Hautgrieß ist ein kosmetisches Problem

Beauty : Hautgrieß ist ein kosmetisches Problem

Die weiße Pickelchen im Gesicht sind ungefährlich, aber lästig. Tägliche Hautpflege kann vorbeugen.

Auf einmal sind sie da: kleine, helle Knötchen, oft direkt im Bereich der Augen. Manchmal ist es nur ein einziges, manchmal sind es mehrere, die sich über viele Gesichtsbereiche verteilen. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Mini-Pickel, doch sie lassen sich nicht ausdrücken. Und von alleine verschwinden sie auch nicht.

Wer damit zu tun bekommt, ist im ersten Moment ratlos. „Kein Wunder“, sagt der Stuttgarter Hautarzt Dr. Daniel Wilder. „Es handelt sich um so genannte Milien, mit weißlichen Hornperlen gefüllte Hautzysten, stecknadelkopfgroße, sehr oberflächlich in der Haut gelegene körnige Knötchen.“

Hautgrieß werden sie umgangssprachlich genannt, weil sie gelblich-weiß schimmern. „Sie bestehen aus einer Mischung aus Hautschuppen und Talg und sind in der Regel nicht gefährlich, sondern ein kosmetisches Problem“, erklärt der Dermatologe. „Gefährlich wird es nur, wenn man sie eigenständig manipuliert und es zu Entzündungen und Abszessen kommt. Deshalb: Finger weg und niemals ausquetschen.“

Diese primären Milien entstehen oft ohne Grund. „Frauen zwischen 20 und 40 Jahren sind besonders betroffen“, berichtet Daniel Wilder. Daher könnten hormonelle Gründe eine Rolle spielen, das werde zumindest diskutiert. „Sie treten häufig an den kleinen Ausgängen der Haarausführungen und Schweißdrüsen auf. Leider heilen sie nicht spontan ab.“ Der Experte vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen rät dazu, Hautgrieß immer einem Hautarzt zu zeigen und gegebenenfalls entfernen zu lassen, vor allem, wenn es sich um die empfindliche Augenpartie handele.

Die gute Nachricht ist: Eine gesunde Hautreinigung kann das Risiko verringern, dass Milien überhaupt entstehen. Daniel Wilders Rat: „Eine tägliche milde Reinigung mit Gelen oder Waschlotionen, die der Haut angepasst sind, kann ich nur empfehlen. Aber keine zu stark abtragende Mittel verwenden, da es sonst zu einer starken Reizung der Haut mit zusätzlicher Talgproduktion kommen kann. Zusätzlich kann ein Peeling mit Fruchtsäure die abgestorbenen Hautzellen entfernen.“ Am besten sei es, Produkte aus der Apotheke zu verwenden, weil sie in der Regel keine Duft- und Konservierungsstoffe enthielten.

Auch Kosmetikmarken wie Nivea nehmen sich des Milien-Problems an und geben Tipps, wie man dem Hautgrieß zu Leibe rücken kann. Ein sanftes Zuckerpeeling zum Beispiel lässt sich einfach herstellen: „Verrühren Sie dafür den Saft einer halben Zitrone mit einem Esslöffel Zucker und einem Esslöffel Olivenöl“, sagen die Nivea-Berater. Ein Gesichts-Dampfbad ein- bis zweimal wöchentlich könne ebenso helfen. „Die warmen Bäder öffnen sanft die Poren, sodass sich Schmutz und überschüssiger Talg lösen.“

Nach dem Dampfbad sei allerdings Vorsicht geboten, ergänzt Daniel Wilder: „Danach unbedingt eine beruhigende Creme oder Lotion auftragen. Eine zu fettige Grundlage führt eher wieder zur Verstopfung der Poren.“

Chemische Peelings seien eine weitere Möglichkeit, Milien loszuwerden. „Sie wirken bis in deutlich tiefere Schichten der Haut“, sagt der Fachmann vom Hautzentrum Innenstadt in Stuttgart. „Hierdurch werden die Porengröße verkleinert und das gesamte Hautbild verfeinert. So etwas sollte aber nur von einem Arzt zusammen mit einer erfahrenen dermatologischen Kosmetikerin durchgeführt werden.“

Wer lieber bei Hausmitteln bleibt, hat nach Angaben von Wilder eine ganze Reihe von Optionen. „Apfelessig kann bei kleineren Milien helfen. Um eine zu starke Reizung zu verhindern, sollte er mit Wasser verdünnt und die Milien nur abgetupft werden.“ Auch ein frisches Aloe-Vera-Gel sei zur Entzündungshemmung sinnvoll. „Dies kann die Poren öffnen und nach Einwirkung über Nacht abgespült werden.

Helfen herkömmliche Mittel nicht, kann Retinolsalbe die Lösung sein oder aber auch Laser. „Ein Erbium-Laser entfernt ohne Narben die obersten Hautschichten. Die Haut verheilt in der Regel innerhalb weniger Tage“, sagt Daniel Wilder. „Danach ist unbedingt angepasster Sonnenschutz wichtig, um die neu gebildete Haut zu schützen.“ Auch eine operative Entfernung sei möglich, bei größeren Grießkörnern käme sogar ein Skalpell zum Einsatz.

Sanfte Peelings, zum Beispiel mit Heilerde, Kleie oder gemahlenen Mandeln, können bei Hautgrieß für glatte Haut sorgen. Foto: Getty Images/ iStockphoto/deniskomarov

Beruhigt sein kann nach Ansicht des Experten, wer unter sekundären Milien leidet, die zum Beispiel nach Verletzungen am Körper auftreten. „Sie heilen meist spontan ab“, berichtet der Dermatologe. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern treten sie häufig auf, seien aber kein Grund zu Sorge: Sie heilen innerhalb weniger Wochen ab.

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