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Für ihr Baby im Bauch braucht eine Mutter rund 70 000 Kalorien

Für ihr Baby im Bauch braucht eine Mutter rund 70 000 Kalorien

Damit eine befruchtete Eizelle im Mutterleib gesund heranwächst, braucht sie reichlich Energie. Für die Mutter ist es oft nicht einfach, die benötigte Kalorienzufuhr passend zu steuern. Allzu schnell hat sie zu viel Zucker konsumiert.

(ug) Schwanger zu sein, was für ein wunderbares Abenteuer! Aus einer befruchteten Eizelle wächst ein neuer Mensch heran. Haut, Haare, Hirn und Herz, Geschlecht, Gemüt und Temperament entstehen, wachsen und reifen unter der Regie der Hormone im Mutterleib heran. Dazu braucht es nicht nur neun Monate Zeit, sondern vonseiten der werdenden Mutter auch reichlich Nährstoffe und rund 70 000 Kilokalorien.

Zwischen zehn und 16 Kilogramm nimmt eine gesunde Schwangere durchschnittlich zu. Davon entfallen nur rund 3,5 Kilogramm auf das Kind, während sich die restlichen Kilos auf Fruchtwasser, Gebärmutter, Nachgeburt, erhöhtes Blutvolumen, vergrößerte Brüste und Energiereserven für die Stillzeit in Form von Fetteinlagerungen verteilen.

Schwangere Frauen müssen also kontinuierlich zunehmen, zumindest ab dem vierten Monat. Erst dann erhöht sich der tägliche Kalorienbedarf um rund 250 Kalorien, entsprechend etwa einem Käsebrot oder einer Portion Sahnequark mit Früchten. Der Bedarf an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen und Jod sowie an langkettigen Omega-3-Fettsäuren ist hingegen während der ganzen Schwangerschaft erhöht. Folglich ist es sinnvoll, in diesen neun Monaten ganz besonders auf eine hochwertige und nährstoffreiche Ernährung zu achten.

Mit der Kalorienzufuhr sollte man es jedoch nicht allzu sehr übertreiben. Denn übermäßige Gewichtszunahmen der werdenden Mutter sind neben bereits bestehendem Übergewicht, höherem Alter sowie Diabetes in der Vor- oder Familiengeschichte ein ganz wesentlicher Risikofaktor für Schwangerschaftsdiabetes und für übergroße Babys.

Strenge Diäten verbieten sich bei Schwangeren von selbst, schließlich benötigen Mutter und Kind viele Nährstoffe für ein gesundes Gedeihen. Besonders nährstoffreich bei moderater Kalorienmenge sind nicht nur Gemüse, Salate und frisches Obst, sondern auch Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Zudem wird häufig empfohlen, weniger Fett und reichlich ballaststoffreiche Kohlenhydrate wie Vollkornerzeugnisse und Hülsenfrüchte zu essen. Letztere müssen jedoch gut vertragen werden, was gerade in der Schwangerschaft nicht immer der Fall ist. Die Empfehlung, vor allem bei den Fetten zu sparen, ist auch nicht immer sinnvoll, denn Fett ist ein wichtiger Nährstoff, gerade in der Schwangerschaft.

Um den Zucker- und Insulinstoffwechsel zu entlasten, empfiehlt inzwischen auch die medizinische Leitlinie, bei Schwangerschaftsdiabetes die Kohlenhydratzufuhr (Nudeln, Reis, Kartoffeln, Kuchen, Kekse, Süßigkeiten, Softdrinks) zu verringern. Allerdings sind die empfohlenen Kohlenhydratmengen - 40 bis 50 Prozent der täglichen Kalorien sollen aus Kohlenhydraten stammen, 20 Prozent aus Eiweiß und 30 bis 35 Prozent aus Fett - noch immer recht hoch. Wenn viele Kohlenhydrate gegessen werden, sollte wenigstens auf deren glykämischen Index (GI) geachtet werden. Je geringer der GI, umso flacher verläuft der Blutzuckeranstieg nach dem Essen. Gemüse, Salate, zuckerarme Obstarten und Sauerteigbrot haben einen geringen GI. Bei Süßgetränken, fettarmen Süßigkeiten und Weißmehlerzeugnissen ist der GI hingegen hoch. Australische Ärzte fanden heraus, dass Schwangere, die ab dem vierten Monat Kohlenhydrate mit einem niedrigen GI bevorzugten, seltener übergroße Babys zur Welt brachten. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Annette Buyken vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund hält eine kohlenhydratreduzierte, eher fett- und eiweißbetonte Kost am ehesten geeignet, einen Typ-2-Diabetes zu verhüten.

Eine aktuelle Studie von Forschern aus zehn Mittelmeerländern unter Federführung der Universität Athen hat ergeben, dass die sogenannte mediterrane Ernährung mit frischen Lebensmitteln, Fisch, gutem Olivenöl und weniger Kohlenhydraten als üblich den Zuckerstoffwechsel der Schwangeren verbessert und das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes um knapp 40 Prozent senkt.

Zum Thema:

Hintergrund"Schwangerschafts-Diabetes im Griff" ist ein schönes, gut gemachtes, informatives Buch für Schwangere, bei denen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde. Es erklärt die Erkrankung, ohne Angst zu machen, und zeigt auf, dass diese meist vorübergehende Stoffwechselstörung mit wenig Aufwand in den Griff zu bekommen ist. Mit angemessener Ernährung und etwas Bewegung lässt sich der erhöhte Blutzucker meist wieder in den Normbereich absenken.Die Autorinnen stellen auch 90 Rezepte für unkomplizierte und schnell zuzubereitende Gerichte vor. Bedauerlicherweise wird noch viel Wert auf eine reichliche Kohlenhydratzufuhr gelegt. ugBettina Snowdon, Ute Schäfer-Graf: "Schwangerschafts-Diabetes im Griff - Gesund essen für mein Baby und mich", Trias-Verlag, 14,99 Euro