: das eigene Wohlbefinden, Gesundheitsfragen, kreatives Kochen - und erst danach folgen Tierschutz und Ökologie .

Das ergab nicht nur die Untersuchung der Heidelberger Marktforscher, es wird auch deutlich an den Rezepten veganer Promiköche, die mit exotischen Zutaten aus aller Welt hantieren, deren Ökobilanz nicht immer die günstigste sein dürfte. Vom Preis der Ingredienzen für die ausgefallenen Kreationen einmal ganz abgesehen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht hat jedoch gerade der Teilzeit-Veganismus klare Vorteile. Wer lernt, kreativ mit Gemüse und anderen frischen pflanzlichen Lebensmitteln zu kochen, wer seinen überhöhten Fleisch- oder Wurstkonsum senkt, aber tierische Lebensmittel nicht komplett ausschließt, läuft nicht Gefahr, in eine Mangelernährung zu rutschen. Dazu passen auch die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Unbestritten haben Ovo-Lakto-Vegetarier, die zwar auf Fleisch verzichten, aber Milch und Eier verzehren, im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung gesundheitliche Vorteile. Doch vergleicht man sie mit gesundheitsbewussten Mischköstlern, verschwinden die meisten Unterschiede.

Harte Daten zu den Effekten einer veganen Ernährung gibt es kaum. Wo es sie gibt, schneiden die Veganer keineswegs immer am besten ab. Kontinuierlich werden sie bislang praktisch nur bei amerikanischen Adventisten vom Siebenten Tag untersucht, einer Religionsgemeinschaft. Deren Essgewohnheiten und Gesundheit werden seit vielen Jahren an der kalifornischen Universität von Loma Linda erforscht. Auch in Loma Linda leben nicht alle Veganer streng nach den Vorgaben. Es gibt Teilzeit-Veganer, die gelegentlich tierische Lebensmittel verzehren. Wie Professor Michael Orlich von der dortigen Fakultät für öffentliches Gesundheitswesen im Medizinjournal Lancet berichtete, fanden sich tatsächlich gesundheitliche Vorteile bei veganer Ernährung - sofern regelmäßig Fisch gegessen wurde.

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