Modernes Wellness umfasst auch das geistige Wohlbefinden

Beauty : Modernes Wellness umfasst auch das geistige Wohlbefinden

() „Der Wunsch nach Wohlbefinden und Entspannung, nach Ausgleich und Fürsorge für sich selbst ist prägend für unsere Kultur geworden“, erklärt Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness-Verbands.

Er beobachte ein gestiegenes Interesse daran, selbst etwas für sein Wohlbefinden tun zu können, statt sich wie in den letzten 30 Jahren nur passiv verwöhnen zu lassen: „Massagen entspannen zwar wunderbar, der Effekt hält aber nicht lange an. Nützlicher ist es zu lernen, wie man sich selbst entspannen kann oder gar nicht erst unter Stress gerät.“

Darauf habe der Markt reagiert, die ersten Wellnesshotels beschäftigten neben Masseuren und Kosmetikerinnen auch Lifestyle-Coaches, berichtet Hertel. Der englische Begriff kann mit Lebensstilberater übersetzt werden. Dieser soll zur individuellen Weiterentwicklung beitragen. Neben dem körperlichen Wohlbefinden spielt dabei auch das geistige eine wichtige Rolle. Das Schlagwort hierzu lautet „mentale Wellness“. Der Wellness-Experte erläutert: „Das bedeutet im professionellen Verständnis, dass man seinen Intellekt, seinen Verstand, entwickelt und einsetzt, um ein besseres Leben zu haben.“

Grundlage dafür ist die Theorie, dass kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, wissenschaftliches Verständnis, Kreativität oder Entscheidungskompetenz wie ein Muskel trainiert, geformt und im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten aufgebaut werden können.

Als weiteren Trend im Wellnessbereich nennt Hertel „Natur erleben, natürlich leben“. Im Bereich der Körperpflege habe sich das Segment der Naturkosmetik in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt, auch wenn es im Vergleich mit den klassischen Kosmetikprodukten immer noch sehr klein ist. Der Marktanteil liege bei zehn Prozent. „Das ist bedauerlich“, meint Lutz Hertel, denn inzwischen seien diese Produkte ähnlich funktional und wirksam wie konventionelle Kosmetikpräparate.

Im Bereiche Umweltschutz sieht er Nachholbedarf. „Die Wellness- und Spa-Branche hat nach meiner Einschätzung bislang viel zu wenig Interesse und Engagement für Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit gezeigt. So werden für Körperpackungen nahezu ausschließlich konventionelle Plastikfolien verwendet, obwohl es entsprechende Folien auch aus nachhaltig produzierter Viskose gibt, die als Kompost biologisch abbaubar ist.“

Ein weiteres Thema ist die Entschleunigung, die mit einem verstärkten Bedürfnis nach Ruhe und Gelassenheit einhergeht. In Japan verbreite sich zum Beispiel „Slow Jogging“, auf Deutsch „langsames Laufen“, als neuer Breiten- und Gesundheitssport für alle Alters- und Leistungsgruppen, berichtet Hertel.