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Im Frühling setzt die Natur die Duft-Trends

Beauty : Gutes Parfüm steigert das Wohlbefinden

Die Wirkung der Düfte hängt von der richtigen Dosierung ab. Eine zu starke Parfümierung gilt als schlechter Stil.

„Ein willkommenes Gefühl von Ruhe, Harmonie und Geborgenheit“ versprachen die Trendforscher des renommierten Pantone Color Institutes, als sie „klassisches Blau“ zur Farbe des Jahres 2020 ernannten. Ein Ton, der Zuversicht ausstrahle, sei zum Auftakt der neuen Dekade angesagt, lautete ihre Prognose. „2020 steht ganz im Zeichen des Meeres“, verkündete daraufhin das Magazin „Instyle“. Nicht nur die Modewelt, auch Parfümeure orientieren sich an den Vorhersagen der Analysten. So ließ sich der Leipziger Dufthersteller Bell zum Beispiel gleich mehrfach vom Thema Ozean inspirieren, setzt aktuell auf pastellig frische Noten und auf Eukalyptus und Sandelholz, warme und krautige Nuancen, die laut Werbebotschaft an einen Australien-Urlaub erinnern sollen.

„Im Parfüm steckt natürlich sehr viel Marketing drin“, erklärt Duftexperte Robert Müller-Grünow, „Düfte vermitteln Gefühle. Sie sollen uns positiv beeinflussen und Freude bringen, gerade im Frühling in das wichtig.“ Nachdem man die dunkle Jahreszeit hinter sich habe, in der schwere Duftnoten wie Holz und Kamin eine wesentliche Rolle spielten, sei die Natur der eigentliche Trendsetter. „Sie riecht ja gerade frisch verführerisch und erweckt die Blumen, Tiere, Menschen. Und demnach seien blumige, nicht zu süße Düfte im Frühling immer eine gute Wahl. Man solle dabei beachten, dass jedes Parfüm auch ein Eigenmarketing sei. „Man trägt einen Duft ja vor allem, damit man attraktiver erscheint.“

Da stimmt auch Simon Schier vom Berliner Unternehmen Sober zu, das umweltverträgliche Pflegeprodukte für Männer anbietet. Wer sich bei der Wahl des passenden Duftes schwertut, für den hat Schier einen Tipp: „Ein Parfum sollte immer den eigenen Charakter ausdrücken und die Tageslaune olfaktorisch zum Ausdruck bringen. Klassiker des Herrenduftes wie beispielsweise Vetiver sind momentan wieder stark gefragt und modern, wenn auch in neuer Leichtigkeit. Letztlich sollte ein Duft aber zuerst einem selbst gefallen und dann stellt sich heraus, wer einen ‚gut riechen’ kann oder eben auch nicht.“

Vetiver ist ein ätherischer Duft von Jacques Guerlain, beliebt schon Anfang der 1960er Jahre. „Düfte wecken Erinnerungen“, bestätigt Robert Müller-Grünow, Inhaber von Scentcommunication, einer Firma für Duftmarketing. Man könne sich damit jünger oder älter machen. „Es heißt zum Beispiel in Fachkreisen, dass der Duft von Grapefruit sechs Jahre jünger macht“, berichtet der Kölner. Umgekehrt könne ein sehr aufdringlicher Duft negativ wirken. Damit die Nase des Gegenübers nicht gereizt wird, empfiehlt Simon Schier, auf die Dosierung des Parfüms zu achten. „Grundsätzlich ist eine zu starke Parfümierung einfach schlechter Stil. Zwei bis vier Sprühstöße, je nach gefühlter Intensität des Duftes, sollten in der Regel völlig ausreichend sein.“

Dazu hat der Experte für Duftmarketing einige Tipps speziell für Männer: „Männer sprühen den Duft gerne auf ihren Brustbereich oder auf die Kleidung. Im Brustbereich führt das Auftragen dazu, dass die Nase das Parfum ausblendet und man zu viel anwendet. Bei der Kleidung empfiehlt es sich grundsätzlich nicht, Parfum aufzusprühen, da die enthaltenen Öle oder Duftstoffe zu Verfärbungen führen könnten. Aber auch in Kombination mit anderen im Stoff aufgenommenen Gerüchen wie Essen kann das teils zu unangenehmen Kombinationen führen.“

Empfehlenswerte Stellen auf der Haut sind nach Angaben von Simon Schier diejenigen, die gut durchblutet werden. Sie seien warm und durch die Wärme löse sich der Duft stärker. „Zu nennen sind hier der Nacken, der Bereich hinter den Ohren oder die Innenseite der Handgelenke, an denen man sonst auch den Puls misst.“

Gut zu riechen, sei in Krisenzeiten besonders wichtig, sind sich die Experten einig. „Bei einem guten Vanilleduft fühlen wir uns immer sicher und wohl“, sagt Robert Müller-Grünow. Auch als Raumduft sei dieser in diesen Tagen geeignet, sofern er zum Zuhause passt.

Und wer raus in die Natur möchte, der könne sich auch dort inspirieren lassen. „Jeder kann seine Nase schulen, indem er regelmäßig mit verschlossenen Augen seine Umgebung wahrnimmt, zum Beispiel bei einem Spaziergang. Einfach mal die Natur riechen und versuchen zu beschreiben, was es ist.“ Wer sich jeden Tag vornehme, einen Duft zu erkennen, zum Beispiel den Unterschied von Orangen und Zitronen, der trainiere außerdem sein Gehirn.