| 00:00 Uhr

Für Nachtschichten ist niemand geeignet

München. Die Wissenschaft ist sich einig, dass Schichtdienst einer der stärksten Angriffe auf die innere Uhr ist. Bei ständigem Schichtdienst tritt fast jede Erkrankung gehäuft auf. Es gibt jedoch bereits Ideen, dieses Problem zu lösen. Hagen Strauß

(ml) Spättypen schlafen spät ein, müssen aber morgens sehr früh raus, wenn sie in der Frühschicht arbeiten. Daher bekommen diese "Eulen" in der Regel zu wenig Schlaf. Späte Schichten fallen ihnen hingegen leichter. Für die "Lerchen", die Frühaufsteher, sind die Frühschichten passender. Für Nachtschichten jedoch ist niemand geeignet. "Das sind Killerstunden", sagt die Professorin Dr. Josephine Arendt von der University of Surrey in England, die sich jahrelang mit den gesundheitlichen Folgen von Schichtarbeit beschäftigt hat.

Wer im rotierenden Schichtdienst arbeitet, soll hellwach sein, wenn die innere Uhr auf Schlaf programmiert ist, und er soll schlafen, wenn die innere Uhr auf körperliche und geistige Aktivität eingestellt ist. "Schichtarbeiter leben permanent gegen ihre innere Uhr", sagt der Neurobiologe Dr. Peter Spork.

Professor Dr. Till Roenneberg von der Universität München plädiert dafür, die Arbeitszeiten auf allen Ebenen und in allen Sparten unserer Wirtschaft zu flexibilisieren. Nur so könnten die Menschen wieder in dem von der inneren Uhr vorgegebenen Zeitfenster schlafen und brauchten keinen Wecker mehr. Dazu gehöre auch, dass die Schulzeiten auf die biologischen Bedürfnisse von Jugendlichen ausgerichtet werden. "Ein Land, dessen einziger Rohstoff in den Gehirnen der Menschen und damit in ihrer Ausbildung liegt, kann sich keine Mängel in der Lehr- und Lernwelt erlauben", sagt Roenneberg.

Der Experte schlägt vor, bei der Schichtplanung auf die Chronotypen der einzelnen Arbeitnehmer einzugehen. Dann müssten Spättypen nicht mehr in aller Frühe antreten, und Frühtypen müssten nicht bis spät in die Nacht arbeiten. "Sonderzuschläge sollten nicht mehr nur für die Nachtschichten bezahlt werden, sondern einfach und allein für die Forderung des Arbeitgebers, in Schichten zu arbeiten", sagt Roenneberg. "Nur wenn die alleinigen finanziellen Anreize für die Nachtschichten wegfallen, lassen sich gesundheitsförderliche Schichtpläne durchsetzen." Zudem müssten Mittel und Wege gefunden werden, die wenigstens in der Industrie Arbeiten zwischen drei und sechs Uhr in der Früh unnötig machen.



Zum Thema:

HintergrundDie Bundesregierung hat es im letzten November erneut abgelehnt, sich auf EU-Ebene für eine Abschaffung der Sommerzeit stark zu machen. Anders der Forschungsausschuss des Bundestages: Er hat jüngst das Büro für Technikfolgen-Abschätzung des Bundestages beauftragt, ein Gutachten über die Effekte der Zeitumstellung zu erstellen. has