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Keine Chance für gelbe Nägel

Keine Chance für gelbe Nägel

Diagnose: Nagelpilz. Klingt unappetitlich und ist Betroffenen unangenehm. Aus Scham verstecken sie ihre Füße oft in Socken und geschlossenen Schuhen. Schuld ist meist eine vorherige Verletzung des Nagelbettes.

Die gelbliche Verfärbung kommt schleichend. Erst ist es nur eine kleine Stelle, zum Beispiel auf dem großen Zehennagel, der man keine Bedeutung beimisst. Frauen pinseln einfach bunten Lack darüber, und der Makel ist vergessen. Ein Pilz wird meist erst richtig bemerkt, wenn er sich unter dem Nagel breitgemacht hat, die Nagelplatte gelblich verdickt und die unschönen Flecken schließlich unübersehbar sind. Dermatologe Dr. Ulrich Klein aus Witten erklärt: "Die Betroffenen fragen sich dann natürlich, woher der Pilzbefall kommt. Die schlechte Nachricht ist: Die Pilzsporen lauern überall."

Es muss also nicht am Schwimmbadbesuch gelegen haben. Es waren laut Experte auch nicht unbedingt die ausgeliehenen Skischuhe im Winterurlaub. "Nagelpilz entsteht immer dann, wenn das Nagelbett verletzt ist", sagt der Hautarzt vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Die Ursache können zu enge Schuhe sein, die die Durchblutung stören, weshalb häufig der kleine und der große Zeh betroffen sind. "Aber in 90 Prozent aller Fälle ist es einfach ein geschädigter Nagel, der den Pilzbefall begünstigt, zum Beispiel durch eine vorangegangene Stoßverletzung." Von alleine, so eine weitere schlechte Nachricht, verschwindet die Infektion nicht mehr, bestätigen Mediziner. Im Gegenteil. Im feuchten Milieu, zum Beispiel in Schuhen, finde der Pilz immer neue Nahrung. "Jetzt ist es wichtig, schnell zu handeln", warnt Ulrich Klein: "Denn sonst greift der Pilz womöglich das Nagelbett an und ist noch schwieriger zu beseitigen."

Denn: Pilzabtötende Nagellacke, mit denen man die Infektion gängigerweise bekämpft, wirken nur, wenn diese sich noch nicht bis zur Nagelwurzel ausgebreitet hat. Dabei ist schon ein leichter Befall auf der Nagelplatte langwierig. Klein beschreibt: "Mehrere Monate dauert es, bis der Pilz verschwunden ist. Ein Zehennagel wächst ja nur ein bis zwei Millimeter im Monat und der Nagel muss samt der befallenen und behandelten Stellen herauswachsen."

Nagellacke zur Heimtherapie gibt es in der Apotheke. Sie kosten pro Set zwischen 25 und 40 Euro. Der Lack muss einmal wöchentlich aufgetragen werden und das erfordert Geschick. Denn der Nagel muss erst abgefeilt werden, dann mit einem Alkoholtupfer sterilisiert werden und erst dann kommt der Amorolfin-haltige Lack darauf. Hersteller Galderma rät zusätzlich: "Man sollte Waschlappen, Socken und Handtücher während der Anwendungsphase häufig wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen." Für Frauen hat diese Art der Behandlung den Vorteil, dass sie im Sommer einfach einen bunten Lack darüber streichen können. Vorher sollte man aber in der Apotheke nachfragen, ob das Präparat dazu geeignet ist.

Doch es gibt Grenzen. Ulrich Klein: "Der Lack hilft nur, wenn ein Teil des Nagels noch gesund ist. Sonst müssen andere Therapien her, wie zum Beispiel Salbe, die den Nagel aufweicht, wodurch er sich nach vier Wochen abtragen lässt. Im schlimmsten Fall helfen aber nur noch Tabletten." Ein Arztbesuch ist auch bei leichtem Nagelpilz generell ratsam. "Vor allem, da der Pilz bei älteren Menschen auch andere Ursachen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen haben kann", erklärt der Hautarzt. Angst, dass der Nagel unter Schmerzen gezogen wird, muss niemand haben. "Das ist bei Nagelpilz heute keine gängige Therapieform mehr", beruhigt Ulrich Klein.

Damit die Füße frühlingsfit werden und vom Nagelpilz verschont bleiben, helfen einige Maßnahmen, auf die zum Beispiel der Pharmakonzern Bayer hinweist. So solle man unter anderem "Finger und Zehen nach jedem Wasserkontakt sorgfältig abtrocknen und Socken und Strümpfe täglich wechseln." Beim Schuhwerk solle man zudem auf Luftdurchlässigkeit und ausreichende Weite achten. Da ein Nagelpilz natürlich auch die Fingernägel treffen könne, solle man bei der Gartenarbeit oder der Tierpflege Handschuhe tragen.

Ulrich Klein würde sich zusätzlich wünschen, dass vor allem Männer den Nagelpilz ernster nehmen. "Sie sind oft schmerzloser als Frauen", berichtet er. Dabei könne ein Pilz im Körper das Immunsystem angreifen. Und auch Männerfüße sehen gepflegter aus, wenn die Nägel gesund sind.