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Mit künstlichem Hormon-Ersatz auf dem Irrweg

Mit künstlichem Hormon-Ersatz auf dem Irrweg

Das ganze körperliche und seelische Durcheinander während und nach den weiblichen Wechseljahren wird maßgeblich vom Nachlassen der Hormonproduktion in den Eierstöcken verursacht. Das geschieht jedoch keineswegs plötzlich und betrifft nicht nur das Hormon Östrogen.

(ug) Meist schon ab Mitte 30 lässt die Produktion des Hormons Progesteron in den weiblichen Eierstöcken nach. Es wird normalerweise ab dem Eisprung in der Zyklusmitte gebildet. Nistet sich kein befruchtetes Ei ein, fällt der Progesteronspiegel wieder ab, die Gebärmutterschleimhaut wird abgebaut und es kommt zur Blutung.

Auch wenn weniger Progesteron gebildet wird, produzieren die Eierstöcke meist noch genügend Östrogen, sodass die ausgeklügelte Balance zwischen den beiden Hormonen nicht mehr stimmt. Bei übergewichtigen Frauen (und Männern) kommt noch mehr Östrogen hinzu, das im Fettgewebe gebildet wird. Diese Dominanz des Östrogens kann eine ganze Reihe von Beschwerden verursachen. Die Gynäkologin Dr. Annelie Scheuernstuhl nennt in ihrem Buch "Natürliche Hormontherapie" für beide Geschlechter Kopfschmerzen und Migräne, depressive Verstimmungen, Gewichtszunahmen und Wassereinlagerungen, Venenprobleme, Schilddrüsenstörungen und ein hohes Risiko für Thrombosen und Gefäßerkrankungen. Bei Frauen kommen Zysten, heftigere Blutungen, Hitzewallungen, Libidoverlust, Myome (gutartige Wucherungen der Gebärmutter) und ein erhöhtes Krebsrisiko (Brust und Gebärmutter) dazu, bei Männern Brustansatz, Fetteinlagerungen und Aufgedunsensein.

Zu Beginn der Wechseljahre sinkt bei Frauen auch nicht einfach das Östrogen, sondern verschiedene Hormone schwanken erst einmal heftig. Deswegen sind auch die Symptome so vielfältig und wechselhaft. Schon aus diesem Grund ist es sinnvoll, bei Beschwerden den Hormonstatus ermitteln zu lassen. Erst wenn klar ist, was fehlt, kann ein adäquater Hormonersatz gefunden werden.

Doch das scheint für viele Frauen keine Lösung (mehr) zu sein. Spätestens seit 2002 im medizinischen Fachblatt JAMA die katastrophalen Ergebnisse der amerikanischen WHI-Studie (Women's Health Intitiative) veröffentlicht wurden, gilt die Hormonersatztherapie als sehr riskant. Die Studie musste vorzeitig abgebrochen werden, weil die Hormongaben an gut 27 000 Teilnehmerinnen nicht zu weniger, sondern zu mehr Brustkrebs, Thrombosen, Demenzen und Herzinfarkten geführt hatten. In einer Untergruppe sank zwar das Brustkrebsrisiko, dafür stiegen jedoch die Schlaganfälle an.

Seither wendeten sich viele Frauen und Therapeuten gänzlich von einer Hormonersatztherapie ab. Die Verschreibungen brachen in Kalifornien um bis zu 68 Prozent ein und schon kurz darauf sanken die Brustkrebserkrankungen um elf Prozent, wie die Gesundheitswissenschaftlerin Professor Dr. Christina Clarke von der Stanford Universität in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology berichtete.

In der WHI-Studie und in ähnlichen Untersuchungen erhielten die Frauen allerdings gar keinen wirklichen Ersatz für ihre fehlenden Hormone , sondern ein Gemisch diverser Östrogene aus dem Urin trächtiger Stuten sowie chemisch veränderte Progesteron-Abkömmlinge. Diese Substanzen sind dem menschlichen Körper fremd, sie können wohl Hitzewallungen lindern, halten jedoch auf Dauer nicht gesund.

Der eigentliche Skandal ist, dass deren krebs- und thromboseauslösenden Wirkungen bekannt waren. Man weiß seit Langem, dass Östrogene das Zellwachstum fördern. Daher können sie vor Osteoporose schützen, erhöhen jedoch das Risiko für Gebärmutterkrebs . Deswegen ist das Progesteron so wichtig. Es bremst die Östrogenwirkungen ab und gleicht sie aus. So schützt es beispielsweise vor Gebärmutterkrebs . Die in den Studien verwendeten synthetische Substanzen erfüllten diese Funktionen nur teilweise.

Heute empfehlen immer mehr Experten, bei Bedarf eine Hormomersatztherapie mit bioidentischen Hormonen durchzuführen, die aus Pflanzen stammen.