1. Leben
  2. Wohlfuehlen

Radfahren im Büro beflügelt Bewegungsmuffel

Radfahren im Büro beflügelt Bewegungsmuffel

Der Anteil der Beschäftigten in Büros ist in Deutschland in den letzten 50 Jahren von etwa zehn auf rund 50 Prozent angestiegen. Etwa 18 Millionen Bundesbürger arbeiten heutzutage an Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen.Zwar birgt die Arbeit im Büro im Vergleich zu Berufen mit körperlicher Belastung ein geringeres Risiko für die Gesundheit, dennoch führt die psychische Beanspruchung an Schreibtisch und Bildschirm oft zu Kopfschmerzen, Nervosität und Reizbarkeit.

Der tägliche Bewegungsmangel kann zudem Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden verursachen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund sieht aufgrund der technischen Entwicklungen, der neuen Wege der Kommunikation und der damit verbundenen Informationsflut eine steigende Arbeitsverdichtung. "Die Erwartungen an Arbeitstempo und Arbeitspensum des Einzelnen nehmen zu", sagen die Experten.

Zwar ist es eine Binsenweisheit, dass regelmäßige körperliche Aktivität in der Freizeit die Fitness erhalten und steigern kann. Ein Team von Gesundheitsforschern der Universitäten Wien, Bern und Bristol hat allerdings ermittelt, dass nur rund ein Drittel der erwachsenen Europäer sich genug bewegt, nämlich mindestens 150 Minuten pro Woche, wie es die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.

Aufgrund dieser bedenklichen Daten haben zahlreiche Wissenschaftler und Firmen in den vergangenen Jahren verschiedene Ideen zu "dynamischen Büroarbeitsplätzen" umgesetzt. Sie sollen die Bürotätigkeit mit leichter körperlicher Aktivität verbinden. Laufband und Sitzergometer sind zwei dieser Möglichkeiten, Schreibtischtätern während der Arbeit im Büro zu etwas körperlicher Bewegung zu verhelfen.

Forscher des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Sankt Augustin, Nordrhein-Westfalen, haben im vergangenen Jahr in einer Studie ermittelt, ob ein leichtes Fitnesstraining auf dem Laufband und Sitzergometer während der Büroarbeit der Gesundheit förderlich ist. "Konkret wollten wir wissen, ob die dynamischen Arbeitsplätze im Vergleich zu herkömmlichen Arbeitsplätzen zu einer Veränderung der Körperhaltung führen, die Muskulatur aktivieren, das Herz-Kreislauf-System anregen und den Energieverbrauch erhöhen", erklärt Professor Dr. Rolf Peter Ellegast, der Leiter der Studie. Zum Vergleich wurden daher die gleichen Messungen auch an herkömmlichen Arbeitsplätzen - einem Schreibtisch und einem Stehpult - ohne Sportgeräte gemacht. Zudem konnten die Versuchsteilnehmer selbst beurteilen, wie die körperliche Aktivität ihre Arbeitsleistung beeinflusste.

Zwölf gesunde Versuchspersonen, je sechs Frauen und Männer, im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, die bereits mehrjährige Erfahrungen in Büro- und Bildschirmarbeit hatten, nahmen an der Studie teil. Im Arbeitsalltag verbrachten diese Beschäftigten pro Tag im Durchschnitt 6,5 Stunden in ihren Büros und saßen 5,8 Stunden am Schreibtisch.

An einem Steharbeitsplatz mit Laufband sowie einem Schreibtisch mit Sitzergometer mussten die Versuchspersonen jeweils mit zwei unterschiedlichen Intensitäten laufen beziehungsweise radeln: einmal mit sehr geringer körperlicher Beanspruchung, das andere Mal mit etwas höherer Intensität, aber immer noch gemäßigt.

Gleichzeitig mussten die Teilnehmer ausgewählte Bürotätigkeiten absolvieren: Textverarbeitung, Lesen, Telefonieren, Arbeiten mit der Computermaus sowie verschiedene geistige Aufgaben.

In Kürze zusammengefasst besagen die Ergebnisse: Schon ein geringer körperlicher Einsatz am Schreibtisch hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit und körperliche Fitness .