1. Leben
  2. Wohlfuehlen

Schon Kinder können sich die Darmflora ruinieren

Schon Kinder können sich die Darmflora ruinieren

Schon im Kindesalter bestimmt die Ernährung darüber, ob sich im Darm Bakterien ansiedeln können, die unsere Gesundheit fördern. Es sind die Ballaststoffe im Essen, die den Darm fit machen, zeigte eine Studie mit Kindern aus Europa und Afrika.

(np) Um herauszufinden, was den Darm gesund hält, untersuchten Ärzte und Wissenschaftler der Universität Florenz die Ernährung von Kindern aus dem ländlichen Dorf Boulpon in Burkina Faso im westlichen Afrika und von Kindern aus dem städtischen Florenz . Die Menschen in Boulpon ernähren sich noch wie vor 10 000 Jahren: mit verschiedenen zu Mehl gemahlenen Hirsearten, die zu einem Brei verrührt werden, und lokal angebautem Gemüse. Hin und wieder wird ein Huhn geschlachtet, und während der Regenzeit bereichern Termiten den Speiseplan.

Die italienischen Kinder ernährten sich unterdessen typisch für unsere moderne, westliche Lebensweise: mit Pizza, Pasta, viel Fleisch und Käse, Eis, Erfrischungsgetränken, Frühstücksflocken, Chips, Süßem und so weiter. Es überrascht nicht, dass die beiden Gruppen von Kindern völlig unterschiedliche Darmbakterien besaßen. Bei den italienischen Kindern fanden die Forscher vor allem Bakterien aus der Firmicutes-Gruppe. Diese Darmbakterien , die bei adipösen Menschen vermehrt auftreten, ziehen mehr Energie aus der Nahrung und können bewirken, dass der Organismus mehr Fett einlagert, als das bei normalgewichtigen Menschen der Fall ist.

Klare Zahlen dazu gibt es allerdings noch nicht. Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles haben an Mäusen erforscht, wie viele Kalorien mehr aufgenommen werden, wenn im Darm hauptsächlich Firmicutes-Bakterien am Werk sind. Diese Ergebnisse haben die Wissenschaftler auf den Menschen umgerechnet. Demzufolge zieht ein "fettes" Mikrobiom zwei Prozent mehr Energie aus der Nahrung. Das entspricht 40 Kilokalorien am Tag. Aufs Jahr hochgerechnet sind das etwa 1,6 Kilogramm zusätzliches Fett, die ein Mensch ansetzt. Im Darm der afrikanischen Kinder fanden die Forscher hingegen überwiegend Prevotella-Bakterien, die die Nährstoffe aus Getreide, Bohnen und Gemüse verfügbar machen. Im Darm der italienischen Kinder fehlten diese Bakterien völlig.

Kamen die Unterschiede zustande, weil die italienischen Kinder viel größere Mengen an Fett und einfachem Zucker verzehrten als die westafrikanischen Kinder? Diese Begründung allein reicht nicht aus. Denn inzwischen gehen Forscher davon aus, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährung allein den Anstieg von Adipositas, Diabetes Typ 2 und Autoimmunkrankheiten nicht vollständig erklären kann. So unterschieden sich die Kinder in Burkina Faso und Italien beim Fettkonsum nicht besonders: 14 zu 17 Prozent.

Der ausschlaggebende Unterschied lag bei den Ballaststoffen, die beim Verzehr von Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten aufgenommen werden. Die Kinder in Florenz nahmen weniger als zwei Prozent ihrer Nahrung in Form von Ballaststoffen zu sich, die Kinder in Boulpon hingegen rund 6,5 Prozent.