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Sonnenlicht hält die innere Uhr im Takt

Sonnenlicht hält die innere Uhr im Takt

Unsere innere Uhr ist ein biologisches System, das wir geerbt haben. Taktgeber war Jahrtausende lang das Sonnenlicht, dem unsere innere Uhr noch heute folgt. Doch künstliches Licht bringt alles durcheinander und macht krank.

(ug) Das Hormon Insulin, das in unserem Körper den Zucker- und den Fettstoffwechsel regelt, ist am Mittag am wirksamsten. Daher vertragen wir Kohlenhydrate um die Mittagszeit am besten. Ab dem Nachmittag wird die Verträglichkeit schlechter und ist nachts am niedrigsten, wie Dr. Christopher Morris und Kollegen aus der Abteilung Schlafforschung und Chronobiologie des Brigham-and-Women's-Krankenhauses in Boston kürzlich bestätigten.

Das bedeutet, dass Kohlenhydrate bei Dunkelheit dem Körper eher Probleme bereiten, weil er abends und nachts ebenso wie im kalten, dunklen Winter lieber Fette nutzt. Am Mittag und in den lichtreichen Monaten können Kohlenhydrate wesentlich besser verwertet werden, was sich etwa daran zeigt, dass der Blutzuckerspiegel bei vielen Menschen im Sommer niedriger liegt als im Winter. Hier zeigt sich ein natürlicher Rhythmus. Allerdings steuern wir geradewegs auf eine 24/7-Gesellschaft zu, wie es die Amerikaner nennen: 24 Stunden täglich und 7 Tage die Woche sollen alle Läden geöffnet, alle Dienstleistungen verfügbar sein.

Doch wie sollen die inneren Uhren der Menschen den Stoffwechsel vernünftig synchronisieren, wenn es keinen richtigen Tag-Nacht-Rhythmus mehr gibt? Wenn in der Umgebung alles permanent beleuchtet ist, man aber kaum noch in echtes Tages- und Sonnenlicht gelangt?

Wissenschaftler, die im Team von Professor Dr. Andries Kalsbeek an der Universität von Amsterdam über den Einfluss der inneren Uhren auf unseren Zuckerstoffwechsel forschen, machen sich ernsthaft Sorgen darüber, dass wir als Gesellschaft in einen permanenten, krankmachenden "sozialen Jetlag" schlittern. Selbst für Nicht-Schichtarbeiter, so die Forscher, werde es immer schwieriger, die inneren Uhren und damit die Körperfunktionen mit der Umwelt abzugleichen.

Doch wenn die inneren Uhren keine ausgeprägten rhythmischen Signale mehr von außen bekommen, flachen ihre Botschaften an die Organe ab. Ausgeprägte Rhythmen sind jedoch ein hervorstechendes Kennzeichen von Vitalität und Gesundheit. Umgekehrt finden sich bei vielen Krankheiten abgeflachte Rhythmen. So leben Hochdruckpatienten besonders gefährlich, wenn die nächtliche Absenkung des Blutdruckes ausbleibt.

Um die natürliche Körperrhythmik zu unterstützen, sollte man morgens wenigstens für ein paar Minuten hinaus ins Tageslicht gehen - ohne Sonnencreme, Brille und Kontaktlinsen. Oder man installiert eine Vollspektrum-Lampe in der Wohnung, die das Tageslicht in etwa simulieren kann, genießt ein eiweiß- und fettreiches Frühstück, spart die Kohlenhydrate für mittags auf, isst etwa drei Stunden vor dem Zubettgehen zu Abend und fastet dann bis zum Frühstück.

Denn wer schon zwischen 17 und 19 Uhr zu Abend isst, verzichtet dadurch je nach Lebens- und Arbeitssituation mindestens zwölf bis 14 Stunden lang auf die Zufuhr von Nahrung. Das wirkt sich vorteilhaft auf Gewicht und Stoffwechsel aus. Zumindest in Tierversuchen wurde das schon bestätigt.