Beauty: Hausmittel, die mehr schaden als nutzen

Beauty : Hausmittel, die mehr schaden als nutzen

Experten erklären, welche Produkte bei der Haut- und Haarpflege unwirksam oder sogar gefährlich sind.

„In der Familie, im privaten Gebrauch lange erprobtes und bewährtes Mittel gegen Krankheiten.“ So erklärt der Duden den Begriff Hausmittel. Wer im Internet unterwegs ist, findet jede Menge von diesen Tipps, die nicht nur gegen große und kleine Leiden helfen, sondern auch für schöne, glatte Haut sowie prächtiges, glänzendes Haar sorgen sollen. Doch nicht jedes Hausmittel hält das, was es verspricht, und von manchen raten Experten sogar ab.

Ein Beispiel dafür ist Honig, der auch zur Schönheit ägyptischen Pharaonin Kleopatra beigetragen haben soll. „Zur Verbesserung des Hautbildes kann das leckere Bienenprodukt meines Erachtens nicht beitragen“, sagt die Hautärztin Dr. Madeleine Schunter aus Laupheim. Ihr seien keine Inhaltsstoffe bekannt, die zu einer Verschönerung der Haut führen könnten. Im Gegenteil: Es gebe in Einzelfällen allergische Reaktionen bei der äußere Anwendung von Honig.

Bei dem oftmals empfohlenen Hausmittel Joghurt oder Quark bei Sonnenbrand ist sie ebenso skeptisch: Zwar wirkten die Milchprodukte angenehm kühlend auf der Haut, doch sie beinhalteten keine heilungsfördernden Stoffe. Die enthaltenen Keime könnten sogar eine Entzündung hervorrufen oder eine allergische Reaktion auslösen. Schunter rät, bei Hautbeschwerden einen Dermatologen zu konsultieren und nicht auf Omas Mittelchen und Mutter Natur zu vertrauen.

Das gelte auch beim Thema Haarausfall, sagt Antonio Weinitschke, Friseurmeister in Aachen und Art Director beim Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. „Kunden, die mehr als 100 Haare am Tag verlieren, raten wir grundsätzlich, zum Arzt zu gehen.“ Hausmittel könnten bei diesem Problem nichts bewirken. Auch Haarmasken und -spülungen mit Zutaten aus der Küche, wie zum Beispiel Bananen oder Eigelb, hält er für wenig sinnvoll. „Nur professionelle Haarpflegeprodukte enthalten Wirkstoffe, die ins Haar eindringen können.“ Er rät auch davon ab, Bier als Haarfestiger-Ersatz zu verwenden – „das trocknet das Haar aus“ – oder Apfelessig statt einer Spülung zu nehmen, da dieser viel zu viel Säure enthalte.

Dr. Jan-Olaf Piontek, Hautarzt in Mechernich und Rheinbach, begegnet im Praxisalltag ebenso Hausmittel, die mehr schaden als nutzen, etwa roher Knoblauch, der angeblich Pickel heilen soll. „Knoblauch ist scharf. Die darin enthaltenen Stoffe können die Haut schädigen. Da können regelrechte Löcher entstehen“, berichtet der Fachmann.

Auch bei Ekzemen rät er von Hausmitteln ab. „Teebaum-, Nachtkerzen- oder Klettwurzenöl oder auch Kamillentinktur können bei längerer Anwendung zu Kontaktallergien führen.“ Dabei reagiert die Haut mit Rötungen, Juckreiz und Bläschen.

Selbstgemachte Kosmetik könne ebenso unerwünschte Nebenwirkungen haben, beispielsweise Peelings, die mit Kristallzucker, grobkörnigem Meersalz oder Kaffeesatz die Haut glätten sollen. „Mechanische Peelings sind out. Die Schleifmittel können der Haut Mikroverletzungen zufügen, ihren Schutzfilm zerstören und sie so auf Dauer empfindlicher werden lassen“, erläutert der Dermatologe. Alternativen seien unter anderem Präparate mit Fruchtsäuren oder Harnstoff, die eine Kosmetikerin oder der Hautarzt auf die individuellen Bedürfnisse der Haut abstimmten. Eigenurin, der ebenfalls als Hausmittel für eine glatte Haut empfohlen werde, sei dafür ungeeignet.

Rezepte für selbstgemachte Kosmetik enthalten zudem oft Produkte wie Quark oder Eier, die nicht allzu lange haltbar sind. Sind sie verdorben, geben sie gute Nährböden für Bakterien und Schimmelsporen ab.

Und die klassische Gurkenmaske für eine pralle Haut? „Die wirkt – aber nur für zwei Stunden“, erklärt Jan-Olaf Piontek. Die Feuchtigkeit des Gemüses lasse die Haut aufquellen. Nachhaltig gegen Falten helfe dies nicht.

Kurios anmutende Hausmittel kennt der Hautarzt im Zusammenhang mit Warzen. Sie reichen von Bananenschalen über Essig bis zum „Wegbeten“ und Handauflegen. „Warzen werden durch Viren ausgelöst, die vom körpereigenen Immunsystem nicht abgewehrt werden können.“ Da sie meist von selbst wieder verschwänden, könne das als vermeintliche Wirkung eines Hausmittels verstanden werden. Er rät vom „Herumdoktern“ bei Warzen ab. Auch für diesen Begriff gibt es im Duden eine Definition: „auf dilettantische Weise zu heilen versuchen“.

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