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| 10:45 Uhr

„No-Poo"-Trend
Schöne Haare ganz ohne Shampoo

Üblicherweise werden für die Haarpflege Shampoo sowie eine Pflegespülung oder –kur verwendet. Manche Menschen lassen aber auch einfach alles weg.
Üblicherweise werden für die Haarpflege Shampoo sowie eine Pflegespülung oder –kur verwendet. Manche Menschen lassen aber auch einfach alles weg. FOTO: Patrick Pleul / picture alliance / dpa
Hamburg. „No-Poo“ bedeutet den kompletten Verzicht auf Reinigungsprodukte. Die Umgewöhnungsphase kann bis zu einem halben Jahr dauern. Die Methode liegt im Trend, ist aber nicht für jeden geeignet. Von Andrea Abrell (dpa)

Erstmal klingt es ganz schön eklig: Anhänger des „No-Poo“-Trends benutzen kein Shampoo mehr. Auch Pflegespülung und Kuren kommen ihnen nicht ins Haar. Auf den ersten Blick mag das gewöhnungsbedürftig sein, bei näherem Hinsehen gibt es durchaus gute Gründe für den Verzicht. Haare machen heute eine Menge mit. Sie werden gefärbt oder getönt, bekommen Strähnchen, werden geglättet oder gelockt und bekommen Festiger, damit die Pracht auch hält. Darüber hinaus werden sie fast täglich gewaschen. Viele glauben, die Mähne bleibe nur durch ständiges Waschen schön glänzend. Aber egal wie viel gewaschen, gespült, gesprüht und gegelt wird: Irgendwann will die Frisur einfach nicht mehr sitzen. Nicht trotz, sondern wegen der ganzen Pflege.

Die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger kennt die Probleme, die durch moderne Pflegerituale entstehen können: „Konventionelle Shampoos enthalten viele künstliche Inhaltsstoffe, die unsere Kopfhaut irritieren oder sogar nachhaltig schädigen können.“ Synthetische Parfümstoffe etwa können Allergien auslösen. Bis vor Kurzem galt auch Silikone als wahre Wunderwaffe für schönes Haar. Sie sorgen für Glanz und Kämmbarkeit, aber sie beschweren das Haar auch. „Mittlerweile sind Silikone jedoch aus vielen Shampoos wieder verschwunden“, berichtet die Hautärztin.

Andere Inhaltsstoffe können die Kopfhaut und Haare allerdings ebenfalls aus dem Gleichgewicht bringen. Tenside beeinflussen manchmal den pH-Wert der Kopfhaut. Der absurde Effekt: Die Haare fetten umso schneller nach, je öfter man sie wäscht.

Der „No-Poo“-Trend setzt genau da an. Durch den bewussten Verzicht auf gängige Pflegemittel soll das Haar wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt werden. Das kann ganz unerwartete Effekte haben, erklärt Naturfriseurin Anja Geisler, die in Münster den Salon „Lockvogel“ betreibt. „Die Haarqualität, aber auch der Zustand der Kopfhaut verbessern sich, feines Haar bekommt mehr Volumen, und dickes Haar wird weicher.“

Allerdings bedeutet „No-Poo“ nicht den kompletten Verzicht auf Pflege. Anja Geisler rät, die Haare mit einer Bürste zu pflegen, die aus Naturhaaren wie etwa Wildschweinborsten gefertigt ist. „Das reinigt Haar und Kopfhaut von Schmutz und Staub.“ Darüber hinaus sorgt die Pflege mit der Bürste dafür, dass sich das natürliche Haarfett von der Kopfhaut aus gleichmäßig bis in die Spitzen verteilt. Dadurch wird das Haar geschmeidig. Die von der Generation der Großeltern propagierten 100 Bürstenstriche funktionierten nach demselben Prinzip.

Auch abseits des Bürstens muss auf Pflege nicht komplett verzichten, wenn man kein Shampoo mehr benutzen möchte. Schlossberger schlägt einen kleinen Fahrplan für „No-Poo“-Neulinge vor: „Nach ein paar Tagen mit Wäsche nur mit Wasser benutzt man Backpulver, das die Kopfhaut durch das enthaltene Natron ganz natürlich reinigen soll.“ Wer mag, kann die Haarspülung durch Apfelessig ersetzen, der die Haare weich und geschmeidig macht. Dafür wird verdünnter Apfelessig über die Haare gegeben. Weil der Essig jedoch vor allem bei der Wäsche, aber auch danach, sehr stark riecht, sollte man unbedingt auf eine ausreichende Verdünnung achten.

Umzusetzen ist der Verzicht auf Shampoo also ganz einfach, aber vor allem die ersten Wochen sind eine echte Belastungsprobe. Nicht nur, weil das gewohnte Pflegeritual fehlt, sondern auch, weil sich das Haar erst einmal umstellen muss. Die Kopfhaut produziert häufig deutlich mehr Talg, was die Haare fettig aussehen lässt. Hinzu kommt eine unschöne Schüppchenbildung. Diese Umgewöhnungsphase kann von einem Monat bis zu einem halben Jahr dauern, sagt Geisler. Ohne Durchhaltevermögen geht es also nicht.

„No-Poo“ ist zudem nicht für jeden geeignet, gibt der Hamburger Dermatologe Frank-Matthias Schaart zu bedenken. Manche Menschen neigen zu Kopfschuppen und gereizter Kopfhaut. „Liegt eine Veranlagung zu diesem sogenannten seborrhoischen Ekzem vor, ist die Anwendung eines medizinischen Shampoos mit einer Anti-Pilz-Substanz unbedingt erforderlich“, betont der Spezialist für Haarprobleme. Wer diese wichtige Behandlung weglässt, riskiert eine massiv juckende Schuppenkruste auf der Kopfhaut, die nach und nach zu Haarausfall führt. Bei Problemen mit der Kopfhaut rät der Experte, einen Fachmann zu befragen, bevor das Shampoo einfach weggelassen wird.