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Laktat: Ein „Abfallprodukt“ macht Karriere als Kraft- und Heilstoff

Laktat: Ein „Abfallprodukt“ macht Karriere als Kraft- und Heilstoff

Ist Laktat nicht schuld am Muskelkater? Eine längst widerlegte Legende. Aber hat es nicht mit Sauerstoffmangel im Muskel zu tun? Stimmt auch nicht. Laktat entpuppt sich als Stoff, der den Körper in Schwung und gesund hält.

(ml) Wenn Muskeln aktiv sind, setzen sie Signalstoffe frei, die im Körper Entzündungen bekämpfen, Reparaturen in Gang setzen und neues Gewebe aufbauen. Diese Stoffe heißen Myokine. Als "das vielleicht beste Myokin" bezeichnet der Kölner Myokin-Forscher Professor Dr. Wilhelm Bloch das Laktat. Vielen gilt Laktat immer noch als "Abfallprodukt" des Stoffwechsels. Man war lange Zeit der Meinung, dass es vermehrt gebildet wird, wenn man bei hoher körperlicher Belastung nach Luft japst, nicht mehr genug Sauerstoff in die Muskelzellen gelangt und deswegen der "Treibstoff" Zucker (Glukose) in den Zellen nicht mehr sauber verbrannt wird.

Neue Forschungen zeigen, dass keineswegs Sauerstoffmangel in den Muskeln herrscht, wenn dort Laktat gebildet wird. Wie es sich tatsächlich verhält, hat Dr. Patrick Wahl an der Deutschen Sporthochschule erforscht. "Wenn wir körperlich aktiv werden, steigt der Energieverbrauch der Muskelzellen. Zunächst ‚verbrennen' die Zellen den Treibstoff Zucker mithilfe von Sauerstoff . Bei anstrengender körperlicher Betätigung kann auf diesem Weg die benötigte Energie aber nicht schnell genug zur Verfügung gestellt werden", erklärt der Trainingswissenschaftler. "Daher steigen die Muskelzellen auf ein schnelleres System zur Energieproduktion um. Sie verbrennen die Glukose ohne Zufuhr von Sauerstoff . Dabei wird Glukose über das Zwischenprodukt Pyruvat zu Laktat umgewandelt. In den Muskelzellen herrscht dann aber kein Sauerstoffmangel. Bei der Zucker-Verbrennung wird nur kein Sauerstoff verwendet, weil's viel schneller geht."

Auch Laktat ist ein energiereicher Treibstoff. Es wird bei körperlicher Belastung hauptsächlich in den Muskelfasern vom Typ 2 gebildet. Diese arbeiten sehr schnell und können viel Kraft erzeugen. Das reichlich gebildete Laktat dient wiederum den Muskelfasern vom Typ 1 als Treibstoff. Die Typ-1-Fasern sind langsam, aber sehr ausdauernd.

"Wenn die Laktatkonzentration im Blut ansteigt, deckt auch das Herz seinen Energiebedarf zu 60 Prozent mit Laktat", sagt Wahl. Selbst das Gehirn nutzt Laktat, um seinen Energiehunger zu stillen. Spezielle Versorgungszellen im Gehirn, die Astrozyten, beliefern die Nervenzellen (Neuronen) des Gehirns mit Laktat.

Laktat ist aber auch ein Signalstoff. Es wirkt im Körper ähnlich wie ein Hormon (Myokin), weshalb Wissenschaftler von Lactormon sprechen. Patrick Wahl erläutert: "Laktat trägt bei körperlicher Belastung dazu bei, dass sich die Blutgefäße erweitern. So fließt mehr Blut; die Muskeln werden besser mit Sauerstoff- und Nährstoffen versorgt." Zudem ist Laktat an der Bildung neuer Blutgefäße beteiligt, fördert die Wundheilung und reguliert den pH-Wert des Blutes.